Einst war die Insel einer am dichtesten besiedelten Orte der Welt. Heute stehen auf Hashima nur verfallene Ruinen. Die Bewohner verließen das Gebiet vor 40 Jahren fluchtartig. Seitdem haben sich kaum mehr Menschen auf das Eiland gewagt.

Einst war Hashima eine lärmende, hektische Stadt, hochtechnisiert und ein Symbol der Industrialisierung. Heute ist die kleine Insel verlassen, nur Ruinen der mehrstöckigen Betonklötze erinnern noch an die glanzvolleren Zeiten. Was sie so gespenstisch macht: Die Möbel, die Fernsehgeräte sind noch da, manche Tische sind sogar noch gedeckt, staubige Teller stehen darauf. Man sieht der Insel an, dass sie fluchtartig verlassen worden ist.

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Dabei gab es dort alles, was man braucht: 25 Geschäfte, Kino, Polizeistation, Wohnhäuser, Kindergarten und Schule, Bordell, Kegelbahn, Tempel, Schwimmbad, Postamt, Straßen, Hotel und Krankenhaus. Aber warum wurde Hashima zur schaurig-stillen Geisterinsel?

Musterstadt während des Kohle-Booms

Gerade einmal 160 mal 480 Meter und damit 6,3 Hektar groß ist das Eiland, das nur 15 Kilometer von Nagasaki entfernt liegt. Grün ist dort fast nichts, in der Stadt gibt es nur grauen Beton. Denn als Schutz vor der unwirtlichen See baute man hohe Mauern an den Ufern. Hashima war einst eine moderne Musterstadt – und ein Schauplatz der Industrialisierung. Denn unter der Erde waren große Mengen Kohle zu finden. Zwischen 1887 und den 1970er-Jahren wurde das schwarze Gold gefördert. Der Boom startete 1916 unter Führung von Mitsubishi.

Hashima wurde so zu einem der am dichtesten besiedelten Orte der Welt. Bis zu 5.300 Menschen wohnten auf der kleinen Insel. Auf einem Hektar lebten zu Hochzeiten dicht gedrängt 835 Menschen, das sind fast 13-mal so viele pro Hektar wie im heutigen Tokio.

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Viele Tote und ein Arbeiterparadies

Die Kohleförderung war ein harter Job, die Arbeitsbedingungen waren teilweise unmenschlich. Gefährliche Gase bildeten sich in den Tunneln, Decken und Mauern konnten jederzeit einstürzen. Der Förderschacht für die Kohle war 200 Meter tief. Die Männer arbeiteten in Stollen, die unter dem Meeresspiegel lagen. Nicht alle waren freiwillig da: Im Zweiten Weltkrieg schickte Japan Zwangsarbeiter aus China und Korea in die Tiefe. 1.300 Menschen starben bis 1945 in den Schächten. Die Leichen wurden entweder in aufgegebenen Stollen verscharrt oder einfach ins Meer geworfen.


Nach dem Krieg allerdings galt Hashima als Paradies für Arbeiter: Der Lebensstandard war besser als anderswo in Japan. Die Kumpel wurden mit hohen Löhnen gelockt und hatten zu Beginn der 1960er Jahre schon Kühlschränke, Waschmaschinen und Fernseher.

Labyrinthartige Gänge und Miniwohnungen

Wohnraum war knapp auf Hashima. Weil so wenig Platz war, aber viele Arbeiter und Familienmitglieder untergebracht werden mussten, baute man nach unten und oben. Es gab unterirdische Unterkünfte, aber auch das erste mehrstöckige Beton-Wohngebäude in Japan – mit neun Etagen.

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Viel Raum stand den Menschen nicht zur Verfügung: Nur 9,9 Quadratmeter pro Arbeiter. Familien und Verheiratete bekamen das Doppelte. Alle nutzten Gemeinschaftsbäder und –küchen.
Auf den Dächern bauten sie Gemüse und Kräuter an und sorgten so für das einzige Grün auf der Insel. Auch das Schwimmbad befand sich auf einem Dach. Die Häuser waren durch schmale, labyrinthartige und überdachte Gassen verbunden.

Viel Privatsphäre hatte niemand. Nur der Manager der Mine wohnte komfortabler – im einzigen alleinstehenden Haus der Insel. Elektrizität und Wasser kamen über unterseeische Leitungen von der Hauptinsel.

Fluchtartig verließen die Bewohner die Insel

Doch 1974 war der Kohle-Boom ganz plötzlich zu Ende. Japans Regierung setzte lieber auf Erdöl. Im Januar kündigte Mitsubishi das Ende der Förderung auf Hashima an, schon im April war die Insel menschenleer. Die Arbeiter verließen die Stadt von einem, Tag auf den anderen.

Es gab ja auch keinen Grund, dort zu bleiben. Viele ließen Möbel, Einrichtungsgegenstände wie Fernsehgeräte oder Spielzeug einfach da, weil der Transport zu teuer gewesen wäre. Die Behörden machten die Insel zum Sperrgebiet, über 30 Jahre lang durfte sie nicht betreten werden.

Jahrzehntelang verfielen die Häuser und setzten Meer und Wetter ihnen zu. Hashima verfiel in einen Dornröschenschlaf – und sah fortan aus wie nach einer plötzlichen Katastrophe.

Auch heute lebt niemand mehr auf der Geisterinsel, durch die leeren Straßen streunen wilde Katzen. Grün ist immer noch fast nichts, die Ruinen sind nicht von Pflanzen überwuchert – es gibt einfach keinen Raum für Vegetation.

Aber es sind manchmal wieder Menschen unterwegs: Touristen dürfen Hashima seit 2009 besuchen – das ist aber mitunter lebensgefährlich, weil viele Häuser einsturzgefährdet sind. Aus der Ferne sieht das Eiland mit ihrer Kombination aus Felsen und Beton aus wie ein nicht mehr ganz seetüchtiges Kriegsschiff – und so nennen die Einheimischen Hashima auch: Kriegsschiffinsel.

Berühmt durch James Bond

Wenn Sie sich von zu Hause aus ein Bild von der gespenstischen Szenerie auf der Insel machen wollen, spazieren Sie mit Hilfe von Google Street View durch die Straßen der Stadt. Oder Sie sehen sich den James-Bond-Film "Skyfall" an: Die Stadt dient als Vorbild für die Festung des Bösewichts Raoul Silva, einige Szenen wurden vor der Kulisse der verfallenen Ruinen gedreht.