• Während es hierzulande bitterkalt ist, sind die Temperaturen in Südamerika in der vergangenen Woche auf Höchstwerte geklettert.
  • Dabei wurden in Argentinien, Uruguay und Südbrasilien Temperaturen von mehr als 43 Grad gemessen.
  • Was sagen Experten zu dieser außergewöhnlichen Hitze? Wir sprachen mit Anique Hillbrand, Programm-Managerin bei der Tropenwaldstiftung OroVerde.

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Wenn in Südamerika Hochsommer ist, sind Temperaturen jenseits der 30 Grad keine Seltenheit. Vergangene Woche ächzten die Menschen in Argentinien, Uruguay und Südbrasilien jedoch unter einer Hitze, die man an vielen Orten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in diesem Maße schon lange nicht mehr erlebt hatte.

Argentinien verzeichnet Temperaturen über 43 Grad

So überstieg die Temperatur in Buenos Aires und im umliegenden Gebiet Conurbano die 41-Grad-Grenze. Zuletzt war es dort am 18. Dezember 1995 mit gemessenen 40,5 Grad ähnlich heiß gewesen, wie der Nationale Meteorologische Dienst Infobae mitteilte. Lediglich im Januar 1957 war es mit 43,3 Grad in Buenos Aires noch heißer. Mit 43,4 Grad war die Stadt Santiago del Estero am vergangenen Freitag der heißeste Ort des Landes. Auch in den umliegenden Ländern wurden Höchstwerte gemessen.

Die Hitzewelle in Südamerika steht im Zusammenhang mit dem La-Niña-Phänomen, einem klimatologischen Ereignis, das aus einer anomalen Abkühlung des äquatorialen Ostpazifiks nahe der südamerikanischen Küste besteht. Die "kleine Schwester" von El Niño bringt ungewöhnlich starke Passatwinde und starke Regenfälle, in einigen Gegenden der Erde aber auch Dürre mit sich. Die extrem hohen Temperaturen können aber auch mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebracht werden.

Der stellvertretende Umweltminister Argentiniens, Sergio Federovisky, sagte Infobae, dass Hitzewellen, wie sie vergangene Woche aufgetreten sind, hinsichtlich ihrer Intensität und Dauer eines der spürbarsten Zeichen des Klimawandels sind. Das sieht Anique Hillbrand, Programm-Managerin bei der Tropenwaldstiftung OroVerde, genauso. "Gerade in den letzten zwei Dekaden haben extreme Wetterevents wie dieses verstärkt zugenommen", sagt die Umweltschutz-Expertin. "Das lässt sich auch mit dem Klimawandel begründen."

Auswirkungen im globalen Süden durch Verhalten der Menschen im Norden begünstigt

Gerade im globalen Süden habe die Klimakrise verheerende Folgen, wobei dessen Auswirkungen vor allem durch das Verhalten der Menschen im Norden begünstigt würden. "Daher ist es extrem wichtig, dass wir hierzulande unsere Lebensgewohnheiten ändern", sagt Hillbrand.

Es komme nicht nur darauf an, die Emissionen in der Produktion zu verändern. "Auch jeder einzelne kann etwas dazu beitragen. Maßnahmen wie ein bewussteres Konsumieren, der Verzicht auf Verpackungen, ein reduzierter Fleischkonsum sowie der Kauf regional produzierter und saisonaler Lebensmittel können einen großen Einfluss auf unserer Klima haben." Außerdem sei es wichtig, dass die Politik nicht nur deutschlandweit, sondern auch EU-weit die politischen Rahmenbedingungen für mehr Klimaschutz in der Wirtschaft setzt.

Hillbrand weiter: "Wenn sich jedoch nichts ändert und es langfristig zu solchen Temperaturanstiegen kommt, hat das gewaltige Folgen." So kann es beispielsweise zu Ernteausfällen kommen, die besonders für Kleinbauern in Zentral- und Südamerika extrem sind und mit Fehl- oder Mangelernährung einhergehen können. Wasserknappheit ist ebenfalls ein großes Thema für viele Regionen der Welt.

Die Ressourcenknappheit wiederum kann Konflikte und Völkerwanderungen nach sich ziehen. Nicht zu vergessen das Artensterben, mehr Waldbrände, Fluten und andere Naturkatastrophen. All das führt außerdem zu einem noch größeren Ungleichgewicht zwischen Arm und Reich.

Extreme Wetterereignisse werden in Zukunft zunehmen

"Es ist davon auszugehen, dass Starkwetterereignisse zunehmen werden", prophezeit Hillbrand. Das habe auch der UN-Klimarat mit dem IPCC-Report die letzten Jahre bestätigt.

"Es gibt inzwischen sogar exakte Vorauskalkulationen, dass sich das Wetter nicht nur im globalen Süden, sondern auch im Norden verändern wird – und man weiß auch schon ziemlich genau wie und wo", sagt die Expertin und fügt an: "Dabei muss es sich übrigens nicht immer um extreme Hitzewellen handeln. Es kann auch zu extremen Frost oder Kälteeinbrüchen kommen."

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Anique Hillbrand, Programm-Managerin bei der Tropenwaldstiftung OroVerde
  • Infobae.com: Ola de calor en todo el país: la temperatura va a superar los 40° y se romperá un récord de 27 años

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