US-Wahl 2020: Das letzte TV-Duell von Donald Trump gegen Joe Biden - in Zitaten

Das zweite - und letzte - Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden vor der US-Wahl am 3. November lief gesitteter ab als beim ersten Aufeinandertreffen im TV vor wenigen Wochen. Trotzdem: Von gesittet kann am Ende nicht die Rede sein, wie die Zitate der Nacht belegen. (mit Material der dpa)

US-Präsident Donald Trump und sein Herausforderer Joe Biden haben am 22. Oktober in Nashville (Tennessee) ihre zweite TV-Debatte bestritten. Es war gleichzeitig die letzte vor der Präsidentschaftswahl am 3. November.
Geleitet wurde das Duell in der Belmont University von Kristen Welker, Moderatorin bei NBC News. Sie hatte einen riesigen Vorteil gegenüber ihrem Vorgänger ...
Ihr stand ein Stumm-Schaltknopf zu Verfügung, mit dem sie Redezeit von zwei Minuten pro Kandidaten regulieren konnte. Auch deshalb lief die Debatte geordneter ab als die erste vor gut drei Wochen. Wobei sich beide Kontrahenten auch diesmal harte Rededuelle lieferten.
Biden teilte mit Blick auf Trumps Verhalten in der Corona-Pandemie und die steigenden Infektionszahlen in den USA aus: "Niemand, der für so viele Todesfälle verantwortlich ist, darf Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika bleiben."
"Er sagt, wir lernen, damit zu leben. Menschen lernen, damit zu sterben. Wir werden durch einen dunklen Winter gehen - und er hat keinen Plan", schimpfte Biden. Zwischendurch wedelte er mit seinem Mund-Nasen-Schutz.
Trump betonte: "Wir müssen das Land öffnen. Wissen Sie, ich habe es oft gesagt, das Heilmittel darf nicht schlimmer sein als das Problem selbst." Man könne das Land nicht der Pandemie wegen geschlossen halten.
Gleichzeitig schlug der US-Präsident fast schon versöhnliche Töne an - zumindest seinem Kontrahenten gegenüber. "Ich übernehme die volle Verantwortung. Es ist nicht meine Schuld, dass es so weit gekommen ist. Es ist nicht Joes Schuld. Es ist Chinas Schuld."
Der US-Präsident versuchte, die Entwicklung in ein positiveres Licht zu rücken. "Wir kämpfen dagegen, und wir kämpfen intensiv", sagte er. "Immer mehr Menschen geht es besser." Laut der Johns Hopkins University stehen die USA mit mehr als 8,4 Millionen Infektionen und über 223.000 Todesfällen im Zusammenhang mit COVID-19 an der Spitze der am meisten von der Pandemie gebeutelten Länder (Stand: 23. Oktober).
Biden (re.) konterte Trumps Aussage, er habe ein gutes Verhältnis zu Kim Jong Un, mit dem wohl provokantesten Satz des Abends: "Und wir hatten ein gutes Verhältnis zu Hitler, bevor er in Europa einfiel." Trump hatte sich mehrfach mit dem nordkoreanischen Diktator getroffen, um das Land zur Aufgabe seines Atomwaffenprogramms zu bewegen - bisher ohne Erfolg.
Biden versuchte, mit seiner Haltung zum Thema Rassismus zu punkten. "Es ist eine Tatsache, dass es in den USA strukturellen Rassismus gibt", betonte er - und griff Trump direkt an: "Er", sagte Biden an das Publikum gerichtet, "gießt in jedes einzelne rassistische Feuer Öl."
Der US-Präsident konterte: "Ich bin die am wenigsten rassistische Person in diesem Raum."
Einmal mehr warf Trump (re.) seinem Herausforderer vor, sich der Korruption schuldig gemacht zu haben. "Ich mache kein Geld mit China, Sie schon. Ich mache kein Geld mit der Ukraine, Sie schon", sagte er.
Biden behauptete, er habe "niemals in meinem Leben einen Penny von einer ausländischen Quelle angenommen". Und ging zum Gegenangriff über: "Sie haben kein einziges Jahr ihre Steuererklärungen herausgegeben. Was haben Sie zu verbergen?"
Trump wehrte sich gegen den Vorwurf der Steuervermeidung: "Ich habe Abermillionen Dollar an Steuern vorab gezahlt."
Auch auf die Mauer zu Mexiko, die er seinen Wählern 2016 versprochen hatte, kam der US-Präsident zu sprechen. "Wir haben jetzt eine stärkere Grenze als je zuvor", behauptete Trump. Laut US-Grenzschutz sind rund 400 Kilometer fertiggestellt - größtenteils wurde jedoch renoviert: Der Zaun ist nun 26 Kilometer länger als zu Beginn von Trumps Amtszeit. Insgesamt misst die Grenze zwischen den USA und Mexiko 3.145 Kilometer.
Trump machte sich über die hohen Spendeneinnahmen der Demokraten lustig. "Ich könnte Eure Rekorde wegpusten, wie es niemand für möglich halten würde", spottete er. "Wir brauchen keine Geld. Wir haben jede Menge Geld." Allein im September sammelte Biden 383 Millionen Dollar ein - Rekord für seine Partei.
Mit Blick auf die Gesundheitspolitik der USA sagte Biden: "Jeder sollte das Recht auf eine bezahlbare Gesundheitsversorgung haben." Trump hatte nach seiner Wahl versucht, die Krankenversicherung für alle - besser bekannt als "Obamacare" - zu kippen. Bisher ohne Erfolg - nach der Wahl wird darüber jedoch am Supreme Court verhandelt.
Zu einer versuchten Einmischung aus dem Ausland in die US-Wahlen sagte Herausforderer Biden: "Jedes Land, das sich einmischt, wird einen Preis bezahlen, weil es unsere Souveränität verletzt." Trump konterte: "Es gibt niemanden, der härter gegen Russland eingestellt ist als Donald Trump."
Zu Bidens Wahlversprechen, einen Übergang von fossilen zu erneuerbaren Energien zu schaffen, sagte Trump: "Ich weiß mehr über Wind als du. Sie (Windräder, Anm.) sind extrem teuer, töten alle Vögel, sie sind sehr sporadisch, es gibt eine Menge Probleme und sie werden zufällig in Deutschland oder China hergestellt."
Auf die Frage, was er bei der Amtseinführung den Amerikanern sagen würde, die nicht für ihn gestimmt haben, antwortete Biden: "Ich werde sagen: 'Ich bin ein amerikanischer Präsident, ich vertrete euch alle, ob ihr für oder gegen mich gestimmt habt.'"