• Auch die Einsatzkräfte in dem rheinland-pfälzischen Katastrophengebiet erleben Schreckliches.
  • Wie sehr sie das alles belastet, tritt meist erst nach ihrer Rückkehr nach Hause zutage.

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Es gibt Katastrophen, die auch erfahrene Einsatzkräfte fassungslos machen. Katastrophen wie die Flut im rheinland-pfälzischen Ahrtal. "Ich bin schon seit Jahren im Einsatz. Aber ich hätte mir nicht vorstellen können, so etwas in Deutschland zu erleben", berichtet Innocent Töpper, der mit anderen Helfern vom Landesverband Sachsen des Deutschen Roten Kreuzes mehrere Tage lang im Hochwassergebiet unterwegs war. "Das sprengt alle Vorstellungskraft."

Einsatzkräfte haben "Tränen in den Augen"

Der 30-Jährige aus Radebeul bei Dresden war bei seinem Einsatz mitverantwortlich für die Betreuung von Notfallseelsorgern und Kriseninterventionskräften aus Sachsen. "Die Einsatzkräfte sind zwar geschult und vorbereitet, aber was sie im Ahrtal erlebt haben, hat viele geschockt. Die einen oder anderen hatten Tränen in den Augen."

Bei seiner Arbeit geht es um eine Art psychologische Ersthilfe für die Helferinnen und Helfer. Auch die haben jede Menge zu verarbeiten, wenn ihnen Bewohner von ihren schrecklichen Erlebnissen berichten, von dramatischen Szenen, von Toten, freigespülten Särgen. Oder wenn sie Menschen bei der Identifizierung von Leichen begleiten oder Bewohnern zur Seite stehen, deren Haus abgerissen wird.

"Was im Ahrtal geschehen ist, war eher ein Tsunami als ein Hochwasser", sagt Töpper mit Blick auf die zerstörerische Wucht des Wassers. Es seien nicht nur die Bilder, die den Bewohnern und Helfern in den Köpfen blieben. "Es sind auch die Geräusche vom rauschenden Wasser und der Geruch nach feuchtem Mauerwerk, nach Schlamm und Verwesung", berichtet er.

Ein Ohr für die Betroffenen haben

Ramona Kretschmann aus Klipphausen (Sachsen) war als DRK-Kriseninterventionskraft ebenfalls mehrere Tage im Katastrophengebiet im Einsatz, unter anderem in den besonders stark von der Flut heimgesuchten Gemeinden Schuld und Insul. "Was wir gesehen und erlebt haben, war sehr heftig", sagte die 58-Jährige.

Es gehe da am Anfang in erster Linie darum, einfach für die Betroffenen da zu sein und ein Ohr für sie zu haben. "Sie sind froh, wenn sie jemand zu reden haben, dem sie ihr Leid und ihre Probleme erzählen können. Einige Bewohner sind sehr aktiv und räumen mit einem unglaublichen Elan auf. Andere sind in einer Art Schockstarre."

Helfer verarbeiten Erlebnisse oft erst nach Einsatzende

Zur Arbeit der DRK-Helferin gehört auch die psychologische Betreuung von Einsatzkräften, die bei der Rettung von Verletzten oder der Bergung von Toten geholfen haben. "Wir achten in diesen Gesprächen auf Warnsignale, die sich mitunter auch hinter Galgenhumor verstecken können", berichtet sie. Es seien teils gerade junge Helferinnen und Helfer, die unter dem Erlebten besonders litten.

Viele dieser Erlebnisse werden oft erst verarbeitet, wenn der Einsatz vorbei ist. "Im Einsatz selbst steht die Aufgabe, das Funktionieren und die Hilfe im Vordergrund", weiß Alexander Strombach vom hessischen Landesverband im Arbeiter-Samariter-Bund.

"Dass ein Helfer vor Ort zusammenbricht, kommt eher selten vor." Der 41-jährige Notfallsanitäter und Diplom-Psychologe aus Wettenberg (Landkreis Gießen) kümmert sich um Helfer, die aus dem Katastrophengebiet zurückkehren.

Alle ASB-Helferinnen und -Helfer bekämen nach ihrem Einsatz eine psychologische Nachsorge. Die "Nachbesprechung" beginnt 48 bis 72 Stunden nach Einsatzende. Die Gesprächsrunden werden geleitet von Betreuern, die speziell in "psycho-sozialer Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E)" geschult sind.

Bei zehn Prozent der Einsatzkräfte sitzen die Probleme tiefer

In den Gruppensitzungen geht es laut Strombach vor allem darum, über das Erlebte zu reden und Lösungen zu finden, wie man mit Bildern, Geräuschen und Gerüchen umgeht, die aus dem Einsatzgebiet mitgebracht werden. In 90 Prozent der Fälle bilden sich die Symptome und Eindrücke nach Einschätzung des Psychologen nach vier bis sechs Wochen auf ein "nicht belastendes Maß" zurück.

Doch bei zehn Prozent der Rückkehrer sitzen die Probleme laut Strombach erfahrungsgemäß tiefer. Diese Menschen zu erkennen, ist ein weiteres Ziel der Gruppengespräche.

Bei ihnen könnte sich eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Für Betroffene gebe es dann weitere Hilfe bis hin zu einer Psychotherapie, berichtet der ASB-Experte. "Je früher in diesen Fällen die Intervention startet, desto wirksamer ist sie."

Schon vor den Einsätzen erhalten die Helferinnen und Helfer nach seinen Worten eine Grundausbildung, die sie auf die seelischen Belastungen und den Umgang damit vorbereitet. Dabei sei es auch ganz wichtig, dass die Einsatzkräfte wissen, dass sie nach ihrer Rückkehr selbst Hilfe bekommen. (dad/dpa)

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