Die Ankündigung erfolgte vor sechs Monaten - nun ließ sich der belgische Entwickler Larian bei einer Veranstaltung in Nürnberg etwas tiefer in die Karten blicken, wie man gedenkt, die Kult-Marke "Baldur's Gate" wiederzubeleben. Und um es vorweg zu nehmen: Die ersten Eindrücke zum dritten Teil, aufbereitet in einem ausführlichen Gameplay-Video, sind für Fans rundenbasierter Rollenspiele eine kleine Sensation.

Spieler können sich in dem für PC und Google Stadia angekündigten Titel einen eigenen Helden aus einer Vielfalt an Klassen und Rassen aus der populären Dungeons & Dragons-Vorlage zusammenstellen - oder alternativ in die Rolle eines sogenannten Origin-Charakters schlüpfen, bekannt aus dem ebenfalls von den Larian Studios entwickelten Fantasy-Epos "Divinity: Original Sin 2". Diese sind in ihren Eigenschaften und ihrer Vorgeschichte bereits vordefiniert und bilden auch den Pool der rekrutierbaren Begleiter. Dadurch, dass jede Figur auf ihre eigene Weise mit der Haupt-Story verbunden ist, beeinflusst die Auswahl auch das Spielgeschehen.

Wie man sich auch entscheidet: Der eigene Held hat ein Problem. Er hat einen Parasiten im Kopf, der ihm dunkle Kräfte verleiht, ihn aber nach und nach in einen "Flayer" verwandelt - fremdartige Tentakelwesen, die sich die Welt untertan machen möchten.

Man merkt schon: "Baldur's Gate 3" erzählt eine komplett eigenständige Handlung. Vorkenntnisse sind laut Larian-Chef Swen Vincke nicht nötig. Allerdings will man auch ein paar Story-Elemente aus dem Vorgänger zumindest aufnehmen.

Die rundenbasierten Kämpfe in "Baldur's Gate 3" basieren auf dem aktuellen Dungeons&Dragons-Regelwerk. Über Sieg oder Niederlage entscheiden zum einen die Fähigkeiten und vorausschauende Entscheidungen der Spieler, aber auch - ganz wie bei der klassischen Vorlage - die Würfel. Selbst der Ausgang der Multiple-Choice-Dialogen wird vom Glück beeinflusst. Das Feature "Player-initiated turn-based mode" erlaubt, das Geschehen kurzzeitig zu unterbrechen und auch außerhalb von Kämpfen in ein rundenbasiertes Gameplay zu wechseln. Das soll dem Spieler die entscheidenden Sekunden verschaffen, um taktisch besser zu planen.

Pen&Paper-Gefühl trifft auf moderne Grafik

Bisher spekulierten die Fans, ob "Baldur's Gate 3" Echtzeit-Kämpfe mit Pausenfunktion bieten wird. Die Entscheidung für das rundenbasierte Oldschool-Flair dürfte zwar nicht jedem gefallen, doch sind die Beweggründe klar: Das Zug-um-Zug-System wirkt zwar weniger spannend und flüssig als eine alternative Haudrauf-Action, transportiert aber die Atmosphäre des klassischen D&D-Universums authentisch in die digitale Welt.

Immerhin: Wie bei einem Actionspiel lässt sich aus der isometrischen "Von-schräg-oben"-Ansicht bis in eine Schulterperspektive hineinzoomen. Damit Gamer tief in die virtuelle Welt tauchen können, versprechen cinematische Szenen großes Kino. Für optische Opulenz soll die neue Divinity 4.0-Engine sorgen. Die ersten Impressionen zeigen epische Landschaften, imposante Licht- und Schatteneffekte und mit Motion-Capture realistisch inszenierte Charaktere. Wer noch den ersten Teil der Reihe aus dem Jahr 1998 vor Augen hat, sieht, wie viel sich in fast 20 Jahren Spielegeschichte getan hat.

In den kommenden Monaten soll der Titel als Early-Access erscheinen, doch der genaue Termin wurde noch nicht kommuniziert. Ob diese frühe Version schon den Online-Modus für vier Abenteurer oder den lokalen Zwei-Spieler-Modus enthält, ist ebenfalls noch unklar. (tsch/mei)  © 1&1 Mail & Media/teleschau