Anni-Frid Lyngstad wird 75: Erfolge, Krisen und Revivals von ABBA

Anni-Frid Lyngstad feiert am 15. November ihren 75. Geburtstag. Sie war Mitglied der schwedischen Band ABBA, die mit rund 400 Millionen verkauften Tonträgern zu einer der erfolgreichsten Musikgruppen aller Zeiten gehört. Von den Anfängen der Band, ihren größten Erfolgen und der Zeit nach der Auflösung. © 1&1 Mail & Media/spot on news

Bereits vor ihrer Weltkarriere mit ABBA waren sowohl Benny Andersson (2.v.l.) als auch Björn Ulvaeus (r.) in den 60ern Mitglied bei zwei erfolgreichen Bands in Schweden. Benny saß bei The Hep Stars, die auch als die "schwedischen Beatles" bekannt waren, am Keyboard. Björn war Sänger und Gitarrist der Folk-Band The Hootenanny Singers.
Offiziell gab es die Band ab 1972, zunächst aber unter dem Namen "Festfolk", was auf Schwedisch "feiernde Gruppe" bedeutet. Die Initialen der Vornamen der Bandmitglieder – Agnetha, Björn, Benny und Anni-Frid – ergaben dann auf Vorschlag ihres Managers Stig Anderson den weitaus prägnanteren Bandnamen: ABBA.
Bevor ABBA so richtig durchstarteten, waren alle vier bereits privat liiert – Anni-Frid und Benny verlobt, Agnetha und Björn (Bild) ab 1971 verheiratet. Als sich dann knapp zehn Jahre später beide Paare trennten, blieben ABBA als Band noch zusammen, um 1981 ihr achtes und letztes Album "The Visitors" aufzunehmen.
Ihren ersten Auftritt im deutschen Fernsehen hatten ABBA im Januar 1973 in der ZDF-Musiksendung "Disco". Allerdings nicht mit allen echten Mitgliedern. Agnetha wurde aufgrund ihrer fortgeschrittenen Schwangerschaft von Anni-Frids Freundin Inger Brundin ersetzt. Damals fiel im Publikum niemand dieser Tausch auf, da die Band in Deutschland noch völlig unbekannt war.
Nachdem die Band 1973 mit "Ring Ring" an der Qualifikation für den Grand Prix Eurovision de la Chanson (heute: Eurovision Song Contest) scheiterte, probierte sie es ein Jahr später erneut. Mit Erfolg: Sie nahm nicht nur am Wettbewerb teil, sondern gewann ihn sogar mit großem Vorsprung. Mit "Waterloo" und dem Sieg beim Grand Prix am 6. April 1974 im englischen Brighton legten ABBA den Grundstein für ihre erfolgreiche Karriere.
Nach ihrem Überraschungserfolg beim Grand Prix taten sich ABBA aber zu Beginn schwer, eine internationale Karriere aufzubauen. Als Künstler wurden sie (noch) nicht richtig ernst genommen. 1975 folgte dann aber "SOS", der als erster echter Popsong der Gruppe gilt – der Bann war gebrochen.
Als im August 1975 in der australischen Musiksendung "Countdown" das Video zu "Mamma Mia" gezeigt wurde, forderten zahlreiche Anrufer beim Fernsehsender ABC eine erneute Ausstrahlung. Die Plattenfirma Polar Music veröffentlichte den Song als weitere Singleauskopplung des dritten Albums "ABBA".
Internationale Hits am Fließband waren die Folge: Nach "Mamma Mia" kamen "Fernando", "Dancing Queen", "The Winner Takes It All", "Super Trouper", "Money, Money, Money" und "Knowing Me, Knowing You". In Deutschland standen über zwei Jahre alle ABBA-Singles auf Platz eins. Außerdem gelangen ABBA acht aufeinanderfolgende Nummer-eins-Alben in den britischen Charts. Das schafften in der Musikgeschichte sonst nur Led Zeppelin.
Die Hitsingle-Dichte bescherte ABBA auch gigantische Umsätze. Ihre Greatest-Hits-Platte "ABBA Gold" ist eines der meistverkauften Alben aller Zeiten. Insgesamt sollen ABBA rund 400 Millionen Tonträger verkauft haben, was sie nicht nur zum größten Schweden-Export-Hit, sondern auch zu einer der erfolgreichsten Bands der Pop-Geschichte macht.
