Christoph Kolumbus hat Amerika im Jahr 1492 per Zufall entdeckt. So hat man es gelernt. Doch diese Aussage ist längst widerlegt. Ruhe in die Debatte ist damit aber noch längst nicht gekommen.

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Die Theorie, dass der Mann aus Genua den bis dato unbekannten Kontinent als erster Seefahrer aus dem europäischen Zivilisationsraum fand, ist schon seit den 1960er Jahren nicht mehr haltbar.

Richtig ist: Erst nachdem Kolumbus auf die dem amerikanischen Kontinent vorgelagerten Karibischen Inseln am 12. Oktober 1492 gestoßen war, begann die Erkundung und Kolonisierung Amerikas durch die europäischen Nationen.

Die Überreste einer Siedlung brachten den Beweis

Heute weiß man, dass die Wikinger lange vor Kolumbus da waren. Auf der Neufundlandhalbinsel L'Anse aux Meadows fanden Archäologen in den 1960er Jahren Überreste einer Siedlung im isländisch-grönländischen Stil, die um das Jahr 1000 gebaut worden war, möglicherweise von Leif Eriksson und seinen Nordmännern.

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Ihnen wurde in den isländischen "Vinland-Sagas" ein literarisches Denkmal gesetzt. Nordfundland gehört zu Nordamerika, was die Männer aus dem hohen Norden zu den rechtmäßigen Entdeckern macht.

Bis zur Anerkennung dieser wissenschaftlichen Tatsache war es ein langer Weg mit teilweise kuriosen Abzweigungen.

Diesen Weg pflasterten zweifelhafte Runensteine, mysteriöse Landkarten, erbitterte Dispute und knallharte nationalistische Interessen.

Der Runenstein von Kensington

Der schwedische Einwanderer in die USA, Olof Ohman, machte 1898 beim Fällen einer alten Espe in Minnesota, USA, eine höchst erstaunliche Entdeckung: einen graugrünen Steinblock mit Runenzeichen.

Darauf wurde von einer Entdeckungsfahrt gen Westen im Jahr 1362 berichtet, bei der zehn Wikinger ums Leben gekommen seien. Fachleute erklärten die Inschrift zur Fälschung und wiesen auf sprachliche Ungereimtheiten hin.

Ohman wurde als Lügner abgestempelt und verlegte den Stein schließlich als Treppenstufe zu seinem Haus – mit der Schrift nach unten. Heute befindet sich der Stein im Runestone Museum in der Kleinstadt Alexandria bei Kensington.

Der Streit um die Vinland-Karte

Im Jahr 1957 tauchte bei einem Buchhändler in Barcelona eine Karte auf, die für großes Aufsehen sorgte. War die Vinland-Karte ein Fund von großer historischer Tragweite – oder doch nur eine Fälschung?

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Ganz einig darüber ist sich die Fachwelt bis heute nicht. Auf der Karte zu sehen: auf der rechten Seite Europa und links, nach Island und Grönland, eine "Vinilanda Insula", wahrscheinlich Neufundland.

Inzwischen konnten Experten nachweisen, dass das Pergament der Karte aus dem Jahr 1434 stammt. Vor Kolumbus´ Geburt also.

Dass auch die verwendete Tinte und die Handschrift so alt sind, darüber gibt es noch heute Zweifel, allerdings setzt sich inzwischen die Erkenntnis durch, dass die Karte tatsächlich als echt einzustufen ist.

Sie soll die Kopie einer noch älteren Karte sein. Heute ist sie im Besitz der Yale University.

Nationalistische Interessen an der Entdeckung Amerikas

Auch andere Nationen griffen in die Frage ein, wer sich die Entdeckung der Neuen Welt auf die Fahne schreiben darf. Viele Länder waren erpicht darauf, dies als farbiges Kapitel ihrer eigenen Geschichte hinzuzufügen.

Noch 2014 behauptete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, dass muslimische Seefahrer Amerika einst entdeckt hätten.

Auch China wirft seinen Hut in den Ring. So wird auch der chinesische Seefahrer Zheng He immer wieder als Amerika-Entdecker benannt.

Eins darf man bei all dem jedoch nicht vergessen: Früher als jeder "Entdecker" lebten die Native Americans in der "Neuen Welt".

Vor der "Entdeckung" Amerikas war der Kontinent bereits seit Tausenden von Jahren durch die indigene Bevölkerung besiedelt.

Die Native Americans wurden von den europäischen Einwanderern drangsaliert, ausgebeutet, getötet. Auch dieses unrühmliche Kapitel gehört zur Geschichte der "Entdeckung Amerikas".

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