Große Felsbrocken bewegen sich wie durch Zauberhand, manche mehrere hundert Meter weit: Das passiert im US-Nationalpark Death Valley alle paar Jahre. Stecken Aliens dahinter oder ist die Erklärung ganz einfach?

Felsen, die heimlich wandern – manche allein, manche in Paaren, einige bergauf, andere bergab: Dieses Phänomen kann man im amerikanischen Death Valley beobachten. Allerdings nicht regelmäßig, nur alle paar Jahre, und nur im Winter. Gesehen hat zwar bisher kein Mensch, wie sich die bis zu 350 Kilogramm schweren Steinbrocken bewegen.

Ein Dorf in Pennsylvania dient als Vorlage für Horror-Videospiel.

Der Beweis, dass sie es tatsächlich tun, ist aber nicht nur ihre veränderte Position: Sie hinterlassen auch Schleifspuren. Einige davon sind gezackt, andere gewunden, es gibt auch ganz gerade Linien. Einige messen ein paar Meter, andere ein paar hundert.

Botschaften von Aliens?

Das Gebiet im Nationalpark ist schwer zugänglich. Darin liegt der drei mal fünf Kilometer große Racetrack Playa, ein ausgetrockneter Salzsee. Auf dem lehmigen Boden sind 160 Steine unterschiedlicher Größen verstreut.

Seit mehr als 100 Jahren rätseln Menschen, wie sich das mysteriöse Geschehen erklären lässt. Alien-Gläubige sind überzeugt, dass hier Außerirdische am Werk sind: Sie verschieben die Steine auf der Kruste, wenn niemand hinsieht.

Damit wollen sie den Menschen Botschaften hinterlassen, die aber niemand entschlüsseln kann. Es ranken sich aber noch andere unheimliche und wilde Thesen rund um die Felsen: Sind dort große Tiere aktiv, die sie hin- und herschieben? Vielleicht auch Mexikaner, die die Amerikaner ärgern wollten?

Wenn die Natur Baumeister spielt, stockt dem Menschen der Atem.

Magnetfelder und ein riesiger Ventilator

Auch Wissenschaftler beschäftigen sich seit vielen Jahren mit den Wandersteinen - und stellten viele Spekulationen an. Schon in den 1950er-Jahren versuchte der Geologe Thomas Clement dem Mysterium auf die Spur zu kommen.

Er schlug ein Zelt auf dem Hochplateau auf und beobachtete die Felsen. Ein Sturm und heftiger Regen ließen ihn in seinem Zelt Schutz suchen.

Am nächsten Morgen hatten sich die Felsen bewegt – und er hatte es verpasst. Ein anderer Forscher bastelte einen großen Propeller, der extreme Windgeschwindigkeiten vortäuschen sollte. Aber die Felsen rührten sich nicht vom Fleck.

Erhöhte Schwerkraft?

Es gab weitere Thesen: Wirken magnetische Kräfte unter dem See, die die Steine anziehen? Oder ist die Schwerkraft an diesem Ort erhöht? Gibt es womöglich starke unterirdische Wasserströme? Bewiesen werden konnte allerdings nichts davon. Erschwert wurde die Forschung dadurch, dass das Gebiet unter Naturschutz steht.

Schon lange gab es die Vermutung, dass der Wind eine Rolle bei der Wanderschaft der Felsen spielen könnte. Aber selbst ein heftiger Sturm kann keinen 250-Kilo-Stein einfach versetzen.

Also muss sich zusätzlich etwas auf der Oberfläche des Salzsees verändern, damit die Felsen rutschen können. Vielleicht schufen Bakterien und Algen einen glitschigen Film auf der Oberfläche? Nachgewiesen wurden diese nie.

Auch die Schwesternschiffe des Dampfers waren vom Pech verfolgt.

Die Lösung des Rätsels

Mit Hilfe moderner Technik löste ein Team der Universität von Kalifornien das Rätsel schließlich: Sie filmten die Felsen mit Hilfe einer Zeitrafferkamera mehrere Monate lang, und rüsteten sie zusätzlich mit GPS-Sendern zur Positionsbestimmung aus.

Außerdem maßen sie mit Sensoren die Wetterdaten. Lange Zeit passierte allerdings überhaupt nichts. Erst im Dezember 2013 tat sich etwas: 60 Steine hatten sich bewegt, einige davon 200 Meter weit. Ihre Geschwindigkeit: geruhsame zwei bis fünf Meter pro Minute.

Komplexes Wetterphänomen

Das Phänomen der Wandersteine tritt aber nur auf, wenn mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind. Das ist sehr selten der Fall, der Vorgang kompliziert. Notwendig sind ein wenig Regen an einem Tag, Frost in der Nacht und am nächsten Tag ein leichter Wind und Sonne.

Dann bildet sich auf dem Salzsee in der Nacht eine bis sechs Millimeter dünne Eisschicht. In der Sonne schmilzt dieses Eis langsam und zerbricht in viele kleine Schollen. Diese sind von Rinnsalen umgeben oder schwimmen auf dem Wasser. Wenn nun noch ein leichter Wind weht, bewegen sich die Eisschollen – und schieben die Felsen vor sich her. Diese segeln also einfach auf den Schollen.

Aber wie entstehen die Spuren? Das Wasser verwandelt die Lehmkruste in eine Art Schlick. Die Verschiebung der Steine hinterlässt darin Bahnen, die sich wiederum mit Wasser füllen. Aber erst, wenn diese austrocknen, sind die Spuren auch zu sehen – manchmal jahrelang.