Rund 10.000 Menschen warten in Deutschland derzeit auf ein Organ. Daran erinnert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Wer einen Organspendeausweis bei sich trägt, kann bis zu sieben Menschenleben retten. Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

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Sie haben einen Organspendeausweis? Dann gehören Sie zu den 36 Prozent der Bevölkerung, die sich aktiv dafür entschieden haben, nach dem eigenen Tod Organe zu spenden. Der Anteil steigt, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln vor wenigen Tagen unter Berufung auf eine neue Umfrage mitteilte.

Dennoch warten derzeit mehr als 10.000 Menschen auf ein Organ. 2017 haben nur 797 Menschen Organe gespendet, was einen Rückgang bedeutet.

Woran liegt das? Wo bekommt man den Ausweis? Kann man festlegen, welche Organe entnommen werden dürfen? Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen von der BZgA für Sie eingeholt.

Wie ist aktuell die Spendersituation in Deutschland?

Im Jahr 2017 haben bundesweit 797 Menschen ihre Organe nach dem Tod gespendet.

Wie viele Organe werden derzeit benötigt?

In Deutschland befinden sich 10.107 Patienten aktiv auf der Warteliste (Stand: 01.01.2018, Quelle: Eurotransplant).

Wieso ging die Zahl der Organspenden 2017 zurück?

Die positive Haltung der Menschen in Deutschland zur Organ- und Gewebespende ist generell sehr hoch. So stehen gemäß der aktuellen Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) 84 Prozent der Befragten dem Thema Organ- und Gewebespende positiv gegenüber.

Die geringe Zahl an Organspendern ist demnach nicht auf mangelnde Spendenbereitschaft zurückführen. Vielmehr sehen die an den Abläufen von Organspenden Beteiligten strukturelle Rahmenbedingungen unter anderem in den Kliniken und bei den Transplantationsbeauftragten als unzureichend an.

Wie lange warten Patienten auf ein Organ?

Die Wartezeiten auf ein Spenderorgan variieren je nach Organ. Darüber hinaus wirken sich unter anderem Alter und Blutgruppe der Empfänger auf die Wartezeit aus. Derzeit warten Patienten durchschnittlich sechs Jahre auf eine Spenderniere.

Wie ist Organspende in Deutschland gesetzlich geregelt?

In Deutschland ist sowohl die postmortale Organ- und Gewebespende als auch die Lebendorganspende durch das Transplantationsgesetz (TPG) geregelt.

Die sogenannte Entscheidungslösung sieht vor, dass jeder eine informierte und unabhängige Entscheidung zur Organspende treffen können soll. Der Grundsatz der Freiwilligkeit bleibt erhalten.

Um in Deutschland nach dem Tod Organe und Gewebe spenden zu können, muss eine schriftliche oder mündliche Zustimmung der verstorbenen Person vorliegen. Diese persönliche Entscheidung kann auf dem Organspendeausweis oder in einer Patientenverfügung festgehalten werden.

Liegt keine schriftliche Entscheidung vor, werden die Angehörigen befragt, nach dem mutmaßlichen Willen der verstorbenen Person zu entscheiden.

Was geschieht mit meinen Organen, sollte ich in einem anderen Land tödlich verunglücken?

Bei Todesfällen im Ausland gilt generell die gesetzliche Regelung zur Organspende des jeweiligen Aufenthaltsortes. Wer etwa in Österreich ums Leben kommt, ist automatisch Organspender. In Österreich gilt im Gegensatz zu Deutschland die sogenannte Widerspruchslösung.

Im Todesfall werden in der Regel die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen der verstorbenen Person befragt. Um sicherzustellen, dass der Wille der verstorbenen Person auch im Ausland befolgt wird, stellt die BZgA unter https://www.organspende-info.de/organspendeausweis/bestellen fremdsprachige Ausweise bereit.

Gespendete Organe 2017 sowie Veränderung gegenüber Vorjahr.

Wie viele Menschenleben kann ich als Organspender retten?

Ein Organspender kann mit seinen Organen bis zu sieben Menschen das Leben retten.

Welche Organe kann ich spenden?

Folgende Organe und Gewebe können gespendet werden: Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicheldrüse, Darm und Teile der Haut sowie Hornhaut der Augen, Herzklappen und Teile der Blutgefäße, des Knochengewebes, des Knorpelgewebes und der Sehnen (Gewebe).

Eine Organspende hat bei Transplantationen immer Vorrang vor einer Gewebespende.

Kann ich meine Entscheidung rückgängig machen?

Jederzeit. Dazu muss ein neuer Organspendeausweis ausgefüllt und der alte vernichtet werden.

Es ist wichtig, nächste Angehörige und andere nahestehende Menschen über die getroffene Entscheidung ebenso wie über eine Änderung der Entscheidung zu informieren. Insbesondere bei einer Änderung der Entscheidung kann dies Missverständnissen vorbeugen.

Ich habe einen Organspendeausweis. Was muss eingetreten sein, damit meine Organe entnommen werden?

Liegt die Zustimmung für eine Organentnahme vor, müssen zwei Fachärzte unabhängig voneinander den unumkehrbaren Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) zweifelsfrei festgestellt haben. Dies geschieht exakt nach den vorgegebenen Richtlinien der Bundesärztekammer.

