Das ZDF ließ am Dienstagabend Aldi gegen Lidl antreten. Der "große Einkaufs-Check mit Nelson Müller" zeigte: Welcher Discounter die bessere Wahl ist, liegt immer auch im Auge des Kunden.

Eine Kritik
von Thomas Fritz, Freier Autor

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Preise, Bio-Angebot, Fairness-Vergleich: Nelson Müller wollte anhand von Produkttests, Langzeitbeobachtungen und Geschmacks-Duellen zeigen, welcher deutsche Discounter die bessere Wahl ist - Aldi oder Lidl?

Der bekannte Sternekoch begutachtete dafür im ZDF das Sortiment der beiden Handelsriesen, ließ Mitarbeiter der Verbraucherzentrale, Lebensmittelexperten und Kunden zu Wort kommen.

Wer ist günstiger - Aldi oder Lidl?

Zuerst beschäftigte sich Müller mit der für viele Kunden wohl wichtigsten Frage: Wie viel bleibt am Ende des Einkaufs im Portemonnaie? Über neun Wochen wurden Preis für 15 Produkte verglichen, die es bei Aldi Nord und Aldi Süd sowie Lidl zu kaufen gibt, etwa Kerrygold Butter, Haribo Goldbären oder Coca Cola. Das Ergebnis: Obwohl Lidl in den neun Wochen fünfmal die Preise bei den Markenprodukten reduzierte und Aldi nur dreimal, kosteten die Waren bei Aldi (Nord und Süd verrechnet) am Ende 38,13 Euro und bei Lidl 38,16 Euro im Durchschnitt.

Wer hat mehr Marken im Sortiment?

Hier hatte Lidl klar die Nase vorn. Von 26 Produkten, die Müllers Testeinkäufer besorgen sollten, griffen sie bei Lidl 20 Markenprodukte aus dem Regal, bei Aldi dagegen nur elf. Das spiegelt sich auch in der gesamtem Produktpalette wider. 160 Markenprodukte vertreibt Aldi, beim Konkurrenten sind es etwa 950 – was rund 25 Prozent des gesamten Sortiments ausmacht.

Aldi oder Lidl: Wer schmeckt besser?

Beim längsten – und aus Zuschauersicht leider langatmigsten – Teil der Sendung mussten 50 Tester die Eigenmarken von Lidl und Aldi geschmacklich bewerten. Es kamen Produkte aus dem Frühstückssortiment auf den Probier-Löffel. Bei Erdbeerkonfitüre (58 Prozent), Orangensaft (55 Prozent), Buttertoast (60 Prozent) und Müsli (54 Prozent) entschied sich die Mehrheit der Tester für Aldi. Nur beim Filterkaffee punktete Lidl (53 Prozent Zustimmung).

Wer setzt mehr Chemie ein?

Chemie auf der Zitrone oder Orange? Das ist bei den von den Discountern verkauften Südfrüchten leider kein Einzelfall.

Obwohl keine Grenzwerte überschritten wurden, sind Gefahren für die Gesundheit nicht auszuschließen. Keiner von Müllers Lebensmitteltestern wusch die Früchte vor dem Verzehr, wenngleich das Schalenbehandlungsmittel Imazalil als bedenklich gilt. Laut Prof. Hajo Haase von der TU Berlin wurde bei Studien an Tieren unter anderem die Entstehung von Krebs mit dem Mittel in Verbindung gebracht.

Außerdem fanden Chemiker im Labor insgesamt zehn weitere Stoffe auf den Früchten, die zwar nicht deklariert werden müssen, vor denen Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin jedoch trotzdem warnt. Sie sprach von einem "Giftcocktail, den man eher vermeiden sollte". Es gäbe kaum Studien zur Wirkung der Stoffe.

Unterm Strich schnitt Lidl im Vergleich der Stiftung Ökotest und auch in der ZDF-Laboranalyse etwas schlechter als der Konkurrent ab.

Auch in Deutschland kommt kaum ein Verbraucher am Unternehmen vorbei.

Wie gut ist die Bio-Qualität bei Aldi und Lidl?

Bei den Bio-Produkten fahren die Discounter eine unterschiedliche Strategie. 2018 nahm Lidl Bioland-Produkte ins Sortiment auf, um gegen Aldis Bio-Offensive zurückzuschlagen. Für Bioland gelten strengere Richtlinien als für Aldis Waren nach EU-Bio-Standard. Demnach dürfen beispielsweise bis zu fünf Prozent des Tierfutters aus konventioneller Herstellung kommen, bei Bioland muss das Futter zu 100 Prozent bio sein.

Im Preis macht das für den Endverbraucher so gut wie keinen Unterschied. Wie das geht? Verbraucherschützerin Schautz erklärt: Discounter machen eine Mischkalkulation. Sie locken Leute mit Bioprodukten ins Geschäft, die Gewinne machen sie dann mit herkömmlichen Waren.

Insgesamt vertreibt Lidl übrigens 200 Bioprodukte, bei Aldi Nord sind es 300, bei Aldi Süd sogar 330. Nelson Müllers Fazit: Lidl hat weniger Bio, dafür aber das bessere Bio.

Wer ist fairer zu Herstellern?

Beide Discounter verkaufen Fair Trade Produkte, bei Aldi sind es fünf Prozent aller Waren, bei Lidl ein Prozent.

Recherchen des ZDF zeigen jedoch, dass beide Ketten längst nicht mit allen Herstellern gut umgehen. Winzer berichten anonym von großem Druck, das Preisdiktat der Handelsriesen mitzumachen. Anderenfalls würden sie auf ihrem Wein sitzenbleiben.

Winzer Jens Windisch, der seinen Wein mittlerweile selbst vermarktet, anstatt mit Discountern zusammenzuarbeiten, erklärt, dass es sehr schwierig sei, nachhaltig zu produzieren, Mitarbeiter fair zu entlohnen und selbst davon zu leben, wenn die Flasche Wein am Ende für unter fünf Euro im Regel steht.

Auch im Fairness-Ranking der Entwicklungshilfeorganisation Oxfam schnitten Aldi und Lidl 2019 nicht gut ab. Aldi Nord schaffte nur fünf der möglichen 100 Prozent, Lidl neun, Aldi Süd 19.

Was ist das Fazit?

In einer überwiegend kurzweiligen, informativen Sendung unterstreicht Nelson Müller, "dass die oft zu günstigen Preise wahrscheinlich zu Lasten anderer entstanden sind". Und so lässt sich die Sendung auch als Appell an den mündigen Verbraucher verstehen, der durch sein Kaufverhalten mitentscheidet, in welche Richtung sich die Discounter entwickeln.

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