Gleich drei Mal hat der deutsche Kater Oscar einen Schutzengel: Das Tier überlebt drei Schiffsuntergänge im Zweiten Weltkrieg. Kein Wunder, dass das Tier auch "Unsinkable Sam" genannt wird.

Der 27. Mai 1941 ist ein schwarzer Tag für die deutsche Marine: Mit der Bismarck versinkt das größte Schlachtschiff der deutschen Marine im Meer. Mit ihr gehen 2.104 Männer unter und sterben, das ist der Großteil der Besatzung. Aber es gibt auch Überlebende: 116 Menschen und ein schwarzer Schiffskater.

Stundenlang treibt das Tier auf einem Brett im Atlantik. Dann rettet die Besatzung des britischen Zerstörers HMS Cossack den Kater. Die Männer ernennen ihn zu ihrem neuen Maskottchen und taufen ihn auf den Namen Oscar. Wie das Tier an Bord der Bismarck hieß, ist nicht bekannt.

Dienstantritt bei der Royal Navy

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Der Kater steht also nicht mehr in deutschen Diensten, sondern in denen der Royal Navy. Das "Nautical Magazine" schreibt einige Jahre später, ein "Nazi" habe spektakulär die Seiten gewechselt. Fünf Monate lang erfüllt Oscar seine Pflichten auf dem britischen Zerstörer. Dazu gehört nicht nur das Fangen von Mäusen und Ratten.

Schiffskatzen sind in der Seefahrt schon seit dem 16. Jahrhundert für bessere Hygiene an Bord zuständig. Eine Hilfe sollen sie der Besatzung auch bei der täglichen Wettervorhersage gewesen sein. Leckte sich eine Katze ihr Fell entgegen der Haarwuchsrichtung, bedeutete das: Ein Hagelsturm ist im Kommen. Niesen hieß, es würde bald regnen, und ein munteres Verhalten sagte Wind voraus.

In Bordkatzen sahen die Matrosen zudem Glücksbringer. Sie hatten eine hohe Stellung inne und durften nicht misshandelt werden. Und als spielfreudiges Maskottchen waren sie außerdem dafür zuständig, die Moral der erschöpften Mannschaft zu heben.

Der zweite Untergang

Doch Oscar bringt der HMS Cossack nicht lange Glück. 1941 eskortiert der Zerstörer einen Konvoi beschädigter Schiffe von Gibraltar nach Großbritannien. Am 24. Oktober torpediert ein deutsches U-Boot das Schiff, 159 Männer sterben. Unter den Überlebenden ist auch diesmal Bordkatze Oscar. Jetzt bekommt das Tier einen neuen Spitznamen: "Unsinkable Sam" (deutsch: unsinkbarer Sam).

Schon kurze Zeit später zieht der Kater wieder aufs Meer: Er wohnt jetzt auf dem Flugzeugträger HMS Ark Royal. Seltsamer Zufall: Dieses Schiff war wenige Monate zuvor an der Zerstörung der Bismarck beteiligt.
Das ist offenbar ein schlechtes Omen.

USA, 1994: Tiere sterben, Menschen erkranken - Was brachte den Horror?

Denn nur 14 Tage nach dem letzten Schiffbruch wird auch die Ark Royal torpediert und sinkt nahe Gibraltar. Diesmal stirbt nur ein Mann. Und wieder wird Unsinkable Sam gerettet: Man findet ihn auf einer Planke im Wasser, angeblich grimmig schauend, aber unverletzt.
Zum dritten Mal in Folge beweist sich Sam als Glückskatze.

Allerdings hat der Kater das Glück hauptsächlich für sich selbst gepachtet. Für Schiffe ist das Tier scheinbar ein Unglücksbringer. So ist es kein Wunder, dass niemand mehr Unsinkable Sam an Bord haben möchte. Die Royal Navy versetzt Sam an Land.

Leben und Sterben eines unsterblichen Katers

Zunächst streift der legendäre Kater durch das Bürogebäude des Hafenkapitäns von Gibraltar und hält es frei von Nagetieren. Das Ende des Krieges erlebt Sam in Belfast. Bis zu seinem Tod 1955 verbringt er dort ein angriffsfreies Leben in einem Seemannsheim.
Doch hat sich die Geschichte von Unsinkable Sam wirklich so abgespielt, oder handelt es sich nur um Seemannsgarn?

Einiges spricht eher für eine Erfindung: So war es britischen Schiffen im Krieg verboten, auf hoher See zu stoppen. Die Gefahr, dass deutsche U-Boote angriffen, war viel zu groß. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass die HMS Cossack Oscar an Bord holte.

Nichtsdestotrotz hat es Unsinkable Sam ins Museum geschafft: Ein Gemälde mit dem Titel "Oscar, the Bismarck’s Cat" hängt im National Maritime Museum im britischen Greenwich.

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