Temperaturen knapp über dem zweistelligen Bereich, Dauerregen und kurz darauf wieder tropische 30 Grad. Dieser Sommer ist eine einzige Wetter-Achterbahn mit zahlreichen Klima-Loopings - ist das noch normal?

So drastisch die Wetterlage in einigen Teilen Deutschlands ist - aus Sicht von Meteorologe Michael Leistert vom Deutschen Wetterdienst (DWD) befindet sie sich im normalen Rahmen: "So ungewöhnlich ist das Wetter aktuell gar nicht. Wir leben nun mal in einem Übergangsklima", sagte Leistert.

Das gilt für die meisten betroffenen Regionen, aber noch nicht für alle.


Das heißt, dass die ständigen Wechsel von heiß nach kalt und wieder zurück typische Merkmale des hiesigen Wetters sind. Schließlich liegt Deutschland in Mitteleuropa und da kommt wettermäßig Einiges zusammen.

"Kalte Luftmassen kommen vorwiegend aus dem isländischen oder skandinavischen Raum, die warmen von der iberischen Halbinsel, Nordafrika oder Südfrankreich", sagt Leistert. "Die treffen unter anderem hier in Deutschland aufeinander. Also ist es mal einige Tag warm bis heiß und dann wieder kalt und regnerisch."

Ständige Wetter-Wechsel sind also keinesfalls die Ausnahme, sondern eher die Regel.

Juli außergewöhnlich regnerisch

Ein Teil dieser Regel sind dann aber doch immer wieder aufkommende Ausnahme-Situationen. Aktuelles Beispiel: die Regenfälle und Hochwasser im Juli. Es ist soviel Regen gefallen wie sonst in einem ganzen Monat.

Das findet auch Meteorologe Leistert ungewöhnlich, allerdings: "Auch sowas kommt immer wieder vor. Wir hatten mehrmals in den vergangenen Jahren Hochwasser nach starken Niederschlägen in Deutschland."

Man erinnere sich an die Hochwasserkatastrophe im Niederbayerischen Simbach 2016 oder an das Jahrhundert-Hochwasser 2013.

Der Grund, warum dieser Tage so viel Dauerregen auf Deutschland niederprasselt, lässt sich erklären: Schuld ist ein zweitägiges Tiefdruckgebiet, das sich kaum bewegt.

Wie ein Keil, der die Luft nach oben drückt

"Die Luftmassen werden durch thermische Prozesse aus den Randbereichen angehoben", erklärt Leistert, "Das kann man sich wie so eine Art Keil vorstellen, der die Luft nach oben drückt. Warme Luft schiebt sich darüber, wobei die dann wiederum abkühlt. Dadurch kondensiert Wasser in der Atmosphäre. Es bilden sich Wolken und zum Schluss regnet es."

Wenn sich dieses Tiefdruckgebiet nicht bewegt, und gleichzeitig wärmere Luftmassen ankommen, bleibt der Regen.

Hoffnung für den Sommer

Nach dem Dauerregen kommt die Tropenwalze mit bis zu 30 Grad. Zumindest sind das die Aussichten für die kommenden Tage.

Doch so richtig sommerlich wird es nicht. "Warme, trockene Sommertage sind - zumindest über einen längeren Zeitraum - noch nicht in Sicht", erklärt Leistert, "man muss sich eher auf schwüle Tage einstellen. Gewittern wird es höchstwahrscheinlich auch."

"Warme oder sogar heiße Phasen sind 2017 noch möglich"

Adieu braucht man zum Sommer 2017 allerdings noch nicht sagen. Statistisch gesehen macht der August nämlich Hoffnung, denn gerade die erste Augusthälfte ist normalerweise die wärmste des Jahres.

"Warme oder sogar heiße Phasen sind 2017 durchaus noch möglich", sagt Leistert, "Gerade im Süden Deutschlands kann man durchaus bis Mitte September noch mit Sommertagen rechnen."

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Hochwasser und Überschwemmungen nach Dauerregen in Deutschland

In weiten Teilen Deutschlands hat es erneut heftige Regenfälle gegeben. Besonders betroffen waren in der Nacht zu Dienstag der Süden Niedersachsens und der Norden Thüringens, wie der Deutsche Wetterdienst am Morgen mitteilte. Aktuelle Bilder der Wetterlage.