Seit jeher interessieren sich Menschen dafür, was ihnen die Zukunft wohl bringen wird. Weil das aber niemand wissen kann, suchen sie Antworten auf ihre Fragen in Orakeln, bei Astrologen, im Kaffeesatz und in Handflächen. Verblüffend ist, wie die Menschen mit den Vorhersagen in verschiedenen Epochen umgingen – und wie viel Einfluss sie auf den Alltag hatten.

Was gestern los war und gerade jetzt in unserem Leben passiert, wissen wir selbst.

Aber was ist mit morgen, nächster Woche und dem Rest unseres Lebens? Wie viel Zeit bleibt uns eigentlich noch?

Zahlreiche Menschen glauben, dass einige wenige Auserwählte darüber genau Bescheid wissen.

Sie sollen die geheimen Zusammenhänge der Welt kennen und mit Hilfe von magischen Kräften die Zukunft vorhersagen können.

Vorstellungen wie diese existieren schon seit mindestens 4.000 Jahren - und bis heute haben sie etliche Anhänger.

Sogar das Ende der EU! Was Baba Wanga bisher vorhersagte, traf auch oft ein.

Kuriose Methoden der Wahrsagerei

Kartenlegen, Hellsehen, Astrologie, Traumdeutung und Kaffeesatzlesen: Es gibt viele Methoden, um herauszufinden, was demnächst passieren wird.

Das versprechen zumindest Wahrsager. Ihre Kunst wird auch als "Mantik" bezeichnet.

Aber es gibt noch ganz andere, zum Teil kuriose Arten, um die Zukunft herauszufinden.

Da gibt es zum Beispiel die "Alectryomantie": Ein Hahn oder Huhn pickt Körner auf, die über Buchstaben verstreut sind. Daraus wird eine Botschaft gelesen. Sowohl in Afrika als auch in Griechenland ist diese Methode bekannt.

In der "Bibliomantie" nutzen Wahrsager Schriften wie die Bibel: Um eine Frage zu beantworten, schlagen sie eine beliebige Seite auf und zeigen auf eine zufällige Stelle. Die ist gleichzeitig die Antwort auf die Frage.

Schon in der Antike war diese Methode beliebt. Damals verwendete man Texte von Homer und Vergil für die Wahrsagung.

Aus der Hand und aus dem Kaffeesatz lesen

Weltweit bekannt ist die "Chiromantie" – die Kunst, aus den Linien der Hand zu lesen. Schon die Ägypter wollten dadurch mehr über eigene Anlagen und das Schicksal erfahren.

In der Antike galt das Handlesen sogar als Geheimwissenschaft. Seit der Aufklärung lesen Chiromanten hauptsächlich auf Jahrmärkten in den Händen neugieriger Menschen.

Besonders Frauen hatten seit Ende des 17. Jahrhunderts eine Vorliebe für die "Kaffeedomantie". Getrocknete Muster im Kaffeesatz wurden ausgewertet und als Antwort auf eine Frage zurechtgelegt.

Das chinesische Pendant heißt "Tasseografie". Hier sollen Teeblätter bei der Antwort auf eine Frage weiterhelfen.

Viele Vorhersagen treffen nie ein - einige aber stimmen haargenau.

Götter und Sterne kannten die Zukunft

In vielen Kulturen gab es früher besondere Mitglieder, die die Zukunft weissagten.

Bei den Kelten waren das die Druiden. Im antiken Griechenland wählten die Götter angeblich persönlich Priester aus, die ihre Zeichen verstanden und weitergaben.

Diversen Überlieferungen zufolge gab es dafür 230 unterschiedliche Methoden - Traumdeutung und Orakel waren zwei davon.

Die Vorhersagen hatten großen Einfluss auf Politik und das tägliche Leben. Was die Priester im Orakel prophezeiten, integrierten die Ratsuchenden anschließend in ihre Planungen.

480 vor Christus zum Beispiel warnte das Orakel von Delphi die Athener vor einem Angriff. Sie sollten "ihre Stadt verlassen und mit hölzernen Mauern verteidigen".

Der Feldherr der Stadt, Themistokles, deutete die hölzernen Mauern als Schiffe und lag richtig: In der bedeutenden Seeschlacht von Salamis besiegten die Griechen die Perser.

Allein die berühmteste Orakelstätte in Delphi existierte über 1.000 Jahre. Abgelöst wurden Orakel später durch die Deutung der Sterne. Um 400 vor Christus gründete Berossos auf Kos die erste Astrologieschule.

