Gut Ding will Weile haben, so die Binsenweisheit. Zweifelsfrei soll "Star Citizen" ein solches gutes Ding werden. Der geistige Vater Chris Roberts ("Wing Commander") sieht das Projekt als "Work in progress", doch Teile der Community verlieren offenbar die Geduld mit seinem Perfektionismus.

Verständlich, denn zu Beginn der Kickstarter-Kampagne im Jahr 2012 hieß es, die finale Version soll 2014 erscheinen. Sechs Jahre später befindet sich die All- und Alles-Simulation noch immer in der Alpha-Phase. Ein Release scheint Lichtjahre entfernt. Böse Zungen würden behaupten: Nur zwei Dinge sind unendlich - das Universum und die Entwicklungszeit von "Star Citizen", für das man bislang die astronomische Summe von über 300 Millionen Dollar einsammeln konnte.

Kritisiert wurden in den vergangenen Monaten nicht nur die absurd lange Entwicklungszeit der Weltraum-Onlinewelt und die hohen Preise für Raumschiffe, die womöglich nie abheben, sondern auch das Verschieben von angekündigten Features und die mangelhafte Kommunikation der Entwickler mit den Fans.

Hinter dem ambitionierten Projekt, das nicht nur Allsimulation, sondern auch Shooter sein will, steckt "Wing Commander"-Erfinder Chris Roberts.

Chris Roberts, Chef des Studios Cloud Imperium Games (CIG), ließ die Kritik nicht kalt. Seine öffentliche Reaktion war ein schriftliches Statement im Blog auf der Seite des Spiels robertsspaceindustries.com: "Meine größte Enttäuschung über den modernen Internet-Diskurs ist, dass es ein beträchtliches Maß an Zynismus gibt und ein Teil der Leute nimmt das Schlimmste an." Als Beispiel nennt er: Wenn ein Feature fehlerhaft sei oder sich verzögere, würde man in Foren schimpfen, dass der Entwickler inkompetent oder unehrlich sei. Er appelliert an die Community, Vertrauen zu haben, "dass es einfach länger gedauert hat und mehr Probleme machte als das Team dachte". Seine Message: "Optimistisch zu sein oder Probleme nicht vorauszusehen, ist nicht dasselbe wie zu lügen oder Menschen absichtlich in die Irre zu führen."

Keine Kompromisse bei seinem Traumspiel

Im konkreten Fall habe sich nichts an seiner Vision verändert, "Star Citizen" zum "fesselndsten Massively-Multiplayer-First-Person-Sandkasten-Universum" zu machen. Jeder Mitarbeiter bei CIG würde, so Roberts, alles ihm Mögliche dafür tun, diesen Traum wahr werden zu lassen. Dass es nicht schneller geht, würde ihn und sein Team nicht weniger frustrieren als die Spieler selbst, versichert Roberts. Um das Spiel, von dem er sein ganzes Leben geträumt habe, jedoch perfektionieren zu können, brauche es eben Zeit. Kompromisse schließt Roberts kategorisch aus.

Nur zwei Dinge sind unendlich: das Universum und die Entwicklungszeit von "Star Citizen".

Allerdings nennt er einen Grund für die lange Entwicklung selbst: "Das Management gibt keine Zeitangaben vor. Wir legen nur Prioritäten für die Teams fest. Es kommt eben immer viel mehr Arbeit zusammen als wir Mitarbeiter haben." Kein wirklich beruhigendes Argument.

Doch am Ende zeigt sich Licht am Ende des virtuellen Universums: "Ich verspreche Euch, das Gameplay ist kein Hirngespinst, und es wird auch keine zehn oder 20 Jahre dauern, es umzusetzen", so Roberts als Reaktion auf die immer lauter werdenden Bedenken, weder das Online-Spiel noch die mit zahlreichen Hollywood-Stars umgesetzte Solo-Auskopplung "Squadron 42" werde jemals erscheinen. "Sobald die Arbeit an der neuen Roadmap im Internet abgeschlossen ist, werden sie in der Lage sein, die Fortschritte der Teams bei der Erreichung der von mir beschriebenen Ziele in Echtzeit zu verfolgen."

(tsch)  © 1&1 Mail & Media/teleschau