Legendär waren neben ihrer Musik auch die Live-Auftritte mit den vielen ausgefallenen Kostümen. Der Grund für die extravagante Kleidung war aber nicht nur optischer Natur – ABBA konnten dadurch Steuern sparen. Denn wenn die Klamotten nicht für den "alltäglichen Gebrauch" bestimmt sind, kann man sie in Schweden von der Steuer absetzen.
Die Band und ihr Manager Stig Anderson (1931-1997, Foto) investierten in verschiedene Firmen und Kapitalanlagen. Es entstand ein intransparenter Mischkonzern, häufig auch das "ABBA-Imperium" genannt. Ende der 1970er versuchten es ABBA sogar im Ölgeschäft. Allerdings hatte sich Anderson hier verspekuliert, was eine Krise mit sehr hohen finanziellen Verlusten auslöste.
Seit ihrer Trennung 1982 tauchen regelmäßig Gerüchte um eine mögliche Wiedervereinigung von ABBA auf - so zum Beispiel im Januar 2016 bei der Eröffnung der von Ulvaeus mitorganisierten Show "Mamma Mia! The Party" in Stockholm. Dort traten die vier Schweden das erste Mal seit 1986 wieder nebeneinander öffentlich auf, ließen sich aber nicht gemeinsam fotografieren. 2019 wurde die Show in London eröffnet, wo Bjorn Ulvaeus einen Cameo-Auftritt in seinem Original-ABBA-Kostüm von 1977 hatte (Foto).
In den 1990ern erlebten ABBA ein Revival in Form von Cover-Versionen diverser Künstler. So brachte das britische Synthie-Pop-Duo Erasure (Foto) 1992 das Mini-Album "Abba-esque" mit den Songs "Lay All Your Love on Me", "Take a Chance on Me", "SOS" und "Voulez Vous" heraus. In Deutschland hielt sich dieses Album in den Charts für insgesamt 19 Wochen auf Platz zwei. In Großbritannien erreichte es Platz eins.
Ein Höhepunkt des ABBA-Revivals war das Musical "Mamma Mia!", das 1999 in London uraufgeführt und 2008 verfilmt wurde. Bisher ging das Musical weltweit in über 150 Städten auf Tournee, unter anderem in New York (Foto). 2005 fand in Stockholm die Premiere der schwedischen Version statt - wo alle vier ABBA-Mitglieder anwesend waren.
Anni-Frid Lyngstad machte nach der Auflösung von ABBA weiter Musik. Ihren größten internationalen Erfolg feierte sie unter dem Namen "Frida" mit dem von Phil Collins produzierten Album "Something’s Going On" (1982). Zuletzt war Lyngstad 2018 auf einer CD des Jazzmusikers Arturo Sandoval zu hören, wo sie auf Spanisch den alten ABBA-Song "Andante, Andante" einsang. Heute lebt sie in der Schweiz.
Auch Björn Ulvaeus machte nach der ABBA-Auflösung weiter Musik und widmete sich unter anderem Musical-Produktionen. Einige entstanden in Zusammenarbeit mit dem alten ABBA-Kollegen Benny Andersson - wie zum Beispiel "Chess" (1986) oder "Mamma Mia" (1999). (Bild: Ulvaeus im Dezember 2013 als Gast bei "Wetten, dass..?".)
Neben den Musicals mit Ulvaeus schrieb und produzierte Benny Andersson nach dem Ende von ABBA mehrere Studioalben mit Schwerpunkt auf schwedischer Volksmusik. Für diesen Beitrag zum Erhalt des Genres wurde er 2008 zum Ehrendoktor der Universität Stockholm ernannt.
Agnetha Fältskog hat sich mittlerweile weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. 2013 hatte sie noch einmal ein kleines musikalisches Comeback mit dem Album "A".
2010 wurden ABBA in die "Rock and Roll Hall of Fame" aufgenommen. Bei der dazugehörigen Einführungszeremonie am 15. März in New York standen Anni-Frid Lyngstad und Benny Andersson gemeinsam auf der Bühne.
Seit 2013 gibt es auch ein eigenes Museum in Schwedens Hauptstadt Stockholm. Ausgestellt werden hier unter anderem Kostüme, Merchandising-Produkte und Auszeichnungen. Ebenso wurden diverse Orte, wie zum Beispiel das Aufnahmestudio, originalgetreu nachgebaut.