Bald weihnachtet es, der Tannenbaum hält Einzug in unsere Wohnzimmer, fleißig wird mit Zapfen dekoriert. Wer aber meint, es mit "Tannenzapfen" zu tun zu haben, der irrt. Das lernen Kinder schon in der Grundschule: Sie können eine Tanne auch von Fichte, Kiefer und Lärche unterscheiden - im Gegensatz zu den meisten Erwachsenen.

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Wer ihre Schuppen grün anmalt, kann sie in kleine Tannenbäume verwandeln, aufgehängt machen sie sich super als Weihnachtsdekoration und auch für stilvolle Türkränze können sie dienen. Sie haben an Tannenzapfen gedacht? Falsch!

Denn mit ziemlicher Sicherheit lässt sich sagen: Einen Tannenzapfen haben Sie überhaupt noch gar nicht gesammelt. Denn die Zapfen der Tanne fallen nie als Ganzes vom Baum, nur ihre Samen und Schuppen segeln hinab. Das, was schon ab Ende Juli auf dem Waldboden gefunden werden kann und nun als vielfältiges Bastelutensil einsetzbar ist, sind hingegen meist die Zapfen von Fichte, Kiefer oder Lärche.

Fichte (oben links), Lärche (oben rechts), Tanne (unten links, Besonderheit: die Zapfen wachsen nach oben) Kiefer (unten rechts). © imago images/H. Tschanz-Hofmann/H.Tschanz-Hofmann via www.imago-images.de

Bildungslücke heimische Nadelbäume

Nicht gewusst? Dann könnten Sie bei einem Waldspaziergang mit einem Grundschulkind ganz schön blass aussehen – zumindest, wenn der Knirps im Sachkundeunterricht aufgepasst hat. Dort stehen nämlich mehrheitlich schon in den ersten beiden Schuljahren die heimischen Laub- und Nadelbäume auf dem Lehrplan.

Mit Wissen über Fichte, Kiefer, Lärche und Tanne kann der Naseweis dann selbst Erwachsene ganz schön in die Tasche stecken. Zeit, das Wissen im Dschungel der Nadelbäume ein wenig aufzufrischen. Ein paar einfache Fragen helfen dabei, den Nadelbaum schnell zu identifizieren.

Hinweis Nummer 1: Stehen oder hängen die Zapfen?

Tannenzapfen stehen aufrecht wie eine Kerze. Als Ganzes fallen sie nie vom Baum, es lösen sich nur die Schuppen von der Spindel. Die wiederum bleibt am Ast stehen. Anders bei Fichte, Kiefer und Lärche: Ihre Zapfen hängen vom Baum oder stehen waagerecht ab.

Bevor sie als Ganzes vom Baum fallen, öffnen die Zapfen am Baum ihre Schuppen, damit der geflügelte Samen herausfallen kann. Streng genommen spricht man bei den typischen verholzten Zapfen stets von weiblichen Zapfen. Die männlichen Blüten sind hingegen einfacher gebaut und verholzen nicht.

Hinweis Nummer 2: Welche Form haben die Zapfen?

Stehen die Zapfen, ist die Tanne bereits ausgemacht. Um aber Kiefer, Lärche und Fichte zu unterscheiden, lohnt ein genauerer Blick auf ihre Zapfenform: Fichtenzapfen ähneln denen der Tanne, sind also etwa zehn bis 16 Zentimeter lang und länglich geformt.

Tannenzapfen wachsen an der Spitze einer Nordmann-Tanne. © imago/Jochen Tack/imago stock&people

Kiefernzapfen sind kleiner und eiförmig, ihre Schuppen haben die Form von kleinen Rauten und sind etwas nach hinten gebogen. Noch kleiner sind mit zwei bis sechs Zentimetern die kleinen rundlichen Zapfen von Lärchen.

Hinweis Nummer 3: Was verraten die Nadeln?

Anstelle der Zapfen geben auch die Nadeln von Tanne und Co wichtige Hinweise. Sie unterscheiden sich in Länge, Farbe, Form und Anordnung. Die Nadeln von Fichte und Tanne sind beide etwa zwei Zentimeter lang, Tannennadeln sind jedoch stumpf und haben weiße Streifen auf der Unterseite. Fichtennadeln sind hingegen spitz. Sogar mit geschlossenen Augen kann man in Sachen Baumbestimmung weiterkommen: Wer die Nadeln vom Ast entfernt, kann bei der Tanne einen glatten Ast fühlen, bei der Fichte einen rauen.

Fichte, Tannenzapfen
Wenn wir im Wald "Tannenzapfen" sammeln, stammen sie meist von der Fichte. Im Bild: Eine Gemeine Fichte ind Mecklenburg-Vorpommern © imago/blickwinkel/H. Duty

Die Nadeln der Lärche sind mit etwa 3,5 Zentimetern etwas länger, allerdings auffällig weich. Als einziger heimischer Nadelbaum verliert die Lärche vor dem Winter ihre Nadeln – schon im Herbst werden sie ganz gelb. Die Nadeln der Kiefer unterscheiden sich am deutlichsten: Sie sind sechs bis zehn Zentimeter lang und wachsen paarweise.

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Hinweis Nummer 4: Wie sieht die Rinde aus?

Wer kein Lineal zum Ausmessen der Nadeln dabei hat und keine Zapfen mehr finden kann, dem hilft immer noch die Baumrinde weiter. Bei der Tanne ist sie hellgrau und glatt, ist der Baum älter als 40 Jahre alt, finden sich zudem Längsrisse. Die Kiefer zeigt sich meist in einer orange- bis rotbraunen Farbe, ihre Rinde fällt schollenartig ab. Vor allem ältere Bäume sind deutlich zweifarbig. Die Nase kann den richtigen Riecher geben: Das Harz der Kiefer leuchtet goldgelb und riecht würzig.

Die Rinde der Fichte ist deutlich feinschuppiger. Je nach Alter des Baumes ist sie rötlich-braun oder graubraun. Auch bei der Lärche verändert sich die Farbe der Rinde im Laufe der Zeit: Von grün- bis graubraun zu grau-braun mit rotbraunen Furchen.

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Fakten zum Beeindrucken

Zum Schluss noch ein Fakt, bei dem Sie vielleicht selbst bei dem I-Dötzchen [so werden im Rheinland Schulanfänger genannt, Anm. d. Red.] glänzen können: Einer der ältesten Bäume der Welt ist eine 9.500 Jahre alte Fichte, die in der kargen Fulufjället-Hochebene in Schweden steht. Generell sind Nadelbäume langlebig: In den kalifornischen White Mountains findet sich eine über 5.000 Jahre alte Kiefer.

Reichen auch diese Fakten nicht, helfen wohl nur noch Apps wie "PlantNet", "Flora Incognita" oder "PictureThis Pflanzen Bestimmen" weiter. Mithilfe selbst aufgenommener Fotos identifiziert die App den Baum in wenigen Minuten. Schöner ist im Wald trotzdem: Handy aus, Zapfen sammeln, Rinde ertasten, Nadeln anfassen und Harz schnuppern.

Verwendete Quelle:

  • Natur-Verlag Wawra: Wissenswertes über Nadelbäume
Hinweis: Dies ist ein Artikel aus unserem Archiv.
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