• Ob der Flut an neuen Serien geraten Produktionen immer schneller in Vergessenheit.
  • Um dem entgegenzuwirken, greifen Streamingdienste zu kreativen und bisweilen ziemlich ungewöhnlichen Mitteln.
  • Wir stellen die außergewöhnlichsten Serienprojekte vor - unter anderem mit "Pachinko", "24" und "WandaVision".

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Ob in Echtzeit erzählt, optisch auffällig umgesetzt oder als abgedrehter Genre-Mix verfilmt: In den letzten Jahren gelangen Streamingdiensten wie Apple TV+, Disney+ und Netflix immer wieder außergewöhnliche Serienprojekte abseits der Norm. Wir werfen einen Blick auf Produktionen, die sich nicht um Konventionen scheren und einen ganz eigenen, kreativen Weg einschlagen.

"Pachinko" (Apple TV+)

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"Pachinko" erzählt eine Geschichte über Generationen hinweg.

Sprachengenies aufgemerkt! Die neue Apple-Serie "Pachinko" (ab 25. März, Apple TV+) wurde in gleich drei verschiedenen Sprachen gedreht: Koreanisch, Japanisch und Englisch. Auch inhaltlich spiegelt sich eine gewisse Zerrissenheit in der epischen Erzählung, die sich über vier Generationen erstreckt, wider.

Schon immer hat sich die Familie von Solomon (Jin Ha) auf die ein oder andere Art fremd gefühlt. Über acht Episoden widmet sich Serienschöpferin Soo Hugh ("The Terror", "The Killing") der Geschichte der koreanischen Einwandererfamilie von Beginn des 20. Jahrhunderts an bis in die späten 1980er-Jahre. "Pachinko" basiert auf dem Roman "Ein einfaches Leben" von Autorin Min Jin Lee und erzählt von einer verbotenen Liebe im Spannungsfeld von Krieg und Frieden, von Sieg und Verlust, von Hoffnung und Wiedergutmachung.

"Love, Death & Robots" (Netflix)

David Fincher ("Sieben") und Tim Miller ("Deadpool") schicken in ihrer Animations-Anthologie "Love, Death & Robots" ein echtes Kuriositätenkabinett an den Start: Dazu gehören Werwolf-Soldaten und Cyborg-Kopfgeldjäger ebenso wie Alien-Spinnen und Höllen-Dämonen. Fühlende Molkerei-Produkte sind auch am Start. Klingt irre? Na aber sicher!

Auch wenn die einzelnen Episoden der Netflix-Produktion teilweise nur wenige Minuten dauern - bei seinen Zuschauern bleibt der absolut nicht jugendfreie Genre-Mix aus Fantasy, Horror, Sci-Fi und Comedy definitiv im Gedächtnis. Das sehen auch Kritiker so: "Love, Death & Robots" wurde mehrfach mit dem Emmy prämiert.

Trailer zu "Love, Death + Robots". Diese animierte Netflixserie ist nur für Erwachsene!

Kurzgeschichten, die lange im Gedächtnis bleiben: "Love, Death + Robots" ist ein animiertes Kuriositätenkabinett bei Netflix - jeder Film hat eine eigene Story, einen eigenen Stil. Allen gemein ist: Sie sind außergewöhnlich, nicht immer jugendfrei und enden obendrein mit einer gewaltigen Überraschung. Nun folgt "Ausgabe 2". © ProSiebenSat.1

"Calls" (Apple TV+)

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Die Apple-Produktion "Calls" ist eher ein Hörspiel als eine Serie.

Wer denkt, eine Serie könne nur über Bilder Spannung entwickeln, dem beweist die Apple-Serie "Calls" das Gegenteil. Mittels auditivem Storytelling, mitreißenden Grafiken und einem außergewöhnlichen Klangkonzept fesselt das innovative Serien-Experiment das Publikum. In neun Folgen entblättert sich nach und nach eine fesselnde Handlung, über die Streamingfans einzig und alleine mittels Telefongesprächen herangeführt werden.

Im englischsprachigen Original der Apple-Serie mit apokalyptischem Ende sind prominente Namen wie Pedro Pascal ("The Mandalorian"), Rosario Dawson ("Jane the Virgin"), Aubrey Plaza ("Parks and Recreation"), Aaron Taylor-Johnson ("Tenet"), Lily Collins ("Emily in Paris") und Nick Jonas ("Jumanji: Welcome to the Jungle") mit an Bord.

"Criminal" (Netflix)

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Sylvester Groth spielt im deutschen Ableger von "Criminal".

Diese Serie braucht nur einen Drehort, um mächtig Eindruck zu schinden. In der Netflix-Serie "Criminal" spielt die gesamte Handlung in einem Verhörraum. Das außergewöhnliche Projekt, eine Zusammenarbeit zwischen vier Ländern, ist trotzdem packend inszeniert. In den deutschen Kammerspielen sind unter anderem Sylvester Groth und Florence Kasumba mit von der Partie.

