Wer beim Kauf eines Flugtickets ein paar Euro drauflegt, der kann seinen persönlichen CO2-Ausstoß des Fluges gleich wieder ausgleichen. In Entwicklungs- und Schwellenländern werden mit der Spende Projekte unterstützt, die dort den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid verringern. Doch wie sinnvoll ist ein Ausgleich und an welchen Anbieter wendet man sich am besten?

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Etwa 29 Millionen Euro möchte die Airline Easyjet im nächsten Jahr investieren, um den CO2-Ausstoß ihrer Flugzeugflotte zu kompensieren. Ein Vorhaben, das kontrovers diskutiert wird: Der Airline wird vorgeworfen, dass sie Kunden vorgaukelt, ihr Flug sei schon komplett kompensiert.

"Was Easyjet hier macht, ist besser als gar nichts", meint Felix Creutzig, Wissenschaftler des Berliner Klimaforschungsinstituts MCC laut "Spiegel.de". "Aber diese Flüge sind nicht klimaneutral. Sie sind nur zu einem Drittel bis allenfalls zur Hälfte kompensiert." Der Betrag, den Easyjet pro Flug für die Kompensation spendet erscheint Experten gering.

Ein Flug von Frankfurt am Main bis nach New York verursacht pro Person etwa zwei Tonnen CO2. Je nach Anbieter würde eine Kompensation zwischen 20 und 50 Euro kosten.

Warum überhaupt ausgleichen?

Heizung, Ernährung, Fortbewegung: Alles erzeugt CO2 - aber auch andere Gase wie Methan und Lachgas, die den Treibhauseffekt beeinflussen. Da diese anderen Gase eine andere Klimawirksamkeit als CO2 haben, werden sie umgerechnet, um einen vergleichbaren Wert zu CO2 zu erhalten. Dann ist von "CO2-Äquivalenten" die Rede.

Methan entsteht beispielsweise bei der Viehhaltung, Lachgas durch stickstoffhaltige Düngemittel. Laut dem Umweltbundesamt verursachte jeder Deutsche im Schnitt im Jahr 2017 elf Tonnen sogenannter CO2-Äquivalente. Nicht eingerechnet sind dabei Emissionen aus Landnutzung und Forstwirtschaft.

Wenn es um den CO2-Ausstoß des Einzelnen geht, steht besonders der Verkehr im Vordergrund. Er ist der drittgrößte Verursacher von Treibhausgasemission in Deutschland. Überholt wird er nur von der Energieerzeugung wie beispielsweise bei der Stein- oder Braunkohleverarbeitung und der Industrie, wie zum Beispiel Raffinerien oder Stahlwerke.

Wie belastet Fliegen die Umwelt?

Flugzeuge verbrennen den Treibstoff Kerosin und erzeugen so Emissionen. Es werden Kohlenstoffdioxid (CO2), Rußpartikel, Wasserdampf und Stickoxide ausgestoßen, die in der Flughöhe nur langsam abgebaut werden können. Je mehr Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre gelangt, desto stärker wird der Treibhauseffekt, der die Klimaerwärmung begünstigt.

Außerdem bauen Stickoxide laut Umweltbundesamt mit der Sonneneinstrahlung Ozon auf, das als Treibhausgas wirkt. Die ausgestoßenen Aerosole und der Wasserdampf verändern die Wolkenbildung und beeinflussen so das Klima.

Nachhaltig reisen im Einklang mit der Natur, ist nicht nur erholsam und gut für das Gewissen, sondern auch schonend für die Umwelt und die Menschen vor Ort in den jeweiligen Urlaubsländern.

Kritik am CO2-Ausgleich

Stefanie Böther vom Umweltbundesamt kennt die Kritikpunkte am freiwilligen CO2-Ausgleich: "Oft wird er mit Ablasshandel verglichen." Man verschmutzt mit dem Flug zwar die Umwelt, kauft sich dann aber wieder ein reines Gewissen.

Sie betont vor allem, dass freiwillige Kompensation nur der letzte Ausweg sein dürfe. Wenn möglich solle jeder Flug vermieden oder zumindest die Strecke reduziert werden. Nur, wenn das nicht möglich sei und man zwingend fliegen müsse, solle man die Reise auch ausgleichen. "Eine Kompensation ist nur eine Plus-Minus-Null-Rechnung, also eine Neutralisierung. Man tut der Umwelt dadurch nicht zusätzlich etwas Gutes."

Die Expertin warnt vor möglichen "Gefahren" der freiwilligen Kompensation: "Es sollte nicht dazu kommen, dass Menschen einfach darauf losfliegen, nur weil sie ihre Flüge ausgleichen können."

Denkbar sei ein Konzept, bei dem der finanzielle Aufwand für den persönlichen CO2-Ausgleich bei einer Reise bei jedem Anbieter gleich in den Ticketpreis mit eingerechnet werde. Das müsse aber die Politik regeln, meint Böther, denn das sei eine verpflichtende Maßnahme.

Wie geht CO2-Kompensation?

Der freiwillige CO2-Ausgleich ist nicht aufwendig. Bei einigen Anbietern kann man gleich beim Ticketkauf über die Fluggesellschaft einen Ausgleich tätigen oder der Käufer wird auf eine entsprechende Seite weitergeleitet.

