Der Sommer 2015 bricht sämtliche Hitzerekorde. Es ist zu heiß und viel zu trocken. Die Gluthitze belastet Natur und Mensch zunehmend. Während die Menschen überall in die Freibäder und an die Badeseen strömen, droht der Hardcore-Sommer außer Kontrolle zu geraten.

Schwere Unwetter verwüsten ganze Regionen, die Zahl der Badetoten steigt rasant an, schmelzende Straßen gefährden den Verkehr - die Bahn kämpft gegen verzogene Schienen. So schön ein Hochsommer sein kann - so gravierend sind die Folgen einer lang anhaltenden Trockenheit und Hitze. Der extrem heiße Sommer wirkt sich auf Gesundheit, Landwirtschaft, Natur und Infrastruktur aus.

Der Sommer 2015 ist zu heiß

Hitzetote: Hitzewellen und Temperaturschwankungen gefährden die Gesundheit. Eine Studie des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ergab, dass sich bereits in den Jahren 2000 bis 2010 die Sterblichkeit aufgrund von Herzkrankheiten während Hitzeperioden um 10 bis 15 Prozent erhöht haben. "Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte es zu einer Vervielfachung der hitzebedingten Sterblichkeit aufgrund von Herzkrankheiten kommen", so Dr. Paul Becker, Vizepräsident des DWD.

Badetote: Dieses Jahr starben auffällig viele Menschen bei Badeunfällen. Im Bodensee verunglückten dieses Jahr bereits 22 Menschen tödlich - doppelt so viele wie im Vorjahr. Behörden gehen davon aus, dass viele Badende in zu tiefem Wasser schwimmen und das belastende Wetter unterschätzen. Ein Sprecher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) sagte der Deutschen Presseagentur (dpa): "Wenn es draußen sehr heiß ist, kann es in tieferem Wasser mehr als 20 Grad kälter sein als an der Luft". Dadurch könne der Kreislauf leicht kollabieren und der Mensch ertrinken.

Schwere Unwetter: Sintflutartige Regenfälle, Hagel, Orkanböen, Tornados: Auf Hitzewellen folgen oft heftige Unwetter. Auch einschlagende Blitze, die Brände auslösen sind ein großes Problem. Am Wochenende kam es unter anderen in Baden-Württemberg zu Gewittern mit Starkregen.

Brandbombe entzündete sich wegen Hitze: In Sachsen-Anhalt wurde am Wochenende auf einem Acker eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Bei ihrem Abtransport entflammte sich das enthaltene Brandmittel - vermutlich Phosphor. Bei den Löscharbeiten wurden vier Menschen verletzt.

Probleme beim Zugverkehr: Die Hitze wirkt sich auch auf den Bahnverkehr aus: Die extremen Temperaturen führen dazu, dass sich die Schienen teilweise so verziehen, dass Züge nicht mehr fahren können. Wegen der Wärme können diese Gleise nur nachts repariert werden. Die Folgen sind Verspätungen und Zugausfälle. Am Wochenende waren Schienen rund um Frankfurt von diesem Phänomen betroffen.

Gewässer drohen zu kippen: Das Baden wird in immer mehr Seen verboten, denn giftige Blaualgen vermehren sich diesen Sommer rasant.

Zu hohe Wassertemperaturen führen außerdem zu niedrigem Sauerstoffgehalt im Wasser. Die Folge: Fische ersticken in Bächen, Flüssen und Seen. Im Kreis Ludwigsburg wurden laut "Südwest Presse" in der Nacht auf Montag 150 tote Fische gefunden. Der Sauerstoffgehalt in der Glems bei Markgröningen reduzierte sich kritisch, was das Fischsterben nach sich zog.

Ozonbelastung steigt: Das Umweltbundesamt warnt vor hohen Ozonwerten.

Die Alarmschwelle von 240 Mikrogramm Ozon je Kubikmeter wurde laut "tagesschau.de" am Wochenende in vielen Regionen erreicht. Die Folge können Atemwegsreizungen sein, weswegen anstrengende Tätigkeiten im Freien vermieden werden sollten.

Verkehrschaos durch Hitze: Aufgeplatzte Straßen werden vielerorts zum Problem. Sogenannte "Blow Ups" bremsen den Verkehr aus.

Anderswo schmilzt der Straßenbelag einfach weg. Deswegen werden Autofahrer dazu angehalten, langsamer zu fahren.

Der Sommer 2015 ist zu trocken

Waldbrandgefahr: Die Waldbrandgefahr hat sich fast in ganz Deutschland dramatisch verschärft. Auch auf Wiesen besteht Brandgefahr. Schon ein Funke kann reichen, um solche Flächen zu entzünden. Die Feuerwehr in Kernen berichtet beispielsweise von einem Vorfall, bei dem sich eine trockene Wiese entzündete, nachdem eine Grillstelle nicht vollständig abgelöscht worden war. Vor allem für den Süden und Osten ist die höchste Gefahrenstufe ausgerufen.

Bäume werfen Blätter ab: Vielerorts wirken die Bäume, als wäre es bereits Herbst: Braune Blätter und Laub auf den Straßen sind eine Folge der ungewöhnlichen Trockenheit. Manche versuchen mithilfe von Guerrilla Gardening dagegen anzukämpfen. Doch eigentlich fehlt den Bäumen vor allem eins: Regen.

Die große Dürre: Der DWD ermittelte, dass dem Juli 2015 bereits zwölf Prozent Regen fehlte. Es fielen im Schnitt nur 68 Liter pro Quadratmeter. Besonders betroffen ist demnach ein "breiter Streifen in der Mitte Deutschlands, wo sich die Trockenheit erheblich verschärfte und gebietswese katastrophale Ausmaße erreichte", so der DWD.

Niedriger Wasserstand: Wegen des ausbleibenden Regens sinkt der Wasserstand in vielen Flüssen und Seen. Damit bekommt die Schifffahrt Probleme, denn bei Niedrigwasser können Frachtschiffe nur wenig laden. Vor allem betroffen sind der Mittelrhein und die Elbe. Laut dpa führt die Elbe so wenig Wasser wie seit 51 Jahren nicht mehr. Das Umweltbundesamt schreibt, dass die Schäden, die durch Niedrigwasser entstehen, in die Milliardenhöhe gehen.

Wespenplage: Durch das trockene Wetter sind besonders viele Wespen in Deutschland unterwegs.

Regionale Schwerpunkte gibt es nicht, wenngleich die lästigen Insekten in sehr trockenen und warmen Gegenden - etwa in Süddeutschland - besonders verbreitet sind.

Trockenheit Landwirtschaft: Laut dpa rechnet der Deutsche Bauernverband (DBV) 2015 mit enormen Verlusten bei der Getreideernte. Demnach müssen die Bauern Einbußen von bis zu elf Prozent einplanen.

(Mit Material der dpa)