Fäkalhumor und bitterböse Gesellschaftskritik: Mit dieser Mischung wurde "South Park" zur Erfolgsserie. Am 17. Oktober erscheint das Spiel "South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe" – und ist genauso rotzfrech und politisch inkorrekt wie die Serie.

Andreas Maciejewski
Eine Kritik
von Andreas Maciejewski

"South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe" startet … na ja … auf dem Klo.

Mit einem Mini-Game hilft der Spieler seiner Figur dabei, ordentlich einen abzuseilen. Und dafür gibt's sogar eine Belohnung: Bei erfolgreichem Stuhlgang bekommt der Spieler seine erste Plakette namens "Kackmeister" verliehen.

Trailer zum "South Park"-Spiel

"Die rektakuläre Zerreißprobe" ist wie die Serie: rotzfrech. Ab dem 17. Oktober im Handel.

Sie sehen: Der Humor von "South Park" ist gewöhnungsbedürftig. Das sollte sich nach 21 Staffeln der Serie aber herumgesprochen haben. Moralapostel sind hier fehl am Platz, Fans von Anarcho-Humor hingegen kommen voll auf ihre Kosten.

Zahlreiche Hinweise auf "South Park"-Folgen

"South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe" ist das zweite Spiel zur Serie. Der erste Teil "Der Stab der Wahrheit" (2014) war ein Überraschungshit.

Beim zweiten Teil waren erneut die Entwickler der Serie, Trey Parker und Matt Stone, mit an Bord. Das allein zeigt, dass "Die rektakuläre Zerreißprobe" keine lieblos hingeklatschte Auskopplung ist. Der Charme der Serie bleibt dank der Beteiligung der "South Park"-Macher erhalten.

Wie in Teil eins übernimmt der Spieler die Rolle eines neuen Kinds, das in die gewohnte "South Park"-Welt eintaucht. Zusammen mit der Superhelden-Gruppe "Coon and Friends" muss es die Welt vor bösen Mächten retten.

Der Spieler unterhält sich mit lieb gewonnenen Figuren wie Cartman, Stan oder Mr. Mackey, besucht deren Häuser und Orte wie "Raisins", die "South Park"-Persiflage auf die US-Fastfoodkette mit leicht bekleideten Bedienungen "Hooters".

In der ganzen Spielwelt tummeln sich zahlreiche Hinweise auf frühere Episoden. In Cartmans Schrank hängt beispielsweise ein T-Shirt mit der Aufschrift "Token’s Life Matters", das er in der 20. Staffel trägt. Es spielt auf den einzigen farbigen Jungen in der Grundschule namens Token an.

Entlarvende Gesellschaftskritik

Womit wir beim "South Park"-typischen Humor wären. Viele Witze sind nicht nur billige Kalauer, sondern bissige und teils entlarvende Gesellschaftskritik.

Bereits vor Erscheinen des Spiels sorgte eine Funktion für Aufsehen: Je härter man die Schwierigkeitsstufe einstellt, desto dunkler wird die Hautfarbe der Figur. Auf dem härtesten Schwierigkeitsgrad ist der Charakter ein Afro-Amerikaner.

Das wirkt sich aber nicht nur auf die Schwierigkeitsstufe aus. Je dunkler die Hautfarbe im Spiel, desto weniger Geld sammelt der Spieler und desto ablehnender reagieren andere Charakter auf ihn.

Auch sonst spricht das Spiel unangenehme Themen an. So versuchen zwei Priester den Spieler – egal welcher Hautfarbe - zu vergewaltigen, wenn er in der Kirche eingesperrt wird.

Zwei Kritikpunkte: Furz-Witze und Steuerung

Das Spiel hat aber auch seine Schwächen. In der Serie schafft "South Park" den Spagat zwischen Fäkalhumor und Gesellschaftskritik. Im Spiel hingegen nimmt der Furzwitz-Anteil überhand.

So taucht das kindische Klo-Mini-Game immer wieder auf. Außerdem ist es eine Superkraft der Spielfigur, besonders haarsträubende Fürze zu produzieren. Mit ihnen greift man im Rollenspiel-Teil sogar die Gegner an.

Auch die Spielmechanik ist verbesserungswürdig. Die Kämpfe laufen als rundenbasiertes Rollenspiel auf sogenannten Hexfeldern ab. Vergleichbar mit Rundenspiel-Klassikern wie "Heroes of Might and Magic", aber viel simpler.

Zudem stiftet die Steuerung anfangs Verwirrung. Wo wirken meine Attacken? Was bringen sie überhaupt? Und wo muss ich dafür stehen? Die Antworten darauf erschließen sich dem Spieler erst nach und nach.

Und das berüchtigte Klo-Mini-Game artet zu einer hektischen Tastenhau-Orgie aus. Andererseits kann man es aber auch ignorieren und gar nicht erst anfangen.

Bitterböse und politisch inkorrekt

Trotzdem dürften sich Fans von "South Park" daran nicht sonderlich stören. Denn im Kern sind sich Serie und Spiel durchaus ähnlich.

Und das Wichtigste: "South Park" - egal, ob Spiel oder Serie - ist und bleibt bitterböse.