Dabei wird in einem ersten Schritt berechnet, wie hoch die CO2-Emission ist, die man durch den Flug erzeugt. Dabei kommt es auf die Entfernung an, aber auch auf den Flugzeugtyp und die Sitzplatz-Klasse. Wer Business-Class fliegt, der braucht mehr Platz im Flugzeug und verbraucht so rein rechnerisch auch mehr CO2. Anschließend wird berechnet, wie viel Geld der Fliegende für ein Projekt aufwenden muss, um die errechnete Menge CO2 an anderer Stelle einzusparen.

Wo wird das CO2 eingespart?

Die produzierten Emissionen werden durch das gespendete Geld anderorts wieder eingespart. Da die Industrieländer sich laut dem Kyoto-Protokoll bereits verpflichtet haben, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, findet der Ausgleich meist in Entwicklungsländern oder Schwellenländern statt. Die Projekte sind ganz unterschiedlich.

In Schwellen- und Entwicklungsländern unterstützen die Organisationen verschiedene Projekte, wie zum Beispiel den Bau von Windkraft-, Biogas- oder Solaranlagen oder auch energieeffiziente Kocher. Damit wird der Ausstoß von Kohlenstoffdioxid reduziert oder sogar ganz vermieden.

Außerdem weist Frau Böther darauf hin, dass Klimaschutzprojekte mehr sein können, als der reine CO2-Ausgleich: "Bei einigen Projekten gibt es einen Zusatznutzen: Das kann beispielsweise ein Vorteil für die Gesundheit sein oder eine bessere Hygiene. Auch finanziell helfen einige Projekte den Betroffenen langfristig."

Wenn einer Familie in einem Entwicklungsland zum Beispiel ein moderner Kocher zur Verfügung gestellt wird, atmen die Betroffenen weniger ungesunde Dämpfe ein und es muss keine Kohle oder kein Holz mehr gekauft werden. Auf solche Faktoren sollte man beim Ausgleich durchaus achten, wenn man nachhaltig ausgleichen möchte.

Bäume pflanzen ist nicht die beliebteste Methode

Ein anderer Anbieter investiert die Spenden in Wiederaufforstung und das Anpflanzen von Bäumen. Stefanie Böther kann verstehen, warum die Vorstellung des CO2-Ausgleichs durch das Anbauen von Bäumen so beliebt ist. "Das ist greifbar und jeder kann sich etwas darunter vorstellen." Bäume zu pflanzen ist allerdings nicht mehr die gängigste Methode, denn hierbei müssen sehr viele Faktoren bedacht werden - und auch Kritik wurde laut.

So wurden teilweise Landbesitzer enteignet, damit man auf ihrem Grund Bäume pflanzen konnte. Zudem wurden bei der Wiederaufforstung in Teilen Monokulturen angepflanzt. Der Einfluss der neu gepflanzten Bäume auf den Boden, die Erosionsgefahr und die Auswirkungen auf das Grundwasser sind nicht zu unterschätzen. Zudem müssen ein möglicher Schädlingsbefall oder auch Faktoren wie Waldbrände mit eingerechnet werden. Kleine Setzlinge können zudem noch nicht so viel CO2 speichern.

Wie entstehen die unterschiedlichen Preise

Je nachdem, bei welchem Anbieter der Reisende seinen freiwilligen CO2-Ausgleich tätigen möchte, erhält man teilweise sehr unterschiedliche Preise. Das liegt an den Projekten, die unterstützt werden und dem Verwaltungsaufwand. Auch die Datengrundlage – ob z.B. Zwischenlandungen mit eingerechnet werden – spielt bei der Berechnung eine Rolle.

Welchem Anbieter kann man vertrauen?

"Nur ein transparenter Anbieter ist auch ein guter Anbieter", rät Böther. Wer seinen Verbrauch ermitteln möchte, ohne sofort zu spenden, kann den Rechner des Umweltbundesamtes nutzen. Hier können neben Flugreisen auch die CO2-Auswirkungen von Strom, Mobilität, Ernährung und Lebensstil berechnet werden - inklusive Tipps, wie in diesen Bereichen CO2 eingespart werden kann.

Stiftung Warentest hat außerdem sechs verschiedene Anbieter unter die Lupe genommen, die den CO2-Ausstoß von Flugreisen kompensieren. Als Testsieger ging dabei Atmosfair hervor. Mit der Note "sehr gut" in der Qualität der Kompensation, der Transparenz und der Leitung und Kontrolle.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Stefanie Böther vom Umweltbundesamt
  • Stiftung Warentest: Diese Anbieter tun am meisten für den Klimaschutz
  • Umweltbundesamt: Kompensation von Treibhausgasemissionen
  • Umweltbundesamt Deutsche Emissionshandelsstelle: Freiwillige Kompensation
  • Statistisches Bundesamt: Kohlendioxidemissionen im Verkehr gegenüber 1990 gestiegen
  • Eidgenössisches Department für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation – Bundesamt für Zivilluftfahrt BAZL: Was bei Triebwerken hinten herauskommt
  • Verbraucherzentrale Bayern: Klimabewusst unterwegs – Verkehrsmittel im Umwelt-, Zeit und Kostenvergleich
  • dpa: Easyjet will Kerosinverbrauch ausgleichen – Moderates Wachstum