Der private US-Wetterdienst Accuweather sagt Deutschland einen überdurchschnittlich warmen Winter mit viel, viel Regen voraus. Aber Vorsicht: Prognosen, die Wochen und Monate in die Zukunft blicken, haben mehr als nur eine Tücke.

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Glaubt man dem Wetterdienst Accuweather, muss sich Deutschland auf einen extrem nassen Winter einstellen. Vor allem dem nördlichen Teil des Landes - darunter Hamburg, Berlin, Köln und Düsseldorf -, würden Stürme erheblichen Regen bringen, der geeignet sei, die derzeit anhaltende Dürre zu beenden, heißt es in einer am Wochenende veröffentlichten Prognose des privaten US-Unternehmens.

Doch wie belastbar sind solche langfristigen Vorhersagen? Hat Deutschlands bekanntester Meteorologe Jörg Kachelmann recht, wenn er sich auf Twitter echauffiert, die Prognose von Accuweather und die Berichterstattung der "Bild" darüber sei "völliger Schwachsinn"?

Zumindest ist die Aussage mit größter Vorsicht zu genießen, wie Uwe Kirsche, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach im Gespräch unserer Redaktion erklärt. Grundsätzlich gelte: Für die kommenden drei Tage ist der Wetterbericht sehr treffsicher, bis Tag fünf seriös. Im Anschluss spricht man nur noch über Trends - und die lassen sich, je nachdem wie stabil die Wetterlage ist, mal mehr mal weniger gut voraussagen.

Kleinräumige Langfrist-Prognosen sind unseriös

Nichtsdestoweniger erstellt auch der DWD, genau wie andere große Dienste wie die NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) oder das EZMW (Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage), sogenannte Jahreszeitenvorhersagen. Die Meteorologen versuchen dabei, für Zeiträume von bis zu sechs Monaten Niederschlag- und Temperaturtrends im Vergleich zum vieljährigen Mittel zu errechnen.

Solche Vorhersagen haben laut Kirsche eine Treffsicherheit von rund 70 Prozent - besser als würfeln, also. Das ist das eine, was man wissen muss, um Jahreszeitenvorhersagen richtig einordnen zu können. Das andere: "Solche Prognosen haben nur für sehr große Räume Aussagekraft."

Schon eine Aussage über Deutschland, wie Accuweather sie trifft, sei schwierig. Ein Schluss, wie der Winter in München, auf dem Brocken oder auf Rügen ausfällt, lasse sich schon gar nicht ziehen. Auch liefert die Jahreszeitenvorhersage keine Information für einen speziellen Zeitpunkt innerhalb des betrachteten Zeitraums. Gibt es weiße Weihnachten oder nicht? Wir wissen es heute schlichtweg nicht.

Vorhersage für Mittlere Breiten besonders schwierig

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Die Jahreszeitenvorhersage des Deutschen Wetterdienstes für November, Dezember und Januar unterstreicht, wie schwer sich Wetterexperten zuweilen mit dem Blick in die Zukunft tun: Die Niederschlagsprognose für Deutschland ist mit einem x gekennzeichnet - ein Hinweis auf die schlechte Qualität der Vorhersage. Nicht außergewöhnlich, wie Kirsche erklärt: "Für die Mittleren Breiten, wo das Wetter sehr wechselhaft ist, lassen sich langfristige Prognosen sehr viel schlechter treffen als zum Beispiel für die Pole oder den Äquator."

Unterm Strich ist die Jahreszeitenvorhersage aus Sicht des DWD-Sprechers für Verbraucher wenig hilfreich. "Ich rate dringend davon ab, jetzt aus Angst vor Regen gleich einen Urlaub zu buchen." Einen Nutzen könnten stattdessen zum Beispiel die Gasversorger aus der Prognose ziehen. Sie könnten dank der Informationen besser abschätzen, ob ein besonders strenger Winter droht und es sich lohnt, in Reserven zu investieren.

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst
  • dwd.de: GCFS Vorhersage
  • accuweather auf Twitter
  • accuweather.com: "AccuWeather's 2019-2020 Germany winter forecast"
  • Jörg Kachelmann auf Twitter
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