Es ist ein surrealer Anblick: Unweit der Atlantikküste in der französischen Bretagne bei Carnac steht eine Armee von Steinen in parallelen Reihen. Wer sie wann, wie und zu welchem Zweck aufgestellt hat, ist Forschern bis heute ein Rätsel. Aber Pilger sind begeistert von den magischen Energien vor Ort.

Die Luft riecht nach Meer – die bretonische Atlantikküste ist nur ein paar hundert Meter entfernt. Oben auf dem künstlich errichteten Grabhügel Tumulus St. Michel angekommen, ist die Aussicht fantastisch.

Von hier aus sieht man die ungewöhnlichsten Felder Frankreichs. Sie sind übersät mit aufrechtstehenden Hinkelsteinen, sogenannten Menhiren. Es ist, als sehe man eine endlose steinerne Armee vor sich.

Der mysteriöse steinerne Wald

Mehr als 3.000 Steine sind es, und ihre Positionen sind nicht zufällig: Sie bilden parallele Reihen. In unmittelbarer Umgebung befinden sich außerdem zahlreiche Steingräber und -kreise.

Die 4.000-Seelen-Gemeinde Carnac in der Bretagne ist für diesen mysteriösen steinernen Wald bekannt. Auf drei Hauptfeldern erstrecken sich die Alleen über eine Länge von vier Kilometern, bis ans Meer.

Ursprünglich sollen sie sogar doppelt so lang gewesen sein. Von Westen nach Osten werden die Megalithe kleiner, die größten von ihnen messen vier Meter, die kleinsten noch knapp 50 Zentimeter.

Atlantik gilt als Meer mysteriöser Inseln, die man auf Karten nicht findet.

Aus der Luft betrachtet bilden einige von ihnen sogar geometrische Figuren: exakte Dreiecke mit den immer gleichen Seitenverhältnissen 5:12:13. Aber wer hat die Figuren und Alleen errichtet, und warum?

Stecken Bauern und Fischer hinter dem Bau oder doch Aliens?

Fest steht, dass die Steinreihen schon sehr lange so dastehen. Archäologen zufolge stammen sie aus einer Ära zwischen 4.500 und 2.300 Jahren vor Christi Geburt. Damals lebten in der Bretagne Bauern und Fischer.

Viel ist über die Einwohner nicht bekannt, sie hinterließen kaum Spuren. Aber Forscher wissen, dass Fischer mit primitiven Booten aus Weidengeflecht auf das Meer fuhren.

Welche Gemeinschaft von Menschen war in der Lage, solche komplexe Anlagen zu entwerfen, die höhere Mathematik und fortgeschrittene Vermessungstechnik erforderten?

Wie konnten die Männer und Frauen tonnenschwere Steinfiguren bewegen und sicher in der Landschaft aufstellen? Wie schafften sie es, großflächige geometrische Figuren zu bilden?

Wissenschaftlern ist das bis heute ein Rätsel. Grund genug für manche Verschwörungstheoretiker und Prä-Astronautiker, andere Mächte mit ins Spiel zu bringen. Vielleicht waren es ja sogar Außerirdische, die das Wunder vollbracht haben? Beweise dafür gibt es natürlich nicht.

Theorien und Legenden: Tote verehren oder Soldaten entkommen

Im 19. Jahrhundert glaubte man noch, dass es sich um die Ruinen einer alten Tempelanlage handelte. Wissenschaftler widerlegten diese Idee. Stattdessen deuten sie die Steinreihen und -gräber als religiöse Stätten für einen prähistorischen Totenkult.

Der Archäologe Serge Cassen ist dagegen sicher, dass die Formationen einen Verteidigungswall darstellen, zum Schutz vor übernatürlichen Gefahren aus dem angrenzenden Meer.

In der Familie häufen sich Attentate, Flugzeugabstürze und Unfälle.

Es gibt aber auch schöne Legenden zur Entstehung der ungewöhnlichen Menhire von Carnac. Eine davon ist die vom heiligen Cornelius. Im Jahr 253 nach Christus wollte man ihn in Rom dazu zwingen, dem Kriegsgott Mars ein Opfer zu bringen.

Als gläubiger Christ lehnte er ab und floh bis in die Bretagne. Der römische Kaiser schickte ihm seine Armee hinterher. In großer Verzweiflung betete Cornelius zu Gott. Der soll sein Bitten erhört und die Armee in Steine verwandelt haben.

Magie, die heilt und Pilger anlockt

Für die Tausenden von Pilgern, die jedes Jahr nach Carnac reisen, ist der steinerne Wald ein magischer Ort voller Wunder. Manche haben sogar Wünschelruten im Gepäck.

Sie finden, dass auf den Steinfeldern eine mystische Atmosphäre vorherrscht. Auffällig still soll es dort sein – sogar Insekten und Vögel verstummen angeblich.

Der magischste Tag ist jedes Jahr die Sommersonnenwende. Dann finden zwischen den Steinformationen esoterische Workshops statt.

Teilnehmer berichten, dass sie neue Energien in sich entdeckten, viel positiver gestimmt seien und eine intensive Verbindung zur Natur entwickelten. Für spirituelle Menschen ist das ein Beweis dafür, dass an diesen Plätzen der Himmel ganz nah sein soll.

An den alten Steinen treffen angeblich kosmische Kräfte auf die Energien der Erde und schaffen universelle Kraftzentren. Liegt in Carnac womöglich sogar die Schwelle zu einer anderen Welt? Wenn ja, hat bisher noch niemand den Eingang entdeckt.

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