Sie verfügen über Kryptowährungen und sogar Universitäten, oder sind einfach in unbewohnbaren Wüstengegenden gelegen. Die Rede ist von Mikronationen, die alle eine spannende Geschichte haben.

Wie wertvoll ist ein Stück Land, dass tausende Kilometer entfernt, das ganze Jahr schneebedeckt ist und auf dem an warmen Tagen zehn Grad Minus herrscht? Vermutlich relativ wenig, daher hat sich eine lange Zeit auch niemand um das Stück Erde gekümmert, das gewissermaßen herrenlos war. Es handelt sich um den westlichen Teil der Antarktis, die nicht gerade lebensfreundliche Bedingungen aufweist – außer für Pinguine. Doch der ehemalige Soldat Travis McHenry hat diese Region der Antarktis zur Mikronation erklärt und es Westarctica genannt.

2001 wird Westarctica gegründet

Das war im Jahr 2001, seitdem hat McHenry, Großherzog von Westarctica sein Land noch nie besucht. Laut einem Interview mit "Condé Nast Traveller" wären die Kosten immens. Um das 15 Millionen Quadratkilometer große Land zu besuchen, müsste das Landoberhaupt 50.000 US-Dollar hinlegen.

Daher ist McHenry hauptsächlich aus der Ferne aktiv, verwendet bis zu 20 Stunden pro Woche für E-Mails, hat sich dem Kampf gegen den Walfang verschrieben und ein Ministerium gegründet, dem unter anderem ein Minister of Blockchain angehört. Blockchain ist die Technik, auf die Kryptowährungen basieren. Auch die Mikronation hat eine eigene digitale Währung, die auf der bekanntesten Alternative zu Bitcoin basiert, nämlich Ethereum. Die landeseigene Version verwaltet die Royal Bank of Westarctica.

Zudem pflegt der Großherzog Kontakte zu anderen Staatschefs im weiteren Sinne - auch Sie regieren Mikronationen und werden von keinem echten Staat anerkannt: Die Westarctica hat eine Allianz mit der Republik Molossia, dem Königreich Vikesland und dem Königreich Shiloh. Noch nie davon gehört? Kein Wunder! Schließlich handelt es sich ebenfalls um Mikronationen, von denen es gar nicht so wenige auf der Erde gibt.

Prinzessin eines Mini-Staates mit sieben Jahren

Eine besonders rührende Geschichte liefert das Königreich Nordsudan, das am 16. Juni 2014 ausgerufen wurde. Der Amerikaner Jeremiah Heaton hat an dem Tag eine Flagge auf dem Gebiet zwischen dem Sudan und Ägypten gehisst, das keiner der beiden Staaten für sich beanspruchen wollte. Lang war es nämlich nicht klar, welcher Grenzverlauf der Richtige ist. In einem Fall, wo nicht selten Panzer und Soldaten auflaufen, um territoriale Ansprüche zu behaupten, scherten sich die beiden Regierungen wenig um das Stück Land, das zu einem Niemandsland wurde.

Natürlich gibt es hier keine Bodenschätze oder andere Reichtümer, denn es handelt sich um die unbewohnte, gut 2.000 Quadratkilometer große Wüste Bir Tawil. Mehr als Beduinen findet man hier in der Regel nicht. Doch warum reist ein US-Amerikaner nach Nordafrika, mit einer Flagge im Gepäck, um sie dort zu aufzustellen? Der Grund war die damals sechsjährige Tochter, die fragte, wie man denn eine Prinzessin werden kann – was sie tatsächlich ein Jahr darauf wurde. Schließlich wollte ihr Vater ihr vermitteln, dass man alles im Leben erreichen kann, wenn man es nur möchte.

Kein Gefängnis, sondern Mikronation in Italien: Alcatraz

Doch nicht alle Mikronationen sind in Schnee- oder Sandwüsten gelegen und weitestgehend unbewohnbar. In Italien gibt es eine besonders hohe Dichte an kleinen, unabhängigen Staaten, die bewohnt sind.

Besonders sticht die Freie Republik Alcatraz hervor, die in der Region Umbrien liegt. 2015 veranstaltete sie sogar die Internationale Konferenz der Mikronationen und lud Mikro-Staatschef aus der ganzen Welt ein. Der 440 Hektar große Ort Alcatraz, der nichts mit der bekannten Gefängnisinsel zu tun hat, trennte sich im Jahr 2009 von Italien, als dies von Berlusconi regiert wurde. Doch die Vorbereitung zu diesem Schritt dauerte etwas länger. Denn 1981 starteten die Anwohner ihre "süße Revolution" und gründete ein autonomes Öko-Dorf, das sich selbst trägt und von Tourismus lebt, der nachhaltig ist und sich "Libera Università di Alcatraz" nennt. Damit ist Alcatraz vermutlich die kleinste Universitätsstadt der Welt.

Afrika ist viel zu klein, Europa viel zu groß. Die allermeisten Weltkarten sind verzerrt. Und das hat seine Gründe.