Statt eines angenehmen Sommerregens stürzen vielerorts in Deutschland Wassermassen vom Himmel. Sie treffen auf ausgetrocknete Böden, Überschwemmungen drohen. Naturschützer wollen, dass die Kanzlerin angesichts der "Klimakrise" ihren Urlaub abbricht.

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Kurz vor der Abkühlung hat der Sommer nochmal gezeigt, was er kann - zumindest in Berlin und Brandenburg. An den Wetterstationen in der Region sind am Mittwoch die deutschlandweit höchsten Temperaturen gemessen worden. Heißester Ort war das brandenburgische Langenlipsdorf mit 38,4 Grad, wie ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Abend sagte. In Berlin-Tempelhof und in Berlin-Schönefeld wurden 38,0 Grad erreicht, in Potsdam waren es 37,8 Grad.

Meteorologen erwarten kühleres Wetter

Die Hauptstadt hat der Freien Universität Berlin zufolge damit am Mittwoch ihren heißesten Tag des Jahres erlebt. Bundesweit war es allerdings am 31. Juli in Bernburg (Sachsen-Anhalt) mit 39,5 Grad am wärmsten. Nun erwarten Meteorologen allerdings kühleres Wetter.

In einigen Teilen des Landes ging die Hitzewelle bereits ungemütlich mit kräftigen Gewittern zu Ende. Neben Blitz und Donner brachten sie starken Regen, Hagel und Wind. Sogar Orkanböen waren nach DWD-Angaben möglich. Für Nordrhein-Westfalen etwa wurden Starkregen, Hagelschauer und Sturm- bis Orkanböen vorhergesagt.

Baum kracht auf Oberleitung

Zwischen Stralsund und Elmenhorst (Mecklenburg-Vorpommern) wurde am Mittwochnachmittag der Bahnverkehr eingestellt, nachdem ein Baum auf eine Oberleitung gefallen war. Bereits in der Nacht hatten mehrere Orte in Hessen, etwa Kirchhain bei Marburg, mit heftigen Unwettern und Regenmassen zu kämpfen. Keller liefen voll, Dächer wurden abgedeckt. Die Wassermassen überfluteten auch Straßenzüge. Der Unterricht in zwei Schulen fiel aufgrund von Gebäudeschäden aus.

In Gera wurden wegen des Unwetters mit starkem Regen und Wind zwischenzeitlich mehrere Straßen gesperrt. Ein umgestürzter Baum blockierte vier Fahrspuren einer Landstraße, die etwa eine Stunde lang unpassierbar war, wie ein Polizeisprecher sagte.

Im Osten Deutschlands herrschte dennoch weiter die höchste Waldbrandgefahrenstufe. "Es gibt viele Erdblitze, die Gewitter begleiten", sagte DWD-Meterologe Gerhard Lux.

Gefahr für Überschwemmungen steigt

"Wenn der Regen nur sturzartig runterkommt, läuft er an der Oberfläche weg. Man wird mit Überschwemmungen rechnen müssen", warnte der Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), Hartmut Ziebs. Besonders kleinere Flüsse drohen bei heftigen Regenfällen über die Ufer zu treten - so wie es im Sommer 2017 in Südniedersachsen geschehen ist. Der für Donnerstag angekündigte Starkregen mit Sturm und Hagel könnte die Probleme der Bauern und Tiere verschärfen, warnte die Landwirtschaftskammer in NRW.

Kanzlerin Merkel zum Handeln aufgefordert

Angesichts der "Klimakrise" hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zum sofortigen Handeln aufgefordert. Merkel müsse ihren Sommerurlaub beenden, sagte BUND-Chef Hubert Weiger am Mittwoch in Nürnberg. In einem "Klima-Nothilfeplan" fordert der BUND unter anderem die Abschaltung klimaschädlicher Kohlekraftwerke, ein generelles Tempolimit auf deutschen Autobahnen, eine Verteuerung von Flugtickets und einen ökologischen Landbau.

Am Freitag kühlt sich die Luft an der Nordsee auf 20 Grad ab, und auch ansonsten wird es nicht wärmer als 27 Grad. Nachts gibt es bei 8 bis 15 Grad reichlich Gelegenheit zum Durchlüften.

DWD: Keine neue Hitzewelle in Sicht

Das Wochenende wird im Süden sonnig und im Norden regnerisch. Am Samstag ziehen Schauer und Gewitter vor allem über den Norden und Nordwesten hinweg, hier wird es bis 25 Grad, ansonsten bis 27 Grad warm. Am Sonntag sind vereinzelt wieder mehr als 30 Grad möglich.

Eine ähnlich langanhaltende Hitzewelle wie zuletzt erwartet der DWD in diesem Jahr nicht mehr. Zwar werde es punktuell noch über 30 Grad heiß werden, sagte DWD-Meteorologe Jens Winninghoff: "Ich gehe aber nicht mehr von Werten über 35 Grad aus."  © dpa

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