Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert seit langem eine Zuckersteuer als Maßnahme gegen ungesunde Ernährung und Fettleibigkeit. Derzeit wird auch in der Bundespolitik kontrovers darüber diskutiert. Wäre eine Zuckersteuer sinnvoll oder doch eher Unsinn? Über das Für und Wider.

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Unter einer Zuckersteuer versteht man in der Regel eine Sonderabgabe, die Lebensmitteln mit einem hohen Zuckergehalt auferlegt wird. Sie kann auf alle zuckerhaltigen Produkte angewendet werden oder auf einzelne Produktgruppen.

Das Bündnis "Ärzte und medizinisches Fachpersonal gegen Fehlernährung" zum Beispiel fordert eine Steuer auf mit Zucker gesüßte Getränke, wie es sie seit April dieses Jahres in Großbritannien gibt.

Softdrink-Produzenten müssen dort rund 20 Cent pro Liter zahlen, wenn das Getränk mehr als 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter enthält, ab 8 Gramm steigt die Abgabe auf 32 Cent. In Deutschland würde die Steuer viele beliebte Limos betreffen, in Cola stecken beispielsweise gut 10 Gramm Zucker pro 100 Milliliter.

In Frankreich gibt es eine solche Steuer schon seit 2012. Außer zuckergesüßten Getränken werden dort auch Softdrinks besteuert, in denen Süßstoffe als Zuckerersatz enthalten sind, so zum Beispiel die "Light"- oder "Zero"-Varianten der Limos.

Warum soll Zucker höher besteuert werden?

Übergewicht ist in Deutschland ein großes Problem. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts ist ein Viertel aller Erwachsenen in Deutschland stark übergewichtig, bei Kindern sind es 15 Prozent. Zucker ist neben Fett und Bewegungsmangel einer der Hauptgründe für Fettleibigkeit.

Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel Diabetes und Herz-Kreislauf-Probleme, verursachen im Gesundheits- und Sozialsystem in Deutschland jedes Jahr hohe Kosten.

Zuckrige Getränke werden für das Übergewicht bei jungen Menschen mitverantwortlich gemacht. Gerade Softdrinks haben außer Zucker kaum Nährstoffe und sättigen nicht; ganz im Gegenteil machen sie sogar Lust auf mehr Zucker.

Welche Auswirkungen hätte eine Zuckersteuer auf die Verbraucher?

In welchem Ausmaß eine mögliche Zuckersteuer die Verbraucher betreffen würde, ist noch unklar. Bislang ist noch nicht einmal geklärt, welche Produkte eine Zuckersteuer in Deutschland betreffen würde.

Außerdem müsste noch entschieden werden, ob die Mehrabgabe direkt bei den Verbrauchern oder bei den Produzenten erhoben wird.

In letzterem Fall kann die Industrie die Mehrkosten entweder an die Verbraucher weitergeben - was den Konsum senken könnte, wenn die Verbraucher reagieren - oder den Zuckeranteil in den Produkten verringern, wenn die Industrie reagiert.

Wie sinnvoll ist eine Zuckersteuer?

Die Wirksamkeit einer Zuckersteuer ist noch nicht umfangreich untersucht. Zwar zeigen Zahlen beispielsweise aus Frankreich, dass der Verkauf von gesüßten Getränken nach Einführung der Zuckersteuer gesunken ist. Ob dadurch die Franzosen nun aber gesünder leben, ist wissenschaftlich noch nicht belegt.

Viele Verbraucher könnten einfach auf andere Süß-Produkte umgestiegen sein. Auch in Großbritannien ist noch nicht bewiesen, dass die Reduzierung des Zuckergehaltes in Limonaden dazu führt, dass die Briten von nun an weniger Süßes zu sich nehmen.

Deswegen sieht Sophie Herr vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) eine mögliche Zuckersteuer in Deutschland mit Vorbehalt.

Bei Softdrinks sei die schnelle Umetikettierung nicht schwer, was zur Befürchtung führt: "Man tut einfach den Zucker raus und den Süßstoff rein. Das kann nicht des Rätsels Lösung sein."

Man wisse zudem, dass es einen gewissen Zusammenhang zwischen "Light"-Getränken und fortbestehendem Übergewicht gebe.

Für die Ernährungsexpertin wäre eine Zuckersteuer zwar ein wirksames Mittel, um Unternehmen zum Handeln zu zwingen, "weil es da tatsächlich mal ans Geld geht". Das alleine reiche aber nicht.

"Nicht ein einzelnes Instrument wird unbedingt die Kehrtwende in der Übergewichtsentwicklung bringen. Das heißt, es kann immer nur ein Instrumentenmix sein", meint die Expertin.

Ein weiteres Instrument könnte beispielsweise eine Ampelkennzeichnung auf der Verpackung sein, die den Fett-, Salz- und Zuckergehalt der Lebensmittel signalisiert.

Auch sollte es den Lebensmittelherstellern verboten sein, Werbung für ungesunde Lebensmittel gezielt auf Kinder zu richten. "Es ist wichtig, Kinder und Jugendliche eine gescheite Art des Konsums entwickeln zu lassen und sie nicht von Anfang an mit Werbebotschaften zu bombardieren", sagt Sophie Herr.

Wofür sollen die Einnahmen aus der Zuckersteuer verwendet werden?

Die Befürworter der Zuckersteuer fordern, mit den Mehreinnahmen eine gesunde Ernährung zu fördern und so dem Übergewicht der Deutschen entgegenzuwirken. Auch Lebensmittelexpertin Herr meint: "Wenn eine Steuer kommt, dann muss damit auf jeden Fall eine finanzielle Entlastung beim Kauf von gesunden Lebensmitteln einhergehen."

Wie wahrscheinlich ist eine Zuckersteuer in Deutschland?

Ernährungsministerin Julia Klöckner hat sich in einem Interview mit der "Bild am Sonntag" deutlich gegen eine Zuckersteuer ausgesprochen. Eine Besteuerung einzelner Inhaltsstoffe könne sie nicht vertreten.

"Dann können sich nur noch bestimmte Kreise solche Lebensmittel leisten, ich finde das nicht gerecht", so Klöckner. Stattdessen setzt die Regierung auf eine "nationale Reduktionsstrategie für Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten".

Diese Reduktion der Stoffe soll aber auf freiwilliger Basis passieren, von Mehrabgaben für Produkte mit hohem Gehalt an Dickmacher ist keine Rede.

Dass in Deutschland eine Zuckersteuer eingeführt wird, ist in nächster Zukunft also unwahrscheinlich.

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