Schockanruf: So erkennen Sie Vishing-Anrufe

Am Telefon klingt alles echt: die aufgeregte Enkelin, der besorgte Polizist, sogar die Stimme des eigenen Sohnes. Genau das nutzen Betrüger beim Voice Phishing aus. Wir zeigen die typischen Maschen und wie Sie sich und Ihre Angehörigen schützen.
Kieran Werkstudent
 Von Kieran – Lesedauer 3 Min.



Darauf sollten Sie achten ...

"Voice Phishing", kurz Vishing, ist Phishing per Telefon. Die Täter geben sich als Bank, Support-Mitarbeiter, Polizei oder Angehörige aus. Ihr Ziel: Sie sollen Zugangsdaten, TANs oder Geld herausgeben.

Wichtig! Fordert ein unerwarteter Anrufer Daten, Codes oder Geld, legen Sie am besten gleich auf. Suchen Sie anschließend eigenständig die offizielle Telefonnummer der Stelle heraus und rufen Sie über diese zurück.

Voice Phishing: So läuft die Masche ab

Beim Voice Phishing setzen die Betrüger statt einer gefälschten E-Mail oder SMS auf ihre Stimme. Zunächst geben sie sich als vertrauenswürdige Stelle aus. Dann erzeugen sie Druck, beispielsweise mit einer angeblich verdächtigen Abbuchung oder einem gesperrten Konto. Zum Schluss verlangen sie eine Handlung: eine TAN nennen, eine Zahlung in der Banking-App freigeben, eine Fernwartungs-App installieren oder Geld überweisen. Mit dem erbeuteten Code oder Zugang räumen sie anschließend Konten leer oder kaufen auf Ihre Kosten ein.

Eine besorgt wirkende Frau telefoniert mit einem Smartphone und hält sich mit der anderen Hand die Schläfe. Das Bild symbolisiert Stress und mögliche Betrugsversuche durch Telefonanrufe (Vishing).
Vishing erkennen: Wenn betrügerische Anrufe unter Druck setzen.

Gefälschter Bankanruf und andere typische Maschen

Angeblicher Bankmitarbeiter:

Er meldet eine ungewöhnliche Abbuchung und braucht "zur Sicherheit" eine TAN oder Ihre Freigabe in der App. Tatsächlich bestätigen Sie damit eine Zahlung der Betrüger.

Falscher Support: Ein angeblicher Techniker meldet ein Sicherheitsproblem auf Ihrem Computer. Um es zu "beheben", will er per Fernzugriff auf Ihr Gerät.

Falsche Polizei: Die Täter behaupten, Ihr Konto oder Ihre Identität werde missbraucht, und verlangen Daten oder Geld. Die echte Polizei ruft übrigens nie unter der 110 an.

Angehörige in Not: Beim Schockanruf übernimmt oft ein angeblicher Polizist oder Anwalt und verlangt eine Kaution. Geld oder Wertsachen soll ein Bote an der Haustür abholen.

Daran erkennen Sie einen Fake-Anruf

  • Der Anruf kommt überraschend und setzt Sie unter Zeitdruck.
  • Es wird mit Kontosperrung, Strafen oder anderen Folgen gedroht.
  • Der Anrufer will Ihre TAN, PIN oder Ihr Passwort wissen.
  • Sie sollen Software installieren oder Fernzugriff erlauben.
  • Sie sollen Geld überweisen, Wertsachen an einen Boten übergeben oder eine Nummer zurückrufen, die der Anrufer Ihnen nennt.

Auch eine vertraute Nummer im Display ist kein Beweis. Mit Call-ID-Spoofing können Betrüger fast jede Rufnummer anzeigen lassen, sogar die Ihrer Bank.

Bitte beachten Sie: Ihre Bank wird Sie niemals telefonisch nach Ihrer TAN, PIN oder Ihrem Passwort fragen. Auch Behörden und seriöse Unternehmen werden Sie niemals auffordern, vertrauliche Zugangsdaten oder andere sensible Informationen preiszugeben. Geben Sie solche Daten niemals weiter, auch dann nicht, wenn der Anruf seriös erscheint.

Betrug mit KI-Stimme: Wenn der Anrufer vertraut klingt

Wie bei Phishing-Mails setzen Betrüger auch am Telefon auf KI, um Stimmen täuschend echt nachahmen. Laut BSI reichten für eine Demonstration rund zehn Minuten Audiomaterial aus öffentlichen Videos. Klingt der Anrufer wie Ihr Sohn oder Ihre Chefin, heißt das also nicht mehr zwingend, dass die Person wirklich am Apparat ist.

Tipp: Vereinbaren Sie in der Familie ein Codewort für echte Notfälle. Bei ungewöhnlichen Geldbitten rufen Sie die Person am besten unter der Nummer zurück, die Sie von ihr kennen.

Richtig reagieren: Auflegen, prüfen, zurückrufen

Der wirksamste Schutz vor Vishing ist simpel:

  • Geben Sie am Telefon keine TAN, PIN, Passwörter oder Sicherheitscodes heraus.
  • Bestätigen Sie keine Zahlung und installieren Sie keine Software, nur weil ein angeblicher Sicherheitsexperte Ihnen dies am Telefon empfiehlt.
  • Legen Sie auf, auch wenn der Anrufer drängt.
  • Rufen Sie die Stelle unter ihrer offiziellen Nummer an, etwa der von Ihrer Bankkarte. Nutzen Sie nicht die Nummer aus dem Display oder die, die Ihnen der Anrufer nennt.

Haben Sie den Verdacht, dass es sich um Betrug handelt, notieren Sie Uhrzeit, Nummer und Inhalt des Gesprächs und wenden Sie sich an die Polizei.

Schon Daten verraten? Das ist jetzt zu tun

  • TAN oder Bankdaten: Informieren Sie sofort Ihre Bank und prüfen Sie Ihre Kontobewegungen. Karten und Online-Banking lassen sich auch über den Sperr-Notruf 116 116 sperren.
  • Passwort: Ändern Sie es umgehend direkt beim echten Dienst und überall dort, wo Sie es ebenfalls nutzen. Aktivieren Sie zusätzlich die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Ist Ihr WEB.DE Postfach betroffen, hilft Ihnen unser Ratgeber "Postfach gehackt?" weiter.
  • Software oder Fernzugriff: Trennen Sie das Gerät vom Internet und entfernen Sie mögliche Malware. Ändern Sie Ihre Passwörter danach von einem anderen Gerät aus.

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