Über Teilen Deutschlands haben wieder heftige Gewitter getobt. In Berlin wurde deswegen der Ausnahmezustand ausgerufen und ein Zeltlager mit rund 120 Kindern musste geräumt werden.

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Über Teilen Deutschlands haben am Freitag heftige Unwetter getobt. In Berlin rief die Feuerwehr den Ausnahmezustand aus, in Niedersachsen wurde ein Zeltlager geräumt und in Thüringen brachten Rettungskräfte vier Menschen nach einem Blitzeinschlag ins Krankenhaus.

Feuerwehr bleibt nicht verschont

Im niedersächsischen Dinklage wurde am Abend bei Starkregen ein Zeltlager evakuiert. Die rund 120 Kinder seien in einer Schule einquartiert worden, sagte der stellvertretende Stadtbrandmeister. In der Stadt habe es in den Abendstunden 16 wasserbedingte Einsätze gegeben. Mehrere Keller liefen voll, auch ein Hotel war betroffen.

Bei einem Blitzeinschlag im Eichsfeld in Thüringen wurden vier Menschen verletzt. Sie kamen am Freitag mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus, wie ein Sprecher der Rettungsleitstelle sagte. Details zu den genauen Umständen des Vorfalls in der Nähe von Leinefelde-Worbis waren noch nicht bekannt.

Die Berliner Feuerwehr rief wegen eines Unwetters den Ausnahmezustand aus. Die Helfer seien am Freitag zu 80 wetterbedingten Einsätzen ausgerückt, hieß es in einer Mitteilung auf Twitter.

Auch die Feuerwehr selbst blieb nicht von den Folgen des Starkregens verschont: "In mehreren Wachgebäuden haben wir Wassereinbrüche zu verzeichnen, die unsere Kräfte beschäftigen", teilte sie auf Twitter mit.

An den Flughäfen Tegel und Schönefeld kam es zu Verzögerungen. Mehrere Autos blieben im teilweise knietiefen Wasser in Berlin-Mitte liegen.

Deutscher Wetterdienst erwartet heftige Unwetter

Zum zweiten Mal in zwei Tagen wurde am Nachmittag das Festivalgelände des Wacken Open Air wegen eines Unwetters geräumt. Nach knapp zwei Stunden durften die Fans wieder auf das sogenannte Infield, also den Bereich, wo die Bühnen und Verkaufsstände stehen. Schon am Mittwoch musste der Teil des Geländes, der zu dem Zeitpunkt bereits geöffnet war, wegen eines Gewitters geräumt werden.

Auch am Samstag kann es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes vor allem im Osten und Südosten noch heftige Gewitter geben. Die Sonne soll sich am häufigsten zwischen Nordsee und Vorpommern sowie in Südbaden zeigen.

Abwasserentsorger fordern unterdessen, Städte besser auf Starkregen vorzubereiten. Teils könnten die Wassermassen nicht mehr in die Kanäle abfließen, sondern rauschten darüber hinweg, sagte der Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Karsten Specht, der Deutschen Presse-Agentur.

Gullys und Kanäle könnten aber nicht überall vergrößert werden. "Unsere Städte sind häufig zu sehr versiegelt", kritisierte er. Es brauche daher mehr Grünflächen wie Parks und mehr Grün auf Dächern und Fassaden. Zu den wichtigsten Strategien gehöre die "sogenannte Schwammstadt", sagte Specht.

Häuser müssen "wasserfest" gemacht werden

Mit dem Klimawandel steigt das Risiko auch für extreme Niederschläge. Der VKU sieht Politik und Stadtplaner in der Pflicht: Es brauche lokale Initiativen, bei denen alle Akteure an einem Tisch säßen, Bund und Länder sollten die Kommunen unterstützen, forderte Specht.

Er appellierte aber auch an Hausbesitzer: "Durch ungesicherte Kellerfenster und -eingänge oder Tiefgarageneinfahrten kann Wasser auch in Gebäude eindringen und zu Sachschäden führen", sagte er. Dagegen helfe, Häuser "wasserfest" zu machen und Kellerräume zum Beispiel mit Rückstauklappen vor Überflutung zu schützen.

Für den Ausbau der Kanalisation fehle manchmal schlicht der Platz, erklärte Specht. "Bau- und Betriebskosten würden die Abwassergebühren zudem explodieren lassen." Mehr Grün- und Wasserflächen in Städten könnten zugleich die Temperaturen durch Verdunstungskühle senken und erhöhten insgesamt die Lebensqualität. (ff/dpa)

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