"Apex Legends"-Macher Respawn präsentiert sein neues "Star Wars"-Spiel - ein Mix aus knallharten Lichtschwert-Gefechten mit "Dark Souls"-Elementen und Grabmal-Erforschung im "Tomb Raider"-Stil. Unser Test verrät, wie stark die Macht mit dem reinen Singleplayer-Abenteuer "Jedi: Fallen Order" tatsächlich ist.

Eine Kritik
von Robert Bannert

Jedi-Schüler Cal Kestis hat ein Problem: Zwar macht er sich für einen Padawan schon ziemlich gut, beherrscht den Umgang mit Lichtschwert und kann mithilfe der Macht die Zeit für eine Weile verlangsamen. Aber was bringt ihm das, wenn er seine Kräfte nicht nutzen darf?

Cal fristet ein Leben als Niemand. Schuld daran ist Imperator Palpatine: Seitdem der dunkle Lord in der "Star Wars"-Galaxie die Jedi-Ritter am Ende von Filmepisode drei, "Die Rache der Sith", zu Freiwild erklärt hat, ist der einst mächtige Orden auf wenige Flüchtlinge zusammengeschrumpft. Zu denen zählt auch Cal: Ehe der Padawan mit der roten Wuschelfrisur seine Ausbildung abschließen konnte, ist sein Meister den Schergen des Imperiums zum Opfer gefallen. Seitdem versteckt sich der Jedi-Schüler auf einem gigantischen Schrottplatz und wrackt alte Raumschiffe ab - bis er eines Tages dazu gezwungen ist, einen anderen Arbeiter mithilfe der Macht zu retten und dadurch das Imperium auf seine Fährte lockt.

Nur: Diesmal ist Cal bei seiner Flucht nicht allein! Zusammen mit der Ex-Jedi Cere Junda und dem knurrigen Raumschiff-Kapitän Greez Dritus klappert der Padawan einen Planeten nach dem anderen ab, um einer uralten Kultur von Macht-Nutzern nachzuspüren. Mithilfe deren Erbes wollen Cal & Co. den Jedi-Orden wieder aufbauen.

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So sieht das neue "Star Wars"-Spiel "Jedi: Fallen Order" aus

Endlich wieder ein "Star Wars"-Spiel, das sich an Einzelspieler richtet! Ein paar Eindrücke aus "Jedi: Fallen Order".

Wenn "Dark Souls" auf "Tomb Raider" trifft

Also gibt Jedi-Padawan Cal in "Fallen Order" den Möchtegern-"Tomb Raider": Anders als die Spiele der "Battlefront"-Reihe ist das neue "Star Wars"-Spiel von "Titanfall"- und "Apex Legends"-Macher Respawn keine Multiplayer-Ballerei, sondern ein klassisches Action-Adventure für Einzelspieler - und damit eine echte Ausnahmeerscheinung im Games-Bereich. Damit will Hersteller Electronic Arts die tobende "Krieg der Sterne"-Community beschwichtigen, die nach der Einstellung gleich mehrerer vielversprechender "Star Wars"-Singleplayer-Projekte auf 180 war.

Den Fans beschert man mit dem PC-, Xbox-One- und PS4-Titel "Fallen Order" eine Mischung aus Lara-Croft-artigen Gruft-Exkursen und knackschweren Action-Gefechten, die sich überdeutlich am Design-Kanon der populären "Dark Souls"-Serie orientieren - einer Spiele-Reihe, die für ihre gnadenlosen und herausfordernden Taktik-Kämpfe berüchtigt ist. Wie bei der japanischen Steilvorlage kann Cal an Speicherpunkten meditieren und rasten, um die im Kampf gegen Sturmtruppen oder Alien-Monster gewonnene Erfahrung in neue Fähigkeiten und eine längere Lebensleiste zu investieren. Allerdings erstehen die zuvor erledigten Feinde dann alle wieder auf - der Kreislauf aus Wettrüsten, Killen und Gekilltwerden beginnt erneut.

Die Gefechte orientieren sich stark an der "Dark Souls"-Reihe. Leider passt die Dynamik des Kampfsystems nicht so recht zum restlichen Spiel. Tipp: Am besten auf den niedrigsten Schwierigkeitsgrad schalten, um das übrige Spiel besser genießen zu können.

Schade: Obwohl Entwickler Respawn die Lichtschwertduelle als flottes Wechselspiel aus Abwehr, Ausfall, Kampfspiel-ähnlichen Kombinations-Angriffen und Macht-gesteuerten Spezialkräften gestaltet, ist das Kampfsystem von "Fallen Order" die einzige echte Blöße, die sich das neue "Star Wars"-Spiel gibt.

Beim großen Vorbild "Dark Souls" wird die herausfordernde Systematik aus Leben, Sterben und (Gegner)-Wiedergeburt geschickt durch die Story erklärt - außerdem hat man das Level-Design speziell um die spannenden Kämpfe herum konstruiert. In den "Jedi: Fallen Order"-Level dagegen wirkt sie wie ein Fremdkörper, denn das neue "Star Wars"-Spiel ist im Kern kein Kampf-, sondern ein Abenteuerspiel. Besser also, man schaltet schon früh auf den niedrigsten Schwierigkeitsgrad, um auf diese Weise das Ganze entspannter genießen zu können.

Menschlich, männlich, weiß

Zum Glück funktioniert der Adventure-Teil von "Fallen Order" hervorragend: Der Padawan klettert, läuft und forscht, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Und wenn er inmitten gigantischer Tempel- oder Grab-Bauten die Wände hochgeht oder mithilfe der Macht überdimensionierte Murmeln in Bodenlöcher befördert, dann verströmt der Rätsel- und Geschicklichkeits-Cocktail echtes "Tomb Raider"-Flair - zusätzlich unterstützt durch atemberaubend detaillierte Grafik- und bekannt-bombastische Sound-Kulissen.

Das muss Liebe sein: Cal Kestis und sein Droiden-Kumpel BD-1 beim Erforschen einer imperialen Basis.

Auch Cals kleiner Droiden-Begleiter BD-1 piepst sich schnell ins Spielerherz: Ist der herzige Blechhaufen nicht gerade damit beschäftigt, Schlösser zu hacken, Cal heilende Stimpacks zu verabreichen oder die Umgebung nach Story-Informationen zu scannen, macht er es sich glücklich fiepsend auf dem Rücken des Helden gemütlich. Klarer Fall: BD-1 ist der legitime Nachfolger des komischen Treteimers R2-D2.

Fazit:

Obwohl sich "Fallen Order" kleine Schnitzer wie Nachlade-Fehler, eine unübersichtliche Holo-Karte, mitunter lange Laufwege (es gibt keine Schnellreisefunktion zu bestimmten Orten) und die nur bedingt funktionalen "Dark Souls"-Kämpfe leistet, ist es für "Krieg der Sterne"-Fans ein echter Hoffnungsschimmer: Sollten sich EA und Respawn dazu durchringen, weiter auf diesem Niveau zu liefern, dann könnte digitalen Jedis während der kommenden Jahre doch noch eine rosige Spiele-Zukunft bevorstehen.

Ärgerlich allerdings, dass man bei der Gestaltung des Frontmanns nicht etwas mutiger zugange war: Anstatt die reichhaltige Auswahl an Spezies und Geschlechtern zu nutzen, die das Lucasfilm-Universum bereithält, lässt man einmal mehr einen männlichen und weißen Menschen-Jedi durch die Galaxis turnen. Der ist zwar extrem sympathisch ausgefallen, vermittelt aber ein recht überholtes Heldenbild.