Zehn Millionen, 15 Millionen oder sogar 25 Millionen: Im Kampf gegen Terroristen und Verbrecher nehmen die USA viel Geld in die Hand – und das nicht nur für das Militär. Denn wer Hinweise zu gesuchten Personen gibt, dem winkt mitunter eine stattliche Belohnung.

Gerade erst ist Joaquín Guzmán spektakulär durch einen Tunnel aus dem Gefängnis getürmt, schon sorgt der mexikanische Drogenboss abermals für Wirbel: Fünf Millionen Dollar Kopfgeld haben die USA auf "El Chapo" ("Der Kleine") ausgesetzt – umgerechnet also etwa 4,6 Millionen Euro. Der Drogenbaron reiht sich damit ein in eine lange Liste, die vor allem Terroristen dominieren. Für ihre Ergreifung werden die dicksten Prämien gezahlt. Eine Übersicht der höchsten Kopfgelder aller Zeiten:

Abu Alaa Al-Afri (Sieben Millionen Dollar)

Ist er tot oder lebt er noch? Im Mai soll Abu Alaa Al-Afri bei einem Luftangriff im Irak getötet worden sein – das behauptet zumindest das irakische Verteidigungsministerium. Washington scheint dem indes nicht zu glauben und lässt Al-Afri weiter auf der Liste der Top-Terroristen stehen. Sieben Millionen Dollar sind der Regierung in Washington Hinweise wert, die zu dem Mann führen, der als Nummer zwei der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gilt.

Karte zeigt, was passiert, wenn die Atombombe Ihre Stadt trifft.

Abubakar Shekau (Sieben Millionen Dollar)

Er inszeniert sich gerne mit Camouflage und Sturmgewehr, grinst überheblich in die Kamera. Abubakar Shekau zählt als Chef der nigerianischen Terrorgruppe Boko Haram zu den meistgesuchten Männern weltweit. Auf sein Konto gehen verschiedene Anschläge, Entführungen und Gewalttaten. Immer wieder wurde über Shekaus Tod spekuliert, Beweise dafür fehlen bisher jedoch. Sieben Millionen Dollar bieten die USA denn auch für Infos zu seinem Verbleib. Und die scheinen notwendig. Immerhin ist nicht einmal das genaue Geburtsdatum des Islamisten bekannt, irgendwann zwischen 1965 und 1975 soll er geboren sein.

Sirajuddin Haqqani (Zehn Millionen Dollar)

Seit den 1980er Jahren ist das Haqqani-Netzwerk in Pakistan und Afghanistan aktiv. Die Angriffe der Guerilla-Gruppe, die mit den Taliban verbündet ist, richten sich dabei gleichermaßen gegen ausländische Soldaten und die Regierung im eigenen Land. So soll das Netzwerk etwa für den Anschlag auf das Hotel Intercontinental in Kabul von 2011 verantwortlich sein. An der Spitze der Organisation steht Sirajuddin Haqqani, von den USA seit Jahren mit Drohnen gejagt, aber noch immer nicht getroffen. Damit es endlich gelingt, verspricht Washington inzwischen zehn Millionen Dollar Belohnung. Auch auf weitere Mitglieder sind hohe Kopfgelder von bis zu fünf Millionen Dollar ausgesetzt. Alle zusammen kommen so auf 30 Millionen.

Er gilt als der mächtigste Drogenbaron der Welt – jetzt ist er spektakulär aus dem Gefängnis entkommen: Joaquín Guzmán, der Chef des mexikanischen Sinaloa-Kartells. Mit seinem Drogen-Schmuggel hat er es zum Milliardär gebracht. Seine Methoden: Bestechung, Drohungen und Mord.

Abu Bakr Al-Baghdadi (Zehn Millionen Dollar)

Es vergeht kaum ein Tag, an dem der selbsternannte Islamische Staat nicht durch neue Gräueltaten verstört. Vor allem ein Mann gibt der brutalen Terrortruppe ein Gesicht: Abu Bakr Al-Baghdadi, auf Fotos meist mit langem schwarzen Bart und Gewand zu sehen. Seit 2010 führt er Tausende von IS-Extremisten an, ist verantwortlich für unzählige Anschläge, Enthauptungen und Morde. Um Al-Baghdadi ranken sich viele Geschichten und Mythen, er selbst sieht sich als Nachfolger des Propheten Mohammed. Die USA hingegen sehen in ihm einen der gefährlichsten Terroristen der Welt und zahlen zehn Millionen für Hinweise, mit denen er aufgespürt werden kann.

