Eine vegane und vegetarische Lebensweise wird durch die gemüse- und obstreiche Ernährung zwar als gesund angesehen, kann aber auch ihre Tücken haben. Erst recht, wenn stark verarbeitete Lebensmittel wie Sojafleisch oder Seitan auf den Tisch kommen. Eine Expertin erklärt, warum es besser ist, bei veganen und vegetarischen Fertigprodukten zurückhaltender zu sein.

Ab Oktober gibt es den ersten Bachlor-Studiengang für Veganer.

Ob vegetarisches Schnitzel, vegane Leberwurst oder fleischfreie Frikadelle - neben herkömmlicher Wurst und Salami finden sich in den Kühlregalen der Supermärkte längst Unmengen an Alternativen für Veganer und Vegetarier.

Finger weg von Fertigprodukten

Seit 2008 wächst dieser Bereich nach Angaben des Handels jährlich um 30 Prozent. Nicht jeder Veganer oder Vegetarier verzichtet auf Fleisch, weil er den Geschmack nicht mag. Viele lassen tierische Produkte aus ethischen Gründen weg und vermissen gelegentlich den Geschmack eines Schnitzels oder einer Bolognese-Soße. Da kommen die veganen Produkte gerade recht.

Doch Vorsicht ist geboten. "Nicht alle Produkte, die für eine vegetarische oder vegane Ernährung angeboten werden, sind wirklich empfehlenswert oder gesünder", warnt die Verbraucherzentrale.

"Diese Lebensmittel sind oftmals sehr stark verarbeitet. Da es darum geht, ein anderes Lebensmittel zu imitieren, werden Zusatz- und Aromastoffe eingesetzt", erklärt Ernährungsexpertin Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern. Wie bei allen industriell hergestellten Lebensmitteln empfiehlt sie daher, einen genaueren Blick auf die Zutatenliste zu werfen.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät in ihrem aktuellen Positionspapier zur veganen Ernährung von veganen Fertig- und Ersatzprodukten bis hin zu Wurst- und Käseimitaten ab.

Diese seien zum Teil hoch verarbeitete, mit vielen Zusatzstoffen und zugesetztem Zucker, Fett und Salz versehene Produkte. Ihr ernährungsphysiologischer Wert sei zum Teil ungünstig, heißt es seitens der DGE.

Image entspricht nicht dem Inhalt

Vegane Produkte haben oft einen besseren Ruf als sie verdienen.

"Viele dieser Lebensmittel sind sehr fettreich oder salzhaltig und entsprechen nicht den Grundsätzen einer ausgewogenen Ernährung", erklärt Daniela Krehl. "Da muss man sich fragen, ob ein veganes Schnitzel wirklich gesünder ist als das Original." Doch genau dieses Image des gesunden Lebensmittels will die Industrie vermitteln.

Die Produkte kommen in grünen Verpackungen daher. Die Werbung propagiert eine besonders gesunde Lebensweise. Da greifen längst nicht nur Veganer zu.

Auch sogenannte "Flexitarier", Menschen die bewusst zum Teil auf Fleisch verzichten, wollen mit den veganen Lebensmitteln für Abwechslung auf ihrem Speiseplan sorgen oder etwas für ihre Gesundheit tun. Dass das gar nicht der Fall ist, ist vielen nicht bewusst.

Die Ernährungsexpertin nennt ein Beispiel: Als vor einigen Jahren das Thema Analogkäse aufkam und bekannt wurde, dass es sich um ein synthetisch hergestelltes Billigprodukte handelt, fühlten sich die Menschen betrogen und regten sich furchtbar auf.

Jetzt wird das gleiche Lebensmittel als veganes Ersatzprodukt für den fünffachen Preis angeboten. Der "grüne Anstrich" macht es möglich. Die Ernährungsberaterin empfiehlt den Verbrauchern daher, stets kritisch zu bleiben und die Zutatenlisten genau zu studieren.

Unbedingt ausgewogen ernähren

Mögliche Folgen und Risiken einer veganen Ernährungsweise.

Sind vegane Lebensmittel vielleicht sogar besonders gesundheitsschädlich? Können die stark verarbeiteten Lebensmittel am Ende sogar Krebs auslösen? Eine pauschale Antwort gibt es darauf nicht. "Grundsätzlich durchlaufen die Zusatzstoffe Zulassungsverfahren", weiß Expertin Krehl. Lebensmittel, die gesundheitsgefährdend seien, dürften daher nicht auf den Markt.

Nimmt aber jemand die stark verarbeiteten Produkte in hohen Mengen zu sich, kann das sehr wohl schädlich sein und zum Beispiel Allergien auslösen. Das wäre bei tierischen Produkten allerdings nicht anders. "Am Ende kommt es auf die gesamte Lebensweise an", betont die Ernährungsexpertin.

Gefahr eines Nährstoffdefizits

Grundsätzlich steht einer vegetarischen oder veganen Lebensweise nichts im Weg. Im Gegenteil. Menschen, die sich bewusst ernähren, öfter zu Obst und Gemüse greifen, beugen Krankheiten wie Krebs eher vor. Dabei einfach nur das Fleisch oder tierische Produkte wegzulassen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung allerdings nicht. Sonst bestehe die Gefahr eines Nährstoffdefizits.

"Die Zufuhr von Vitaminen und Mineralstoffen, die hauptsächlich in Fleisch, Fisch, Milch und Ei stecken, ist bei veganer Ernährung geringer als bei Ernährungsformen mit tierischen Produkten.

Hochwertiges Protein, langkettige n-3-Fettsäuren, Vitamin D, Riboflavin, Vitamin B12, Calcium, Eisen, Jod, Zink und Selen sind die kritischen Nährstoffe bei veganem Lebenswandel. Ein Mangel an diesen Nährstoffen kann mit erheblichen negativen Folgen für die Gesundheit einhergehen", so die DGE.

Die Gesellschaft rät daher, diese Nährstoffe gezielt über bestimmte Lebensmittel und über Nährstoffpräparate zu sich zu nehmen und die eigenen Werte auch regelmäßig beim Hausarzt checken zu lassen, damit es zu keinen Mangelerscheinungen kommt.