300 mysteriöse Steinkugeln in Costa Rica gehören zu den größten Rätseln der Menschheitsgeschichte – und zum Unesco-Weltkulturerbe. Sie sind Hunderte von Jahren alt. Die größte misst mehr als zwei Meter im Durchmesser und wiegt 16 Tonnen. Aber wer sie wann, wie und warum hergestellt hat, ist bis heute umstritten.

Im feuchten, dicht bewachsenen Urwald von Diquis Delta in Costa Rica stießen Männer in den 1930er Jahren zufällig auf ein Wunder: Die Arbeiter der United Fruit Company hackten gerade Äste ab und brannten Bäume nieder.

Sie mussten Platz für eine Bananenplantage schaffen. Aber plötzlich standen sie vor einem Mysterium: Vor ihnen lagen Dutzende perfekt geformte Steinkugeln, zum Teil größer als sie selbst. Sie wogen teilweise mehrere Tonnen.

Die Arbeiter waren zwar überrascht, aber nicht besonders beeindruckt. Die Kugeln lagen schließlich im Weg. Bulldozer sollten sie beiseite schaffen – und beschädigten einige der riesigen Steine.

Dann kamen Gerüchte auf: Vielleicht befand sich im Inneren Gold? Die Arbeiter sprengten kurzerhand mehrere Kugeln in Stücke. Doch vergeblich: Von einem Schatz keine Spur.

Mehr als 300 der seltsamen runden Steine wurden entdeckt. Sie werden auch "las bolas grandes" genannt, die großen Kugeln.

Die größte wiegt 16 Tonnen und hat einen Durchmesser von 2,40 Meter. Die kleinsten sind nur so groß wie ein Tennisball, sie lagen in alten Gräbern.

Gigantische Kugeln aus Granit

Aber wer hat die Kugeln in das Tal bewegt, und warum? Obwohl Wissenschaftler sie seit 1943 untersuchen, haben sie längst nicht Antwort auf alle Fragen parat.

Das liegt vor allem daran, dass viele Kugeln von den Fundorten wegbewegt und beschädigt wurden.

Woraus sie bestehen, ist jedoch bekannt: aus einem granitähnlichen Gestein namens Gabbro, also aus massivem Felsgestein.

In Cheops-Pyramide sollen einst Tafeln mit brisantem Text gelegen haben.

Das ist kurios, denn im Fundgebiet selbst kommt dieses Gestein nicht vor. Die nächstgelegenen Steinbrüche sind mindestens 50 Kilometer entfernt.

Fest steht auch, dass Menschenhände die Steine so geformt haben. Das muss kompliziert gewesen sein, viele Baumeister waren beteiligt.

Denn laut Archäologen stammen die Kugeln aus einem Zeitraum zwischen 600 bis 1.200 nach unserer Zeitrechnung. Werkzeuge waren zu jener Zeit nicht hochentwickelt.

Die Kugeln jedoch sind dermaßen gleichmäßig rund und glatt, dass eine Fertigung ohne moderne Hilfsmittel fast unmöglich erscheint.

Die Steinmetze müssen nicht nur ihr Handwerk verstanden, sondern auch über Geometrie Bescheid gewusst haben.

Experten haben versucht zu rekonstruieren, wie die Handwerker damals vorgegangen sein könnten. Als erstes suchten sie sich einen einigermaßen runden Felsbrocken.

Mit Hilfe von heißen Kohlen und kaltem Wasser brachen sie ihn ab. Als nächstes hackten sie mit kleineren Steinen auf ihm herum und brachten ihn in eine Kugelform.

Zum Schluss polierten sie ihn mit einem Schleifmittel aus Sand und Wasser. Für eine Kugel von 16 Tonnen benötigten sie allerdings Rohmaterial von 24 Tonnen. Wie die fertigen Kugeln transportiert wurden, bleibt bis heute ein Rätsel.

Wer hat sie hergestellt und warum?

Unklar ist auch, wer die Schöpfer der Kugeln sind. In der Nähe der Fundorte fanden Archäologen Keramikteile aus der Zeit vor der spanischen Eroberung.

Damals wohnten dort Fischer, Jäger und Bauern in kleinen Gemeinschaften. Doch die perfekt geformten Bälle müssen von Menschen einer Hochkultur gefertigt worden sein.

Warum entdeckten Forscher bisher keine Zeugnisse einer solchen? Schlummern im Meer vor Costa Rica oder im Schlamm des Deltas womöglich unentdeckte Bauten dieser unbekannten Hochkultur?

Manche Archäologen aus Mittelamerika sehen eine Verbindung zwischen den Kugeln und dem Sonnensystem. Aus der Vogelperspektive sieht man, dass einige Exemplare in geometrischen Mustern angeordnet sind.

Die gigantische Zeichnung im Fels der Atacamawüste bleibt ein Mysterium.

Sie könnten Sonne, Mond und andere Planeten darstellen. Das würde allerdings Inkas, Mayas und Azteken als Schöpfer ausschließen. Denn die glaubten, dass die Sonne eine Scheibe sei.

Andere Experten denken, dass die Anhänger einer unbekannten Megalith-Kultur durch die perfekt geformten Kugeln die Vollkommenheit ihres Gottes ausdrückten.

Kanonenfutter für einen Gott und andere Legenden

"Las bolas grandes" bieten außerdem Stoff für allerlei Legenden. In einer heißt es, die riesigen Kugeln seien von Menschen geschaffen worden, die den Untergang von Atlantis überlebten.

Einheimische behaupten, dass ihre Vorfahren ein Zaubermittel kannten, um Fels zu erweichen. Verschwörungstheoretiker verdächtigen Außerirdische als Schöpfer und Überbringer der Kugeln.

Eine Theorie der Ureinwohner ist ebenfalls kurios: Sie bezeichnen die Bälle als "Taras Kanonenkugeln". Tara ist der Gott des Donners.

Durch ein gigantisches Blasrohr soll er die Kugeln losgeschossen haben, um damit die Götter des Windes und des Sturms vom Land zu vertreiben.

Vom Dschungel ins Museum und in Gärten

Die 300 mysteriösen Steine gehören seit 2014 zum Unesco-Weltkulturerbe. Längst nicht mehr alle sind im Diquis Delta und auf der Isla del Caño zu finden.

So manch reicher und mächtiger Bürger Costa Ricas schmückt seinen Garten mit einer der Kugeln. Viele sind auch in Museen ausgestellt. Der gewaltige 16-Tonne-Stein beispielsweise liegt im Nationalmuseum der Hauptstadt San José.

Aber auch wer dort noch nicht gewesen ist, hat die steinernen Kugeln womöglich schon gesehen: im Film. Im ersten Teil der Indiana-Jones-Reihe "Jäger des verlorenen Schatzes" wird der Held beinahe von einer Riesenkugel überrollt.