Mit einer Machete schlugen sie in Italien einem Lokführer den Arm ab, weil er sie beim Schwarzfahren erwischt hatte. Die drei jungen Männer gehören zur Mara Salvatrucha, einer der berüchtigtsten Jugendbanden Lateinamerikas. Haben sich die Kriminellen nun auch in Europa festgesetzt?

Waffenhandel, Prostitution, Drogenhandel, Menschenhandel, Entführung, Mord – die Liste ließe sich fortsetzen. Verantwortlich für solche Verbrechen ist die lateinamerikanische Jungendbande Mara Salvatrucha. Nun haben drei Mitglieder der Gruppierung durch einen brutalen Angriff auf einen Lokführer in Mailand für Aufsehen gesorgt: Als er einem Zugbegleiter zur Hilfe kam, der die jungen Männer (19, 20, 20) beim Schwarzfahren erwischt hatte, wurde ihm mit einer Machete der Arm abgetrennt. Eine Blutspur zog sich über den Bahnsteig, auf den sich der Bahnangestellte schwerverletzt flüchtete. Ärzte retteten sein Leben und nähten den Arm später sogar wieder an.

Scheinbar nimmt die Gewalt in der Öffentlichkeit stetig zu.

Wie nach ihrer Verhaftung bekannt wurde, kommen zwei der Angreifer aus El Salvador, der dritte aus Ecuador, zwei Hauptverbreitungsländer der auch MS-13 genannten Bande. In Mittel- und Nordamerika kämpfen ihre Mitglieder – laut Schätzungen bis zu 100.000 – mit Mafia-Methoden um Macht und Geld. Guatemala, Bolivien, Honduras, Mexiko und Venezuela gelten als weitere Schwerpunktstaaten. Kein Zufall: Die Mordraten in El Salvador, Guatemala und Honduras zählen zu den höchsten der Welt. Aber auch in vielen Bundesstaaten der USA treibt die Gang ihr Unwesen, beispielsweise Texas und Kalifornien.

Die Mitglieder sind anhand ihrer Tätowierungen gut zu erkennen: Motive mit der Zahl 13 auf Nacken, Rücken oder Brust. Und an der ungeheuren Brutalität, die sich schon bei Einführungsritualen zeigt. Wer Marero sein will, so werden die Mitglieder genannt, muss sich von der Gruppe 13 Sekunden verprügeln lassen. Mädchen können zwischen Schlägen und Gruppenvergewaltigung durch 13 Männer wählen. Die meist unter 25-jährigen Mitglieder bezeichnen sich nicht ohne Grund als "Kinder des Teufels".

Bande in Italien und Spanien aktiv

Wie tief die Mara Salvatrucha in Europa verwurzelt ist und ob sie hier strategische Ziele verfolgt, darüber ist immer noch wenig bekannt. In Mailand gibt es kleinere Ableger, weil sich dort viele Einwanderer aus Mittelamerika niederlassen. Laut italienischer Polizei sollen die drei nun verhafteten Mareros bereits an einem Raubüberfall beteiligt gewesen sein. Auch in Portugal und Spanien haben sich offenbar Gruppen formiert: Allein in Madrid leben rund 350 Mitglieder konkurrierender Syndikate. Seit 2012 verzeichnete die Polizei der Hauptstadt 1.000 Festnahmen von lateinamerikanischen Bandenmitgliedern. 30 führende Köpfe konnten Anfang des Jahres nach Lateinamerika ausgewiesen werden, nachdem der Oberste Gerichtshof des Landes die Jugendbanden als "kriminelle Vereinigungen" eingestuft hatte.

Dort stehen ganze Landstriche und städtische Bereiche unter Kontrolle der Mara Salvatrucha, die sich mit der verfeindeten, mexikanisch dominierten Mara 18 tödliche Straßenkämpfe liefert. Einer der bekanntesten Fälle war die Entführung von Edwin Rene Palacios, Bruder des honduranischen Fußball-Nationalspielers Wilson Palacios. 2007 drangen Bewaffnete in das Haus von Palacios' Eltern ein und nahmen den damals 14-Jährigen an sich. Trotz mehrerer Lösegeldzahlungen wurde Palacios später tot aufgefunden.

Keine Hinweise auf Aktivitäten in Deutschland

In Deutschland gab es nach Auskunft des Bundeskriminalamts im Jahr 2013 keine konkreten Hinwiese auf Aktivitäten der Maras. Panikmache wäre trotz der brutalen Attacke in Mailand verfrüht. Im Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung ist im Bereich der Jugendkriminalität in den letzten Jahren ohnehin ein Rückgang der Fallzahlen zu verzeichnen. In Deutschland und anderen europäischen Ländern, insbesondere Frankreich, machen zwar lokale Jugendbanden in städtischen Zentren immer wieder Schlagzeilen, eine landesweite, organisierte Struktur wie bei den Maras ist zumindest hierzulande nicht erkennbar. Das weitaus größere Problem sind kriminelle Vereinigungen wie die Mafia, Einbrecherbanden oder Motorradgangs.

Einmal sorgte die Mara Salvatrucha in Deutschland dann doch für Aufsehen, wenn auch ungewollt. Zwei Designer aus Berlin entwarfen für die Münchener Trachtenfirma Angermaier im Vorjahr eine moderne, weite Lederhose – mit Teufelshörnern, Cannabisblättern und dem Gangsymbol "MS 13". Das hätte den Kriminellen sicher gefallen, der Trachtenfirma gefiel es gar nicht. Sie nahm die Lederhosen nach einem Tag aus dem Sortiment.