• Trotz Kritik von Umweltaktivisten nahm die Bekleidungsindustrie mit Fast Fashion wieder mehrere Milliarden Euro ein.
  • Die synthetischen Fasern solcher Kleidungsstücke gelangen als Mikroplastik in die Weltmeere.
  • Der Anbau von Bio-Baumwolle ist umweltverträglicher.

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Trotz wachsendem Umweltbewusstsein machte die Bekleidungsindustrie in Deutschland im vergangenen Jahr einen Umsatz von 27,7 Milliarden Euro mit Fast Fashion – einem Modetrend, bei dem Kleidungsstücke schnell und in großen Stückzahlen für den preisgünstigen Verkauf produziert werden.

Modekonzerne wie Inditex (u. a. Zara, Bershka und Stradivarius), H&M und Primark dominieren den weltweiten Fast-Fashion-Markt und gehören auch in Europa zu den führenden Bekleidungsherstellern. Allein die Bekleidungskette H&M erwirtschaftete hierzulande 19,4 Milliarden Euro im Jahr 2021. Die synthetischen Fasern solcher Bekleidungsstücke verrotten nicht, sondern gelangen als Mikroplastik in unsere Grund- und Oberflächengewässer und von dort in die Weltmeere.

Als Mikroplastik werden kleinste Kunststoff-Teilchen bezeichnet, genauer gesagt solche, die kleiner als fünf Millimeter sind. Laut einer Studie der Fachzeitschrift Environmental Science and Technology aus dem Jahr 2011, auf die sich der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) in einer Pressemeldung bezieht, gelangen allein in Deutschland bis zu 400 Tonnen Mikroplastik nur durch Waschabrieb von Kleidungsstücken aus synthetischen Fasern in die Umwelt. Hauptverantwortlich seien dafür insbesondere Sport‑, Outdoor- oder Funktionskleidung aus Kunstfasern sowie anderem synthetischen Gewebe.

Greenpeace-Forschungen haben 2015 gezeigt, dass pro Waschgang bis zu 700.000 der kleinen Kunststofffasern ins Abwasser gelangen. Hier werden sie von Vögeln, Fischen und anderen Meerestieren gefressen – und landen über die Nahrungskette am Ende auch auf unseren Tellern. Viele Menschen setzen daher auf Baumwolle statt auf synthetische Fasern. Doch herkömmliche Baumwolle kann die Umwelt ebenso belasten wie Kunstfasern.

Herkömmliche Baumwolle schadet dem Boden

Beim konventionellen Anbau von Baumwolle ist der hohe Wasserverbrauch durch den übernutzten Boden problematisch. Dieser wird nämlich häufig mit chemischen Pestiziden überdüngt und geschwächt. Anders ist dies beim Anbau von Bio-Baumwolle: Aufgrund der besseren Bodenqualität wird hier Wasser gespart. Die bessere Bodenqualität wiederum liegt an dem so genannten Fruchtwechsel. Das heißt, dass ein Jahr Baumwolle angebaut wird und im Folgejahr eine andere Pflanze. Außerdem werden Beipflanzungen genutzt, um Insekten fernzuhalten. Zudem gibt es mehr Schatten und die Erosion ist nicht so stark.

Darüber hinaus werden beim Anbau von Bio-Baumwolle weder chemische Dünger noch Gentechnik eingesetzt. Statt auf Pestizide zu setzen, verarbeiten die Bio-Bauern Pflanzenabfälle zu Kompost und düngen damit ihre Felder. Auch Unkrautvernichtungs- und Entlaubungsmittel sind beim Anbau von Bio-Baumwolle tabu. Doch woran erkennen Verbraucher, ob tatsächlich Bio-Baumwolle in einem Kleidungsstück steckt? Hierfür gibt es eine Reihe von Siegeln.

Siegel für Kleidung aus Bio-Baumwolle

An diesen Siegeln erkennen Sie, ob Bio-Baumwolle in einem Kleidungsstück steckt und wie nachhaltig es tatsächlich ist.

Mit dem EU-Bio-Logo erhalten in der EU biologisch erzeugte Produkte (in erster Linie verpackte Bio-Lebensmittel) ein einheitliches Erkennungszeichen. Ihnen wird durch eine zugelassene Kontrollstelle bescheinigt, dass sie biologisch erzeugt wurden. Dabei müssen sie strenge Bedingungen für Herstellung, Verarbeitung, Transport und Lagerung erfüllen. Zulässig ist das Logo nur auf Produkten, die zu mindestens 95 Prozent aus Bio-Zutaten bestehen und zusätzlich strenge Vorgaben für die verbleibenden fünf Prozent erfüllen.

Der Organic 100 Content Standard (OCS) von Textile Exchange ist ein internationaler, freiwilliger Standard, der einen bestimmten Anteil von Bio-Baumwolle rückverfolgbar macht – vom Rohstoff bis zum Endprodukt. Das Label wird nur an Produkte vergeben, die 95 bis 100 Prozent ökologisches Material enthalten. Allerdings befasst es sich weder mit dem Einsatz von Chemikalien noch mit den sozialen oder ökologischen Aspekten einer Produktion, die über die Unversehrtheit des biologischen Materials hinausgehen.

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) ist der weltweit führende Textilverarbeitungsstandard für Bio-Fasern und bezieht nicht nur ökologische, sondern auch soziale Kriterien innerhalb der gesamten textilen Produktions- und Lieferkette mit ein. Er basiert auf einem klar definierten, transparenten und umfassenden Kriterienkatalog. Voraussetzung für den Erhalt des GOTS-Siegels ist, dass in einer Textilie mindestens 70 Prozent zertifizierte Bio-Fasern enthalten sind. Produkte mit dem Prädikat "Bio" müssen sogar mindestens 95 Prozent zertifizierte Bio-Fasern aufweisen.

Das Siegel BEST vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft e. V. (IVN) erhalten nur Textilien, wenn ihre Fläche zu 100 Prozent aus Naturfasern besteht, die aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) oder kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) stammen. Es dürfen außerdem keine Substanzen verwendet werden, die der Gesundheit schaden könnten. Sämtliche Betriebe sind zudem per BEST-Standard dazu verpflichtet, festgelegte Sozialstandards einzuhalten.

Verwendete Quellen:

  • De.statista.com: Fast Fashion: Filialisten weltweit und in Deutschland
  • Naturtextil.de: Kunststoffzeit
  • Bmel.de: EU-Bio-Logo
  • Textileexchange.org: What is the OCS?
  • Certifications.controlunion.com: OCS 100 - Organic Content Standard
  • Global-standard.org: Global Organic Textile Standard
  • Naturtextil.de: NATURTEXTIL IVN zertifiziert BEST
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