Tugce A. hat großen Mut bewiesen, als sich die junge Frau in einen Streit zwischen zwei Mädchen und aggressiven Männern einschaltete. Tugce musste ihre Zivilcourage jedoch mit dem Leben bezahlen. Wie verhält man sich bei Gewalt in der Öffentlichkeit, ohne selbst Opfer zu werden? Hätte die junge Frau etwas anders machen sollen? Und gelten für Frauen andere Regeln als für Männer?

Die internationale Presse nimmt Anteil an dem Schicksal von Tugce.

Andreas Mayer, Geschäftsführer der polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes, hat zu dem Geschehen in Offenbach eine eindeutige Meinung: "Die junge Frau hat, soweit ich das verfolgen konnte, alles richtig gemacht. Man muss sich in Sekundenschnelle entscheiden. Das ist natürlich schwierig. Eigentlich war die Situation danach gebannt. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, konnte sie nicht damit rechnen, auf offener Straße vor dem McDonald's noch einmal angegriffen zu werden." Hätte sie die Situation vorher erkennen können, wäre ein Aufenthalt im relativ geschützten Raum des Schnellrestaurants möglich gewesen, um Unterstützung zu organisieren.

Die Polizei gibt Tipps für optimales Verhalten bei aggressivem Geschehen. Einen Unterschied zwischen Männern und Frauen macht sie dabei nicht. "Die Verhaltensregeln, die wir geben, sind geschlechterübergreifend", erklärt Andreas Mayer. Allgemein gelte jedoch, dass, wenn man selbst in eine aggressive Situation komme, man versuchen solle, ihr schnellstmöglich zu entfliehen. "Oder man schüchtert das Gegenüber mit dem Aufbieten der gesammelten Kräfte ein, um sich danach sofort dem Angriff zu entziehen."

Allgemeingültige Regeln gibt es nicht. "Wir haben kein Patentrezept zur Bewältigung jeglicher Aggression", schreibt die Berliner Polizei in ihrem Flugblatt "Verhalten bei Gewalt". Trotzdem gibt es Tipps, wie sich Betroffene und Beobachter bei Gefahr in der Öffentlichkeit angemessen verhalten:

1. "Gefahr erkannt, Gefahr gebannt"

Wer frühzeitig aggressive Situationen erkennt, kann ihnen aus dem Weg gehen. Dabei rät die Berliner Polizei, auf das eigene Bauchgefühl zu hören: "Gefühle sind häufig ein Gefahrenradar. Menschen bemerken meist instinktiv, dass sich eine bedrohliche Situation ankündigt." Weil individuelle Gewalt aber nur selten vorkomme, sollte die Angst nicht überhand nehmen.

2. Helfen, ohne sich oder andere in Gefahr zu bringen

Die Polizei weiß um das Phänomen, dass trotz vieler Anwesender oft Unterstützung ausbleibt. Deswegen ist es als Umstehender nützlich, andere direkt anzusprechen. Beobachter sollten weitere Zeugen um Mithilfe bitten. Doch greifen Sie den Täter nicht selbst an oder beschimpfen Sie ihn nicht. Das Opfer selbst sollte auf das Geschehen aufmerksam machen, wenn möglich laut schreien und die Flucht ergreifen.

3. Notruf 110

Wenn Gewalt im Spiel ist, sollten Sie professionelle Hilfe einschalten. Greifen Sie nicht selbst ein, besonders wenn Waffen im Spiel sind. Ganz wichtig: Nicht gleich wieder bei einem Notruf auflegen, falls der Telefondienst zum Geschehen nachfragen will.

4. Den Täter genau beschreiben können

Wichtig sind für die Sicherheitsbeamten vor allem Aussehen, Kleidung und Fluchtrichtung. Ein schneller Anruf mit genauen Details zum möglichen Täter bringt die Polizei in den meisten Fällen weiter.

5. Konkrete Hilfe

Wenn Erste Hilfe nötig ist, sollten Sie ohne Zögern handeln. Wenn Sie diese Fähigkeiten nicht besitzen, können Sie Unterstützung organisieren. Und auch dann werden Sie gebraucht: Sprechen Sie mit dem Opfer und gewähren Sie ihm seelischen Beistand. Fragen Sie, wie Sie helfen können.

6. Als Zeuge zur Verfügung stehen

Das kennt die Polizei auch: Sie kommt an den Tatort und mögliche Beobachter sind verschwunden. Aber vielleicht ist nur Ihnen ein bestimmtes Detail aufgefallen. Mit Ihren Beschreibungen können Sie eventuell helfen, den Täter zu fassen und die Tat nachzuvollziehen. Falls Sie unter Zeitdruck sind, hinterlassen Sie der Polizei Ihre Kontaktdaten.