Er schaute sich die Lage der Planeten zum Zeitpunkt der Geburt eines Menschen an, um dessen Zukunft vorherzusagen.

Seine Vorhersagen machten ihn berühmt. Sogar Gelehrte wie Platon, Homer und Aristoteles glaubten an seine außergewöhnlichen Fähigkeiten.

Nur noch Gott kannte die ganze Wahrheit

Bei den antiken Römern verbreitete sich der Glaube an Wahrsagerei erst langsam, doch dann explosionsartig.

Als das gemeine Volk verschiedene Methoden des Wahrsagens für sich entdeckte, waren die Machthaber alarmiert.

Im Jahr 12 nach Christus ließ Kaiser Augustus Orakelbücher entweder verbrennen oder lagerte sie bei sich hinter verschlossenen Türen.

Nur wenigen Sehern erteilte er eine Genehmigung für öffentliches Wahrsagen. Über bevorstehende Todesfälle durften sie keine Auskunft mehr geben.

Der römische Geschichtsschreiber Cicero stempelte die Wahrsagerei dagegen als Betrug und Aberglaube ab – und widerlegte sie in seinen Texten.

Eine allgemeine Kehrtwende fand statt, als die römischen Kaiser Anhänger des Christentums wurden. Jetzt gab es nur noch einen, der die Zukunft kannte: Gott.

Als Folge wurden alle Orakelstätten zerstört, prophetische Schriften verbrannt und die "Leberschau", also das Weissagen anhand der Eingeweide von Opfertieren, mit Folter oder Todesstrafe bestraft.

Mythos: Ganze Städte sollen den rauen Gewässern zum Opfer gefallen sein.

Wie die christliche Kirche zur Wahrsagerei stand

Allerdings gab es auch Priester und sogar einen Papst, die sich nicht daran hielten. Papst Sylvester II. soll magische Fähigkeiten besessen und angewandt haben.

Kein Wunder, dass seine Zeitgenossen ihm um das Jahr 1000 den Beinamen "Teufelspapst" gaben.

Offiziell verdammte die Kirche Wahrsagerei ebenso wie alle Formen von Magie. Der Theologe Thomas von Aquin war dafür hauptverantwortlich. Er erklärte im 13. Jahrhundert, Wahrsagerei sei nichts anderes als Teufelswerk.

Zwischen 1500 und 1700 führte das zur Hexenverfolgung. Doch im Mittelalter gab es auch einen Konflikt innerhalb der Kirche: Denn eigentlich waren Magie und Religion nicht so weit voneinander entfernt.

Gebete setzte man als magische Beschwörungen ein. Und Bibelsprüche sowie Psalmen dienten beim Exorzismus als Abwehrzauber gegen Dämonen.

Wahrsager beeindruckten auch Machthaber und Wissenschaftler

Im 17. und 18. Jahrhundert katapultierte die tatsächliche Wissenschaft die Wahrsagerei ins Abseits.

Forscher, Intellektuelle, Politik und Kirche waren sich einig und erkannten der Astrologie ihren bisherigen Status als Wissenschaft ab.

Das einfache Volk interessierte das wenig. Seit der Aufklärung waren Wahrsagerinnen gefragter denn je.

Beamte, Angestellte und Kaufleute besuchten sie ohne Scham. Adelige kamen nur heimlich und ließen sich Karten legen oder blickten tief in eine Kristallkugel.

Auch bekannte Persönlichkeiten suchten Rat bei Hellsehern. Dazu gehörten beispielsweise Mahatma Gandhi, Marilyn Monroe, Albert Einstein und Josef Stalin.

Alle waren vom Können des polnischen Propheten Wolf Messing beeindruckt. Kurz nach der Machtergreifung der Nazis hatte er gesagt: "Wenn Hitler in den Krieg gen Osten zieht, wird das sein Untergang."

Messing behielt recht – ebenso wie mit seiner Vorhersage des Russland-Krieges: "In den letzten zehn Junitagen des Jahres 1941 wird der Krieg beginnen."

Eine andere bekannte Wahrsagerin des 20. Jahrhunderts war Jeane Dixon.

Sie sah sich selbst als von Gott begnadet und veröffentlichte ihre Weissagungen als Tageshoroskope in Zeitungen und Büchern.

Politiker wie Richard Nixon engagierten sie als Beraterin und Privatastrologin - sodass zumindest diese eine Hellseherin indirekt Einfluss auf die jüngere Geschichte genommen haben könnte.