Der Attentäter von Orlando hatte sich während seiner Bluttat zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) bekannt. Darauf hat nun die Hacker-Organisation Anonymous reagiert und zahlreiche Twitter-Accounts des IS mit schwulenfreundlichen Inhalten attackiert.

Attentäter Omar Mateen hatte bei seinem Massaker in dem Schwulen-Club "Pulse" in Orlando/Florida 49 Menschen getötet. Über sein tatsächliches Tat-Motiv herrscht bislang immer noch Unklarheit.

Der 29 Jahre alte US-Amerikaner mit afghanischen Wurzeln hatte sich während seiner Bluttat telefonisch zum sogenannten "Islamischen Staat" (IS) und der islamistischen Al-Nusra-Front bekannt. Dieser Umstand irritiert, da beide Organisationen verfeindet sind und sich sogar gegenseitig bekämpfen.

Terrormiliz IS verantwortlich für Massaker von Orlando?

Der IS hatte seine vermeintliche Verantwortung für das Blutbad offiziell bestätigt. Obgleich dies keine tatsächliche Verbindung zwischen Omar Mateen und dem IS bedeuten muss, kann ein Terror-Motiv nicht ausgeschlossen werden. Ebenso wenig ein rein homophober Hintergrund. Omar Mateen soll einen Hass gegen Schwule gehegt haben, obgleich er selbst mitunter in dem Schwulen-Club "Pulse" verkehrt haben soll.

Die global operierende Hacker-Organisation "Anonymous" hat beide möglichen Tat-Motive zum Anlass genommen, um bekannte Twitter-Accounts des IS zu attackieren.

Ein Anonymous-Hacker mit dem Pseudonym "WauchulaGhost" soll demnach rund 250 Twitter-Accounts, die als Propaganda-Kanäle der Terrormiliz "Islamischer Staat" zugerechnet werden, mit Schwulen-Pornos sowie schwulenfreundlichen Botschaften bearbeitet haben. Das erklärte der Hacker gegenüber der "Washington Post".

"Daesh mag keine Pornos", begründete "WauchulaGhost" in einem Telefon-Interview. Der Begriff "Daesh (ausgesprochen Da-esch) steht im arabischen Sprachraum für "Al-Daula al-Islamija fil-Irak wal-Scham", was übersetzt bedeutet: Der Islamische Staat im Irak und der Levante.

Anonymous will "Islamischen Staat" lächerlich machen

Daesh möge grundsätzlich auch keine Frauen, so der Hacker weiter. Man nutze das pornografische Material nun einfach, "um den IS lächerlich zu machen und im Internet zurückzudrängen". Statt Propaganda-Botschaften wurden über die gehackten Accounts Bilder von nackten Frauen, schwulen-pornografisches Material sowie Aussagen wie "Ich bin schwul und stolz darauf" zu lesen.

Die Regierung selbst tue zu wenig gegen die Internet-Propaganda des IS, meinte der Hacker. "Man kann dort überall Bilder von Enthauptungen sehen. Die Kids sind online und sehen diese Bilder." Natürlich stellt sich bei dieser Argumentation die Frage, ob es sinnvoll ist, bestialische Gewalt-Darstellungen mit Pornografie zu ersetzen.

Ryan Calo, Professor an der Universität von Washington und Online-Experte, kritisiert in der "Washington Post" diese Strategie des Anonymous-Hackers. Pornografie sei nicht wirklich sinnvoll, da dies gemäßigte Muslime ebenso beschäme wie Juden oder Christen. Die Mehrheit der Muslime sei gegen Terrorismus, aber eben auch gegen Pornografie.

Zudem sei Pornografie ebenso wenig für Kinder gedacht wie Enthauptungen, argumentiert Calo.

Anonymus führt Cyber-Krieg gegen IS

Für Anonymous-Hacker "WauchulaGhost" ist das wohl das kleinere Übel. "Mein Ziel ist es, eines morgens aufzuwachen und Nachrichten von Daesh mit Morddrohungen zu erhalten, dass sie mir den Kopf abschneiden wollen. Denn je wütender sie werden, desto glücklicher bin ich."

Anonymous hatte dem sogenannten "Islamischen Staat" nach der Terrorattacke von Paris im November 2015 offiziell in einem Video den Cyber-Krieg erklärt: "Wir werden euch finden und wir werden nicht nachlassen. Wir werden die wichtigste Operation gegen euch starten, die je gegen euch geführt wurde. Der Krieg hat begonnen."

Seitdem hat Anonymous Zehntausende Twitter-Accounts attackiert.