Hirntod bedeutet: Ausfall der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms. Diese Feststellung ist nur bei künstlicher Beatmung und Aufrechterhaltung des Herz-Kreislauf-Systems auf der Intensivstation eines Krankenhauses möglich.

Wie erfolgreich sind Transplantationen?

Organtransplantationen haben sehr gute Erfolgsaussichten. Diese sind unter anderem von der Organqualität sowie des gesundheitlichen Zustands der Empfänger abhängig.

Nach einem Jahr sind bis zu 88 Prozent der gespendeten Nieren noch funktionstüchtig, nach fünf Jahren sind es noch etwa 75 Prozent.

Bin ich schon zu alt, um Organspender zu sein?

Für eine Organspende gibt es keine Altersgrenze. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern der Zustand des Organs. Auch die funktionstüchtige Niere eines 65-jährigen Verstorbenen kann einem Dialysepatienten wieder ein fast normales Leben schenken.

Ob gespendete Organe für eine Transplantation geeignet sind, kann erst im Fall einer tatsächlichen Spende medizinisch geprüft werden. Nur wenige Erkrankungen zu Lebzeiten schließen eine Organ- und Gewebespende aus.

Muss ich befürchten, dass nicht alles getan wird, um mein Leben zu retten?

Ziel aller medizinischen Maßnahmen ist, das Leben des Patienten zu retten. Eine mögliche Spendenbereitschaft spielt dabei keine Rolle, Ärzte sind dem Wohl der Patienten verpflichtet.

Und: Eine Organ- und Gewebespende wird nur dann zum Thema, wenn bei einem Patienten im Rahmen der üblichen intensivmedizinischen Versorgung alles medizinisch Mögliche versucht wurde, um das Leben zu retten, das Gehirn aber so schwer geschädigt ist, dass der unumkehrbare Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) eintritt.

Die Spende, Entnahme und Übertragung von Organen und Geweben sind seit 1997 streng durch das Transplantationsgesetz geregelt, um Missbrauch zu vermeiden.

So dürfen beispielsweise die beiden Ärzte, die den unumkehrbaren Ausfall der gesamten Hirnfunktionen (Hirntod) diagnostiziert haben, weder an der Organentnahme noch an der Transplantation beteiligt sein.

Können Angehörige auch nach einer Organentnahme Abschied nehmen?

Die Entnahme von Spenderorganen läuft wie eine Operation ab. Im Transplantationsgesetz ist verankert, dass dabei die Würde der Person gewahrt wird.

Nach der Entnahme werden die Wunden verschlossen, der Körper wird gereinigt. Die Angehörigen können in jeder gewünschten Weise Abschied von dem verstorbenen Menschen nehmen.

Der Leichnam kann aufgebahrt werden und die Bestattung wie gewünscht stattfinden.

Kann ich bestimmen, wer mein Organ bekommt?

Die Stiftung Eurotransplant entscheidet bei einer Spende nach dem Tod zentral und computergesteuert über die Zuteilung von Organen in acht europäischen Ländern (Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Slowenien, Kroatien, Ungarn).

Dabei spielen vor allem medizinische Gesichtspunkte eine Rolle: Die Daten des Spenders - etwa Blutgruppe, Alter, Gewicht - werden mit denen möglicher Empfänger abgeglichen, damit das Organ später nicht abgestoßen wird. Doch auch ethische Gesichtspunkte wie Dringlichkeit und Erfolgsaussicht spielen eine Rolle.

Erfahren meine Angehörigen, wer mein Organ bekommen hat?

Angehörige von Organspendern erfahren nicht, wer die gespendeten Organe erhalten hat. Auch die Empfänger erfahren nicht, wer ihnen durch eine Organspende das Leben gerettet hat. Dies soll wechselseitige Abhängigkeiten verhindern, die für alle Beteiligten sehr belastend sein können.

Kann ich schon zu Lebzeiten ein Organ spenden?

Das Transplantationsgesetz erlaubt die Lebendspende von Organen - meist handelt es sich um eine Niere - nur unter nahen Verwandten und Personen, die in besonderer persönlicher Verbundenheit zueinander stehen.

Bestimmte Organe oder Gewebe dürfen in Deutschland - unter rechtlich eng gefassten Bestimmungen - schon vor dem Tod gespendet werden. Die strengen Regelungen dienen dem Schutz der spendenden Person und verhindern einen möglichen Organhandel.

Wo bekomme ich den Ausweis?

Einen Organspendeausweis ist kostenfrei bei der BZgA unter www.organspende-info.de/organspendeausweis verfügbar. Auch Krankenkassen, Apotheken, Krankenhäuser, Einwohnermeldeämter und Arztpraxen stellen den Organspendeausweis zur Verfügung.

Auf dem Ausweis kann vermerkt werden, ob einer Entnahme uneingeschränkt oder nur der Entnahme bestimmter Organe zugestimmt wird. Auch kann auf dem Organspendeausweis eine Person benannt werden, die stellvertretend die Entscheidung treffen soll..

Unter der kostenlosen Rufnummer 0800 90 40 400 beantwortet das Team des "Infotelefon Organspende" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung montags bis freitags von 9:00 bis 18:00 Uhr Fragen rund um das Thema Organspende. E-Mail-Kontakt infotelefon@organspende.de