• Der Alkoholkonsum hat in Deutschland in den letzten zehn Jahren abgenommen.
  • Während der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum alkoholischer Getränke 2009 noch 139 Liter betrug, waren es zehn Jahre später nur noch 129 Liter.
  • Auch der Winzer Philipp Rieger hat diese Tendenz erkannt und uns im Gespräch erklärt, was es genau mit alkoholfreiem Wein und Sekt auf sich hat.

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Das Angebot an alkoholfreien Weinen ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Zu den Absatzzahlen hat das Deutsche Weininstitut 2020 eine Studie in Auftrag gegeben. Zwar zeigte diese lediglich einen minimalen Anstieg, die tatsächlichen Zahlen dürften heute jedoch um einiges höher liegen: "Der Marktanteil dieser Weinalternativen am gesamten Weinkonsum dürfte sich aus heutiger Sicht (August 2020) zwar noch unter einem Prozent bewegen, jedoch berichten nahezu alle Anbieter über steigende Absatzzahlen," schreibt das Institut.

Und nicht nur die großen Wein- und Sektkellereien setzen vermehrt auf diese Alternative, auch kleine Weingüter sehen sich in der Pflicht, ihren Kunden die Möglichkeit des alkoholfreien Genusses anzubieten. So auch Philipp Rieger. Ihm gehört ein kleines Bio-Weingut in Betberg/Baden. "Wir wurden immer wieder von Kunden angesprochen, ob wir nicht auch alkoholfreie Weine im Angebot hätten. Daraufhin habe ich mich intensiver mit der Sache befasst und das Potenzial erkannt", so Rieger. Mit seinen beiden Zero-Weinen bedient er sowohl die Rotwein- als auch die Weißweintrinker.

Gesünder ohne Alkohol

Gründe dafür, im Alltag auf Alkohol zu verzichten, gibt es viele. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO gehört Alkohol "zu den führenden Ursachen für Krankheit und vorzeitigen Tod in der Europäischen Region". Wer den Genuss von Wein dennoch nicht missen mag, für den gibt es ein immer größer werdendes Angebot an alkoholfreien Alternativen.

Eine Studie aus Großbritannien zeigt zudem: Alkoholfreier Wein hat die gleichen herzstärkenden Vorteile wie sein alkoholhaltiger Verwandter, nur eben ohne den schädlichen Alkohol. Das erklärte Ernährungswissenschaftler Dr. Rudolph Schutte kürzlich in einem Interview mit der "Times".

Denn trotz der Entalkoholisierung bleiben die dafür verantwortlichen Polyphenyle im Wein erhalten, sie wirken sich positiv auf die Herzgesundheit aus und sollen außerdem auch Hautkrebs vorbeugen.

Auch Diabetiker können sich ab und an ein Glas alkoholfreien Wein gönnen, denn mit dem fehlenden Alkohol sinkt die Gefahr, in eine Unterzuckerung zu verfallen, so der Diabetes-Ratgeber der "Apotheken Umschau". Allerdings enthalten auch diese Weine eine gewisse Restsüße. Deshalb sollte bei jedem Verzehr auf die Nährstoffinformationen geachtet werden.

Weiterer Gesundheitsbonus: Mit dem Alkohol gehen auch zahlreiche Kalorien flöten. Ein Glas trockener Rotwein schlägt mit etwa 80 Kilokalorien zu Buche, wohingegen sein alkoholfreier Verwandter nur 15 Kilokalorien hat.

Mehr als nur Traubensaft

Alkoholfreier Wein ist Wein, dem durch ein schonendes Verfahren im Nachhinein der Alkohol entzogen wird. In den letzten Jahre hat sich da einiges getan, weiß auch die ehemalige badische Weinprinzessin und Weinmarketingexpertin Hannah Herrmann: "Die Nachfrage steigt und steigt und daraus ergibt sich ein immer größeres Angebot mit immer besser werdenden Qualitäten."

