China will nicht mehr die Müllkippe der Welt sein und hat für 2018 ein Importverbot für Kunststoffabfälle erlassen. Auch Deutschland hat einen Teil seines Plastikmülls bisher im Reich der Mitte entsorgt. Was bedeutet die Entscheidung für die deutschen Müllentsorger und für die Verbraucher?

Wer das Wort Globalisierung hört, denkt vermutlich an das Internet, das mit dem hintersten Winkel der Welt Kommunikation in Sekundenschnelle ermöglicht, Großkonzerne, die weltweit agieren und völlig grenzenlosen Handel.

Aber an Müll? Auch im Entsorgungswesen ist die Welt längst zusammengerückt.

Deutschland entsorgt Plastik-Müll in China

Wenn man einen Kaffeebecher irgendwo in Deutschland in einen Mülleimer geworfen hat, bestand bisher die reale Chance, dass dieser Becher irgendwann in China auf einer Deponie auftauchte.

Denn China nimmt der Welt seit etwa 30 Jahren den Müll ab - und das nicht zu knapp. 2016 ging es mehr als die Hälfte des weltweit verkauften Mülls dorthin.

In Zahlen waren es rund 7,3 Millionen Tonnen allein an Plastikmüll im Wert von 3,7 Milliarden Dollar.

Das soll nach dem Willen Pekings nun der Vergangenheit angehören - obwohl in einigen Regionen Chinas die Müllverarbeitung ein wichtiger Wirtschaftszweig. Rohstoffe wie Kupfer, Eisen oder Papier konnten auf diese Weise gewonnen werden - oder einfach nur Energie.

Doch angesichts des eigenen wachsenden Müllproblems, enormer Verschmutzung und eines zunehmenden Umweltbewusstseins will die chinesische Regierung künftig zumindest keinen Plastikmüll mehr importieren.

Was bedeutet das für Deutschland und seine Bürger? Droht hierzulande das Müllchaos? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Wie viel Müll nimmt China uns ab?

87 Prozent der Kunststoffabfälle aus den EU-Mitgliedsländern wurde nach China exportiert.

Deutschland hatte daran mit 560.000 Tonnen - rund 9,5 Prozent des hier angefallenen Plastikmülls - einen vergleichsweise geringen Anteil.

Vor allem Folien aus Polyethylen und PET-Flaschen wurden exportiert. Doch damit ist bis spätestens März 2018 Schluss.

Was hat der deutsche Müll in China angerichtet?

Die Regierung will mit der Entscheidung die Umwelt und die Gesundheit der Bevölkerung schützen.

"Deutscher Müll konnte in China sehr preisgünstig aufbereitet und entsorgt werden, weil dort lockerere Umweltschutzbestimmungen gelten, es geringere Löhne und weniger Bürokratie gibt" sagt Dr. Thomas Probst, Referent für Kunststoffrecycling beim Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE) im Gespräch mit unserer Redaktion. "Das hat natürlich entsprechende Umweltauswirkungen, vor allem wenn er irgendwo nicht fachgerecht deponiert oder verbrannt wird."

China leidet unter Smog, verseuchten Böden und verdreckten Flüssen.

Wie groß ist das Problem für Deutschland?

Schon 2017 sind angesichts des chinesischen Importstopps 400.000 Tonnen an Kunststoffen mehr in Deutschland verblieben als zuvor. 2018 wird diese Zahl nach Schätzung des BVSE auf 600.000 Tonnen steigen.

"Die deutschen Märkte laufen voll, laufen über", mahnt Müll-Experte Probst. Noch sei China auf einen gewissen Mengenimport angewiesen.

Aber spätestens in ein, zwei Jahren werde die Situation in Deutschland "extrem eng" werden, wenn sich nichts ändere. "Wir müssen daher die Voraussetzungen schaffen, um uns besser um den deutschen Müll kümmern zu können."

Steckt darin auch eine Chance für Deutschland?

Konkret heißt das: die Recycling-Kapazitäten in Deutschland ausnutzen und erhöhen, deutlich mehr sortieren als bisher, um zu besseren Sortierqualitäten zu gelangen. Und bei der Produkt- oder Verpackungsentwicklung die Recyclingfähigkeit der Materialien besser als bisher berücksichtigen.

Das Umweltbundesamt bewertet die Entscheidung Chinas sogar positiv. Damit entstünden Anreize, in Deutschland die Kunststoffabfälle besser zu sortieren und aufzubereiten sowie mehr recycelte Materialien einzusetzen", heißt es laut "n-tv".

Was bedeutet der Importstopp für die deutschen Verbraucher?

Die deutschen Verbraucher werden die chinesische Entscheidung ganz konkret im Geldbeutel spüren, wenn auch nur geringfügig. "Die Lebensmittelverpackungen werden zwei bis drei Euro pro Jahr pro Verbraucher teurer", sagt Thomas Probst.

Die Verbraucher müssten seiner Ansicht nach zudem angehalten werden, deutlich besser als bisher zu trennen. Müllentsorger bemängeln schon seit Jahren, dass den Gelben Tonnen zu viel Schmutz und Dreck beigegeben wird.

Schließlich fordert Probst auch von den kommunalen Entsorgungsstrukturen mehr Engagement. "Sie müssten sicherstellen, dass die Gelbe Tonne sauber befüllt werden kann." Vor allem mit besserer Kommunikation gegenüber den Verbrauchern, was in die Tonnen und Säcke gehört und was nicht.

Auch der Staat reagiert: 2019 tritt ein neues Verpackungsgesetz in Kraft. Die vorgegebenen Recyclingquote steigt dann von 36 auf 58,5 Prozent, drei Jahre später sogar auf 63 Prozent.

Droht nun das Müll-Chaos?

Vermutlich nicht. Aber: "Wir werden schon in Schwierigkeiten kommen, aber es sieht nicht so aus, dass der Privatmann auf seinem Müll sitzen bleibt", sagt Probsts Kollege Jörg Lacher vom BVSE.

Ein Ausbau der Müllverbrennungskapazitäten scheint allerdings keine Lösung zu sein. Der Verband Kommunaler Unternehmen teilte laut "n-tv" mit, die Verbrennungsanlagen seien "gut ausgelastet".

Vielmehr müssten mehr Recyclinganlagen in Deutschland aufgebaut werden. "Kurzfristig wird sicher ein Teil der Kunststoffabfälle, die bisher nach China exportiert wurden, gelagert oder in andere Länder exportiert", erklärt Müll-Experte Probst.

Ein Großteil davon werde in den deutschen Müllverbrennungsanlagen landen. So oder so wird Deutschland reagieren müssen.

"Die Nachricht, dass China nicht mehr länger die Müllkippe der Welt spielen will", heißt es in einem Kommentar der Augsburger Allgemeine, "trifft Deutschland an einem wunden Punkt."

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