Das Regime Islamischer Staat tötet jeden, der nicht zum Islam konvertiert. Dabei ist die Christenverfolgung mitnichten ein einmaliges Phänomen. Alle fünf Minuten muss ein Christ sterben, weil er Christ ist.

Es ist erst wenige Monate her, dass Joseph* ein Trainingsprogramm für den pastoralen Dienst absolviert hat. Damals ahnte er noch nicht, wie schnell er das Erlernte benötigen würde, um den Christen in seinem Land Trost und Stärke zu vermitteln.

Bevor die Kämpfer der IS auf dem Vormarsch waren, lebte der gläubige Christ in einem kleinen Dorf im Irak. Als er fliehen musste, nahm er nur seinen Pass, ein Mobiltelefon und seinen Laptop – in dem Gedanken, schon bald zurückkehren zu können.

Seit Tagen versuchen die IS-Extremisten, die kurdische Stadt Kobane in Nordsyrien einzunehmen. Das internationale Bündnis versucht, die Dschihadisten zu stoppen. Auch die Türkei rüstet sich zum Kampf.

Josephs Familie lebt im Ausland und auch für ihn wäre dies wohl eine naheliegende Lösung gewesen. Doch der junge Mann entschied sich, im Irak zu bleiben. Zusammen mit der restlichen Dorfbevölkerung harrt er in dem kurdischen Gebiet aus, in das sie geflohen sind, und widmet sich der Verteilung von Hilfsgütern und den teils schwer traumatisierten Kindern. "Wie könnte ich die Menschen hier jetzt allein lassen?", sagt er überzeugt.

100 Millionen verfolgte Christen in 50 Ländern

Seit Monaten macht die Terrormiliz Islamischer Staat systematisch Jagd auf Andersgläubige – wer nicht zum Islam übertritt, wird getötet. "Ihr habt drei Möglichkeiten: den Islam annehmen, einen Vertrag als Dhimmis (Menschen mit eingeschränktem Rechtsstatus) oder das Schwert", so lautet eine belegte Aussage der IS.

Ganz plötzlich ist die Christenverfolgung in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerückt, dabei ist sie mitnichten ein regionales oder gar temporäres Phänomen. Laut der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wird weltweit alle fünf Minuten ein Christ aufgrund seines Glaubens getötet. Der Verein Open Doors, der sich für verfolgte Christen einsetzt, schätzt, dass derzeit rund 100 Millionen Christen in 50 Ländern von Verfolgung und Diskriminierung betroffen sind.

Und die Liste der Länder ist lang: Somalia, Syrien, Irak, Afghanistan, Pakistan, Jemen ... Die 50 am stärksten betroffenen Staaten veröffentlicht der Verein jährlich im Weltverfolgungsindex. Und der zeigt: Neun der zehn führenden Länder sind muslimisch.

Großmufti forderte Zerstörung aller christlichen Kirchen

Beispielhaft führt der Report auf, wie das Leben der Christen in den einzelnen Ländern durch Gewalt und Bedrohung beeinflusst ist. So stehe im Sudan und im Iran auf den Übertritt vom Islam zum Christentum Todesstrafe. In Saudi-Arabien hat der Großmufti vor einer Weile die Zerstörung aller christlichen Kirchen gefordert. In Nordkorea reicht der bloße Besitz einer Bibel für die Deportation in eines der Umerziehungslager, in denen massenhaft Genozid betrieben wird. Und in Teilen Nigerias und Somalias gilt es nicht einmal als Kavaliersdelikt, einen Christen zu erschlagen. Mehr noch: Handelt es sich gar um einen zum Christentum konvertierten Muslim, so habe man geradezu die Pflicht, ihn zu erschlagen.

Open Doors gibt an, in den vergangenen Jahren zunehmend beobachtet zu haben, dass sich die Verfolgung von Christen von staatlicher Seite immer mehr auf die private Ebene der Nachbarn und Dorfgemeinschaften verlagert habe. "Auch dieses Phänomen ist als Verfolgung zu verstehen, da es für die Opfer keinen Unterschied macht, wer sie verfolgt", äußert sich der Verein. Dazu komme, dass in diesen Fällen ein christenfeindlich eingestellter Staat regelmäßig nicht interveniere – weder mit polizeilichem oder militärischem Eingreifen noch mit einer späteren Untersuchung der Verantwortlichkeit.

Joseph geht derweil im Irak unbeirrt seiner Berufung nach. Selbst als der Bischof, der ihn zum Priesteramt ermutigt hatte, wie so viele andere Geistliche ermordet wurde, ließ sich der junge Mann von seiner Mission nicht abbringen. "Ich beschäftige mich nicht so sehr mit den Risiken, sondern tue einfach das, wozu ich berufen bin", sagt er. Und fügt hinzu: "Das Vertrauen in Gott und Gebet helfen mir, dass ich in diesen unruhigen Tagen nach vorne schauen kann."

*Name von der Redaktion geändert