Eine kleine Revolution ist in der WWE im Gange. Seit rund zweieinhalb Jahren versucht die bekannteste Wrestling-Liga der Welt ihr Erscheinungsbild zu ändern: Sie will die sexistische Vergangenheit hinter sich lassen und die Männerdomäne aufbrechen. Frauen-Champion Carmella spricht im Interview darüber, wie sie die sogenannte "Women's Revolution" miterlebt.

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Hübsche Frauen mit Traumkörpern hüpfen nur in BH und Höschen bekleidet umher. Sie kichern und schlagen sich sanft mit Kissen. Was wie der feuchte Traum eines Pubertierenden klingt, lief noch in den 2000ern bei der WWE genauso ab.

Mittlerweile ist diese Phase in der bekanntesten Wrestling-Liga der Welt vorbei. Die Frauen sind nicht mehr nur schmückendes Beiwerk bei den Shows, sie liefern auch selbst technisch beeindruckende Matches ab.

Vor rund zweieinhalb Jahren dann der nächste Schritt: Die WWE rief die sogenannte "Women's Revolution" aus. Die Frauen sollen die Chance bekommen, längere Matches zu zeigen.

Kurzum: Sie sollen endlich ernst genommen werden.

WWE räumt den Frauen mehr Platz ein

Fortan bezeichnete die WWE die Frauen nicht mehr als "Divas". Hier schwang immer mit, dass Wrestlerinnen zickig und eitel seien. Wie die Männer heißen die Frauen seitdem "WWE Superstars". Auch der Frauentitel wurde von "Divas Championship" in "Women's Championship" umbenannt.

Eine Spin-off-Show mit dem Titel "Total Divas" über das zum Teil fiktive Privatleben der Wrestlerinnen existiert aber bis heute.

Außerdem bekommen die Frauen nun mehr Zeit in den Shows eingeräumt. Matches, die bisher nur den Männern überlassen wurden, gibt die WWE nach und nach auch für die Frauen frei. Wie zum Beispiel ein rein weiblicher "Royal Rumble" mit 30 Teilnehmerinnen oder "Hell in A Cell"-Matches in einem Stahlkäfig.

Im Oktober findet mit "Evolution" zudem die erste Großveranstaltung statt, bei der nur Frauen antreten.

WWE-Champion Carmella im Interview

Beim "Smackdown"-Kader ist derzeit Carmella die Titelträgerin. In den Shows spielt sie den Part einer selbstverliebten Göre, die ein wenig an frühere Zeiten in der WWE erinnert. So bezeichnet sie sich gerne selbst als "Diva".

Wir haben mit Carmella darüber gesprochen, wie sie die sogenannte "Women's Revolution" miterlebt. Im Interview spielt sie zum Teil ihren Charakter, lässt aber auch durchblicken, was sie wirklich denkt.

Carmella, zuletzt hast du dich in den Shows selbst als "Diva" bezeichnet. Ein Begriff, der in der WWE heute eigentlich nicht mehr verwendet wird. Bedeutet das, dass du dir die früheren Zeiten zurückwünschst, als sich die Frauen in Höschen und BH gegenüberstanden?

Carmella: Absolut nicht. Man darf aber nicht vergessen, dass uns heutigen Frauen die "Divas" den Weg geebnet haben. Eine meiner Gegnerinnen am Sonntag beim "SummerSlam", Charlotte, bezeichnet mich ja als eine "Diva" in der heutigen Frauen-Ära. Dabei war sie doch schon selbst "Divas Champion".

Was ist dann für dich eine "Diva"?

Der Begriff an sich ist negativ konnotiert. Ich definiere ihn aber anders: Eine "Diva" kümmert sich um sich selbst, sieht immer fabelhaft aus und geht immer mit der aktuellen Mode. Und schert sich nicht darum, was irgendjemand davon hält. Daran ist doch nichts falsch. Schließlich bin ich immer noch Champion.

Ganz gleich gestellt zu den Männern sind die Frauen in der WWE aber noch nicht. Es gibt zum Beispiel keine Tag-Team-Titel für Frauen. Kommt die sogenannte "Women's Revolution" zu langsam voran?

Ich glaube nicht, dass die "Women's Revolution" langsam vorankommt. Im Gegenteil: Sie bewegt sich sogar sehr schnell. Wir hatten den ersten "Royal Rumble", das erste "Money In The Bank"-Match, dann das zweite. Der Himmel ist die Grenze für die Frauen.

Tag-Team-Titel wären tatsächlich eine gute Idee für die Zukunft. Wann diese aber kommen, da habe ich keine Ahnung. Wir sind noch mittendrin in der "Women's Revolution".

Wann soll diese abgeschlossen sein?

Niemals. Wir werden uns immer weiterentwickeln, alles verändert sich ständig. Wichtig ist aber, dass es nun keine große Sache mehr ist, wenn die Frauen in den Shows im Hauptkampf sind.

Früher war es eher so: Oh mein Gott, die Frauen treten im Hauptkampf auf! Heute ist das aber ganz normal.

Seit dem 10. April bist du Frauen-Champion bei "Smackdown". Was bedeutet dir dieser Titel?

Er bedeutet mir alles. Der Titel ist für mich die Anerkennung für all die harte Arbeit, die ich hineingesteckt habe, um da zu sein, wo ich jetzt bin. Ich wrestle erst seit weniger als fünf Jahren, viele Leute hätten wohl nicht erwartet, dass ich es so weit schaffe.

Manche haben vielleicht auch gedacht, dass ich ihn vielleicht nur ein paar Wochen halten würde. Doch ich trage ihn seit "WrestleMania" bis jetzt zum "SummerSlam". Ich habe so viele Hater, vor allem in den sozialen Medien. Allen Kritikern habe ich damit das Maul gestopft. Und ich liebe es.

Die ehemalige Käfigkämpferin und UFC-Star Ronda Rousey ist mittlerweile ebenfalls Wrestlerin in der WWE. Hat das der Frauenpower in der Liga noch mehr Schub verliehen?

Ich finde es großartig. Je mehr Leute ihre Augen auf unsere Frauendivision richten, umso besser. Ronda bringt jede Menge Starpower mit. Sie hat in ihrem Bereich so viel geleistet. Es freut mich, dass die Leute darüber sprechen.

Und wenn es zu einem Aufeinandertreffen zwischen Rousey und dir käme …

… dann würde ich sie natürlich besiegen. Ich bin Carmella, da musst du doch nicht zweimal darüber nachdenken.

Unser Redakteur Andreas Maciejewski ist in New York vor Ort und berichtet rund um den "SummerSlam". Er schreibt über seine Reise auch auf Twitter und Facebook.

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