So wurden bessere Techniken entwickelt, die den Alkohol entfernen, ohne dabei den einzigartigen Charakter des Weins zu zerstören. "Man begann auszuprobieren und hat bemerkt, dass beispielsweise mittels Vakuumdestillation feine Bukettnoten erhalten bleiben. Sie sind charakteristisch für den weintypischen Geschmack," erklärt sie. Die Weine werden bei diesem Verfahren in einem Vakuum auf etwa 30 Grad Celsius erwärmt, die Alkoholmoleküle verdampfen dabei.

Bio-Winzer Philipp Rieger setzt jedoch auf eine recht neue Methode der Entalkoholisierung: Bei der so genannten Umkehrosmose wird der Wein unter Druck durch eine Membran tiefenfiltriert. Die kleineren Alkoholteilchen werden dabei sozusagen ausgesiebt, Aromen und andere wichtige Inhaltsstoffe bleiben erhalten, erklärt Rieger. Als Grundwein wird vielmals eine speziell dafür zusammengestellte Cuvee verwendet. Technisch eignen sich aber auch reine Weinsorten.

Der Winzer verwendet in seinen beiden Cuvees die Sorten Riesling, Muskateller und Müller-Thurgau beim Weißwein sowie Regent und Spätburgunder beim Rotwein. Diese bieten ein großes Spektrum an Fruchtaromen, die sich dann beim Genuss des Zero-Weins entfalten.

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Um geschmacklich dem Original immer näherzukommen, muss der Grundwein eine hohe Qualität haben, so Rieger. Deshalb tüftelt er zusammen mit seinem Team und mithilfe von natürlichen Werkzeugen daran, immer geeignetere Grundweine auszubauen, die den fehlenden Alkohol geschmacklich kompensieren.

Aber merkt man einen Unterschied im Geschmack? "Ja", erklärt Hannah Herrmann: "Alkohol ist ein Geschmacksträger, an den auch Aromen geknüpft sind." Dennoch sei der Geschmack nicht zu unterschätzen und komme dem "Original" sehr nah. "Einfach mal probieren", empfiehlt sie.

Alkoholfreier Wein ist auch zum Kochen geeignet

Häufig verbleibt ein kleiner Prozentsatz Restalkohol - des Geschmackes wegen. Denn "alkoholfrei" bedeutet eben nicht 0,0 Prozent. Laut EU-Richtlinie darf sich ein Getränk "alkoholfrei" nennen, wenn der Alkoholgehalt unter 0,5 Prozent liegt. Heißt auch, dass alkoholfreier Wein nicht für jeden geeignet ist.

Kinder sollten ihn beispielsweise nicht trinken. Zu groß ist die Gefahr, dass sie sich frühzeitig an den Geschmack von Alkohol gewöhnen und auch trockene Alkoholiker sollten lieber zu anderen Getränken greifen. Für Fahrer oder Alkoholfaster ist er jedoch die perfekte Alternative. Schwangere dürfen alkoholfreie Getränke in Maßen ebenfalls konsumieren, schreibt der Bundesverband der Frauenärzte, denn auch bei naturtrüben Säften könne ein Restalkohol nicht ausgeschlossen werden.

Noch ein Tipp: Auch zum Kochen ist alkoholfreier Wein eine echte Alternative. Wer bei Soßen oder beim Risotto auf Alkohol verzichten möchte, kann auch hier auf alkoholfreie Weine zurückgreifen.

Denn diese eignen sich hervorragend zum Ablöschen und Verfeinern von Gerichten. Zwar könnte man dabei auch auf Fruchtsäfte setzen, das Weinaroma liefert aber noch das gewisse Extra.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Winzer Philipp Rieger
  • Gespräch mit Weinprinzessin und Weinmarketingexpertin Hannah Herrmann
  • Statista: Wie oft trinken Sie Alkohol?
  • WHO, WHO/Europa: Q&A – Wie sieht unbedenklicher Alkoholkonsum aus?
  • The Times: Alkoholfreier Wein "hat die gleichen Herzvorteile wie normaler Wein"
  • Bundesverband der Frauenärzte: Alkoholfrei schon beim Kinderwunsch
  • Apotheken Umschau: Diabetes Ratgeber
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