Wegen eines 24-stündigen Warnstreiks des Sicherheitspersonals müssen heute Zehntausende Reisende an den Flughäfen in Stuttgart, Hamburg und Hannover mit Verzögerungen rechnen. Als erste legten am frühen Morgen die Bediensteten am Airport in Stuttgart die Arbeit nieder. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Lohnkampf.

Gleich in drei großen Städten trat heute früh das gesamte Wach- und Sicherheitspersonal in den Ausstand. Besonders problematisch dabei: Die drei bestreikten Flughäfen in Stuttgart, Hamburg und Hannover gehören zu den zehn größten Airports in Deutschland, fertigen zusammen im Schnitt täglich rund 80.000 Passagiere ab. Die Flughafensprecherin in Hamburg bezeichnete die Situation als "katastrophal", sogar die Polizei musste am Vormittag eingreifen. Die Lage im Einzelnen:

Wie ist die Situation derzeit in …

… in Stuttgart?

In Stuttgart bildeten sich bereits am Morgen mehrere hundert Meter lange Warteschlangen, nur einer von vier Terminals war hier besetzt. Um ein Chaos in der Abflughalle zu vermeiden, seien die Fluggäste mittels Absperrungen in Reihen geleitet worden, so eine Sprecherin. Auf seiner Webseite meldete der Flughafen Wartezeiten von eineinhalb bis zwei Stunden vor den Passagierkontrollen.

… in Hamburg?

In Hamburg brach die Abfertigung derweil komplett zusammen, rund 40.000 Passagiere sollen nach Angaben des Flughafens allein hier von den Warnstreiks betroffen sein. "Die Polizei schließt nun die Eingänge und weist neue Besucher ab", äußerte sich Hamburgs Flughafensprecherin Stefanie Harder am Morgen. Die Wartezeit vor den Kontrollstellen lag zu diesem Zeitpunkt bereits bei mehr als vier Stunden. "Passagiere werden dringend gebeten, nicht zum Flughafen zu kommen", sagte die Sprecherin. Rund ein Viertel der rund 400 Verbindungen wurde bereits gestrichen. "Der neueste Stand ist katastrophal", so Harder. "Wir haben unsere Kapazitätsgrenze überschritten."

… in Hannover?

Auch in Hannover legte das Sicherheitspersonal am Morgen die Arbeit nieder, betroffen sind laut Angaben des Flughafens im Tagesverlauf rund 60 Abflüge, bei denen es vereinzelt zu Verspätungen kommen könne. Größere Beeinträchtigungen gab es aber bisher nicht. "Aktuell haben wir keine Ausfälle, die Verspätungen sind marginal", sagte Flughafensprecher Sönke Jacobsen.

Warum wird schon wieder gestreikt?

Hintergrund der Arbeitsniederlegungen ist ein Tarifstreit im Wach- und Sicherheitsgewerbe in mehreren Bundesländern, der nicht nur das Personal an Flughäfen betrifft, sondern auch die Beschäftigten im Objektschutz unter anderem in militärischen oder kerntechnischen Anlagen.

Mit den Streiks möchte Ver.di in den festgefahrenen Tarifverhandlungen den Druck auf die Arbeitgeber in den Bundesländern Baden-Württemberg, Hamburg und Niedersachsen erhöhen. Die Tarifforderungen sind laut der Gewerkschaft je nach Bundesland und Beschäftigtengruppe unterschiedlich und bewegen sich zwischen 0,70 Euro bis 2,50 Euro mehr Stundenlohn.

Was sagen die Arbeitgeber?

Die Arbeitgeber bezeichneten die Warnstreiks als "ungerechtfertigt". Harald Olschok, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes BDSW, forderte ein verbindliches Schlichtungsverfahren, bevor Streiks an Flughäfen zulässig seien. In Hamburg würden die Verhandlungen immerhin am Mittwoch fortgesetzt und auch in Hannover hätten die Arbeitgeber einen ersten Verhandlungstermin angeboten, sagte er.

Der Flughafenverband ADV sprach von einer Zumutung für die Passagiere. "Die Gewerkschaft Verdi überspannt den Bogen. Ein zwingendes Schlichtungsverfahren ist dringend erforderlich", sagte Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel laut einer Mitteilung am Montag.

Was können betroffene Fluggäste nun tun?

Dass viele Fluggäste die Sicherheitskontrollen vermutlich nicht rechtzeitig passieren könnten, befürchteten die Airportbetreiber bereits im Vorfeld. Dennoch hatten die Fluggesellschaften angekündigt, nur leichte Verspätungen zu akzeptieren und die Flüge nicht warten zu lassen.

In Stuttgart und Hannover werden Reisende daher gebeten, möglichst früh am Flughafen zu sein, sich vorab über den Status ihres Flugs zu informieren und bei Rückfragen ihre jeweilige Fluggesellschaft zu kontaktieren.

Für alle drei Airports gilt: Sofern die Möglichkeit besteht, sollten Fluggäste ihre Flüge umbuchen. "Wichtig ist es, dass die Passagiere mit ihren Fluggesellschaften Kontakt aufnehmen, um das weitere Vorgehen zu erfahren", sagte Flughafensprecherin Harder vom Hamburger Airport.

Sie bat die Passagiere, die von Hamburg abfliegen sollten, aufgrund der derzeitigen Lage nicht mehr zum Flughafen zu kommen.

Die Lufthansa bot ihren Kunden an, auf die Deutsche Bahn umzusteigen oder ihren Flug umzubuchen. Grundsätzlich aber gelten Streiks rechtlich als "höhere Gewalt", sodass Airlines zu Entschädigungen nicht verpflichtet sind. "Auch wir sind Streikopfer", sagte ein Lufthansa-Sprecher.