Yasin Al-Suri (Zehn Millionen Dollar)

Nur wenig ist über den Mann bekannt, der einer der wichtigsten Finanziers von Al-Kaida sein soll: Seit 2005 unterstütze Yasin Al-Suri die Terrorgruppe, so die Vorwürfe der US-Regierung, indem er Geld und Rekruten aus dem gesamten Nahen Osten über Iran nach Pakistan und Afghanistan bringe. Auch nach Syrien soll er schon Al-Kaida-Kämpfer geschleust haben. Nicht weniger brisant: Offenbar duldet die iranische Regierung Al-Suri nicht nur, sondern entließ auf seinen Druck hin bereits Al-Kaida-Männer aus dem Gefängnis. Wer bei seiner Ergreifung hilft, kassiert dafür zehn Millionen Dollar.

Mullah Omar (Zehn Millionen Dollar)

Lange wusste niemand, ob er überhaupt noch lebt – doch vergangene Woche bestätigten die Taliban schließlich seinen Tod. 2013 soll ihr Chef Mullah Omar demnach an Tuberkulose gestorben sein, die afghanische Regierung bejahte entsprechende Berichte, und auch die US-Regierung scheint diese für glaubhaft zu halten. Omar war der geistliche Führer der Taliban und baute die islamistische Gruppe in den 1990er Jahren auf. Den USA war er schon lange ein Dorn im Auge, Washington hatte deshalb ein Kopfgeld von zehn Millionen ausgeschrieben.

Hafiz Mohammad Saeed (Zehn Millionen Dollar)

Er ist bekannt als der "Bomber von Mumbai", sein bürgerlicher Name aber lautet Hafiz Mohammad Saeed. Der Pakistaner gilt als Kopf hinter den Terroranschlägen im indischen Mumbai von 2008, bei denen 166 Menschen starben. Außerdem gründete er bereits 1989 die Terrorgruppe Laschkar e-Taiba, die im Grenzgebiet Kaschmir zwischen Indien und Pakistan kämpft und in mehrere Anschläge verstrickt sein soll – unter anderem den in Mumbai. Entsprechend viel Geld winkt Tippgebern: zehn Millionen Dollar. Denn Saeed ist noch immer auf freiem Fuß.

Udai und Kusai Hussein (je 15 Millionen Dollar)

Geheimdienste und Sicherheitsbehörden jagen nicht nur Terroristen und Verbrecher, sondern mitunter auch deren Angehörige. Zumindest wenn diese wie Udai und Kusai nicht einfach nur Söhne des irakischen Diktators Saddam Hussein sind, sondern auch wichtige Posten in Politik und Militär bekleiden, morden und foltern. 15 Millionen hatten die USA deshalb für jeden der beiden Söhne versprochen – und das mit Erfolg. Im Sommer 2003 wurden sie bei einem längeren Gefecht mit der US-Armee getötet. Den Aufenthaltsort der beiden kannten die Soldaten offenbar nur dank eines irakischen Informanten. Und der wurde später prompt mit 30 Millionen belohnt.

Osama bin Laden und Saddam Hussein (je 25 Millionen Dollar)

Sie sind heute nicht mehr am Leben, aber sie teilten sich einst den ersten Platz auf der US-Liste: der frühere Al-Kaida-Chef Osama bin Laden sowie der ehemalige irakische Präsident Saddam Hussein. Jeder von ihnen kam auf die Rekordsumme von 25 Millionen Dollar. Ihr Ende ist bekannt: Bin Laden wurde 2011 bei einem Spezialeinsatz von US-Soldaten erschossen, Hussein 2006 mit dem Strick hingerichtet.

Aiman al-Sawahiri (25 Millionen Dollar)

Er ist der meistgesuchte Mann der Welt: Aiman al-Sawahiri. Für den Chef der Terrororganisation Al-Kaida bieten die USA 25 Millionen Dollar Kopfgeld. Früher führte er die ägyptische Terrorgruppe Al-Dschihad, die unter anderem Präsident Muhammad Anwar as-Sadat ermordete. Bereits vor dem Tod des ehemaligen Al-Kaida-Anführers Osama bin Laden (siehe oben), galt Al-Sawahiri als dessen rechte Hand. Seit 2011 steht er nun an der Spitze.