Ein 17-jähriger Afghane greift mit Axt und Messer bewaffnet in einem Regionalzug bei Würzburg Fahrgäste an. Vier Menschen werden schwer verletzt, eine fünfte Person leicht. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat die Tat bereits für sich beansprucht. Was bisher über die Tat, den Täter und das Motiv bekannt ist.

Wo ereignete sich die Tat und was war geschehen?

In einem Regionalzug, der von Treuchtlingen auf dem Weg nach Würzburg war. Bei Würzburg-Heidingsfeld griff der Mann offenbar unvermittelt mehrere Fahrgäste an. Vier Menschen wurden schwer verletzt, ein weiterer leicht. Zwei der Personen schweben laut Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in Lebensgefahr. Zudem erlitten 14 Menschen einen Schock.

Wer sind die Verletzten?

Vier Verletzte stammen aus Hongkong. Das bestätigte der Hongkonger Regierungschef Leung Chun-Ying noch am Dienstag.

Bei den Verletzten handle es sich um eine Familie - Vater, Mutter, Tochter - und deren Freund, berichtete die Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" ergänzend. Ein fünfter Mitreisender der Gruppe, der 17-jährige Sohn, sei unverletzt davongekommen, berichtete das Blatt.

Was ist über den Täter bekannt?

Der junge Mann ist 17 Jahre alt und stammt aus Afghanistan. Er lebt seit zwei Jahren in Deutschland und hat vor knapp einem Jahr Asyl beantragt. Seitdem lebt er im Landkreis Würzburg in einer Einrichtung in Ochsenfurt. Seit etwa zwei Wochen lebt er bei einer Familie, die sich um den unbegleiteten minderjährigen Flüchtling (UMF) kümmern wollte. Das sagte Herrmann im ZDF-"Morgenmagazin". Entgegen erster Berichte war der Täter offenbar alleine in dem Zug und gilt daher als Einzeltäter.

Was ist über das Motiv bekannt?

Herrmann bestätigte im ZDF, dass ein Zeuge bei dem Notruf angegeben hat, dass der Täter "Allahu Akbar", also "Gott ist groß", gerufen habe. "Es gibt eine Aussage, dass er, kurz bevor er von der Polizei erschossen wurde, einen islamischen Ausruf gemacht haben soll", sagte Herrmann zuvor der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Bei der Durchsuchung des Zimmers, in dem der 17-Jährige gewohnt hat, sei zudem eine selbstgemalte IS-Flagge gefunden worden. Dennoch sei es laut Herrmann zu früh zu entscheiden, ob es sich um eine Terrorattacke oder einen Amoklauf handle. Das müssten nun die Ermittler herausfinden. Spekulieren wollte der Innenminister nicht.

Der IS hat den Angriff inzwischen für sich beansprucht. Das berichten mehrere Nachrichtenkanäle unter Berufung auf die IS-nahe Nachrichtenagentur "Amak".

Wie wurde der Täter dingfest gemacht?

Der Zug wurde während der Tat per Notbremse gestoppt. Anschließend sprang der 17-Jährige aus dem Zug und flüchtete. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei, das zufällig wegen eines anderen Einsatzes in der Nähe gewesen sei, habe die Verfolgung aufgenommen, berichtete Herrmann. Als der Jugendliche dann auch auf die Einsatzkräfte losgegangen sei, hätten diese das Feuer eröffnet. Der Angreifer wurde mit mehreren Schüssen getötet.

Das Vorgehen der Polizei sei laut Herrmann richtig gewesen. Man wisse nicht, welche Pläne der Täter auf seiner Flucht noch verfolgt habe. Es sei nicht ausgeschlossen, dass er noch weitere Menschen attackiert hätte. Deshalb sei es "gut und richtig", dass die Polizei mit ihrem Vorgehen "weitere schreckliche Taten" ausgeschlossen habe, sagte Herrmann. Zuvor hatte Grünen-Politikerin Renate Künast mit ihrer Polizei-Kritik auf Twitter für Empörung gesorgt.

Mit Material der dpa