Ungleich prominenter ist der britische Ableger der Anthologie-Serie besetzt, etwa mit "Broadchurch"-Star David Tennant, Kunal Nayyar ("The Big Bang Theory") und "Game of Thrones"-Star Kit Harington.

"The Afterparty" (Apple TV+)

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Wer hat Xavier (Dave Franco) getötet?

Als sich Xavier (Dave Franco) auf den Weg zu einem Highschool-Klassentreffen macht, ahnt der prominente Sänger und Schauspieler noch nicht, dass der Abend einen fatalen Ausgang für ihn nehmen wird. Nachdem er jedoch von einer Klippe in den Tod stürzt, lautet das eindeutige Fazit der Ermittler Danner (Tiffany Haddish) und Culp (John Early): Der Popstar wurde ermordet. Doch welcher der Anwesenden steckt hinter dem grausamen Verbrechen?

In der Comedy-Serie "The Afterparty" ist jeder verdächtig. In insgesamt acht Folgen erzählt Regisseur Chris Miller ("21 Jump Street") den mörderischen Party-Abend aus unterschiedlichen Perspektiven nach und wechselt stets den Blickwinkel. Außerdem ist jede Episode des schwarzhumorigen Whodunit-Krimis in Anlehnung an ein bestimmtes Genre gedreht, etwa als Animationsfilm, Musical, Action-Orgie à la "Fast & Furious" oder Thriller.

"WandaVision" (Disney+)

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Die Schwarz-Weiß-Idylle erhält in "WandaVision" farbige Risse.

Dass Marvel sich selbst und seine Superhelden nicht zu ernst nimmt, haben nicht zuletzt "Deadpool" und die "Guardians of the Galaxy" bewiesen. Doch so abgedreht und übermütig wie in der Serie "WandaVision" gab sich das Filmstudio noch nie. Schon die Produktion der neunteiligen Serie war gelinde gesagt unkonventionell: Beim Dreh der Auftaktepisode war Studiopublikum anwesend. Im Mittelpunkt des irrwitzigen Publikumshits stehen Wanda (Elizabeth Olsen) und Vision (Paul Bettany), die es sich in den 1950er-Jahren in der Vorstadtidylle der weißen Mittelschicht gemütlich machen.

Doch schon bald ist es vorbei mit dem heiteren Vorstadtleben. Nicht nur bringen alte Bekannte und neue Feinde Chaos in das Leben des Paares, auch optisch erfährt die Schwarz-Weiß-Hommage an die Sitcoms der 1950er-Jahre zunehmend farbige Risse. Der durchgeknallte und optisch einzigartige Nostalgietrip "WandaVision" steht bei Disney+ zum Abruf bereit.

"KBV - Keine besonderen Vorkommnisse" (RTL+)

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Den Polizisten Gilles (Jürgen Vogel, links) und Samuel (Serkan Kaya) ist langweilig.

Der Titel ist bei dieser RTL-Serie Programm: Offensiv bewarb der Kölner Sender "KBV - Keine besonderen Vorkommnisse" gar als "langweiligste Serie". Die Cop-Komödie mit prominenten Gesichtern wie Jürgen Vogel, Annette Frier und Serkan Kaya treibt das Nichtstun auf die Spitze. Denn zum Großteil schlagen sich die Protagonisten der sechsteiligen Serie die Zeit mit Warten und Reden um die Ohren. Das resultiert in bisweilen ziemlich absurde Gedankenspiele, nicht selten garniert mit derbem Humor.

Während die zwei Zivilpolizisten Gilles (Vogel) und Samuel (Kaya) bei einer langwierigen Observierung eines Gebäudes die Zeit totschlagen, warten drinnen die Ganoven Bernhard (Rocko Schamoni) und Maurizio (Denis Moschitto) auf einen Auftrag. Und in der Einsatzzentrale der Polizei-Leitstelle langweilen sich Carola (Frier), und Danni (Maike Jüttendonk).

"24" (Disney+)

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Jagt in Echtzeit Kriminelle: Jack Bauer (Kiefer Sutherland).

Der Serienklassiker "24" wirkt wie das krasse Gegenteil zur eben beschriebenen RTL-Serie. In Echtzeit erzählt, wird das Publikum unmittelbar in den nervenaufreibenden Alltag des Cops Jack Bauer (Kiefer Sutherland) hineingezogen. Als die Produktion 2002 im US-Fernsehen debütierte, etablierte sie nicht nur technisch neue Standards, sondern machte zudem serielle Unterhaltung salonfähig.

Auch inhaltlich spiegelte "24" mit Aspekten wie Terrorismusbekämpfung den damals vorherrschenden Zeitgeist treffend wider. In insgesamt acht Staffeln nahm der Terrorfahnder Jack Bauer selbst physischen und psychischen Schmerz klaglos hin. Der Top-Agent der fiktiven Anti-Terror-Einheit CTU (Counter Terrorist Unit) kannte nur eine Mission: die unbarmherzige Jagd auf Kriminelle.

(tsch)  © 1&1 Mail & Media/teleschau

Teaserbild: © Apple