Sie gelten als Hitzköpfe, nehmen kein Blatt vor den Mund, bewundern Wladimir Putin und stehen für eine Law & Order-Politik: US-Präsident Donald Trump und sein philippinischer Amtskollege Rodrigo Duterte trafen am Ende von Trumps Asienreise erstmals aufeinander. Kritische Töne blieben aus. Stattdessen gab es ein Ständchen.

Donald Trump freute sich sichtlich, als Rodrigo Duterte am Rande des Asean-Gipfels das Mikrofon ergriff und mit der philippinischen Popdiva Pilita Corrales deren Lied "Ikaw Ang Mahal Ko" ("Du bist meine Liebe") sang.

Nach seiner spontanen Darbietung erklärte Duerte den Zuhörern: "Ladys und Gentleman, ich habe ohne Vorankündigung auf Bitten des Oberbefehlshabers der Vereinigten Staaten von Amerika gesungen."

Diese Szene kann sinnbildlich für die Beziehungen zwischen beiden Politikern gelten. Kritische Fragen wie die Menschenrechtslage auf den Philippinen, wo seit Dutertes Amtsantritt 2016 Tausende mutmaßlich Dealer im Krieg gegen die Drogen getötet wurden, werden außen vor gelassen. Aber für ein Ständchen findet sich Zeit.

Trump und Duterte senken das Niveau

Tatsächlich ist die freundliche Atmosphäre zwischen dem 71 Jahre alten Trump und dem 72-jährigen Duterte nicht überraschend. Die fast gleichaltrigen Männer haben sich schon in den vergangen Monaten immer wieder mit gegenseitigen Lobhudeleien bedacht. Man schätzt und respektiert sich. Beim festlichen Staatsbankett auf dem Gipfel saßen beiden lächelnd nebeneinander.

Beide pflegen einen vergleichbaren Politik-Stil. Bei politischen Inhalten und im Charakter lassen sich ebenfalls Parallelen feststellen.

"Sie treten gegen Political Correctness an, gegen alles, was als 'linksliberaler' Mainstream bezeichnet wird. Es werden Sachen laut ausgesprochen, die man sich vor ein paar Jahren als Politiker vielleicht noch nicht getraut hätte", sagt Asien-Experte Ralph Wrobel von der Westsächsischen Hochschule in Zwickau im Gespräch mit unserer Redaktion.

"Trump auf Steroiden"

Duterte sagte, er wolle die drei Millionen Drogenkriminellen auf den Philippinen "alle abschlachten", die "Uno anzünden", er rief "Fuck you, EU!", nannte den Papst und Barack Obama "Hurensohn".

Zur der Vergewaltigung und Ermordung einer Australierin im Jahr 1989 – damals war er noch Bürgermeister der Großstadt Davao – erklärt er laut "Huffington Post": "Ich war wütend, dass sie vergewaltigt wurde, aber sie sah so schön aus. Der Bürgermeister hätte als erster an der Reihe sein sollen."

Später entschuldigte er sich halbherzig. So würden Männer nun einmal sprechen. Fast wortgleich hatte Donald Trump seine frauenfeindlichen Aussagen aus dem Jahr 2005 begründet. Als Star könne er Frauen, wann immer er wolle, im Intimbereich berühren.

Er und Trump würden "den Mund in der gleichen Art und Weise nutzen", sagte das philippinische Staatsoberhaupt kürzlich laut "Bild-Zeitung".

Durch Trump und Duterte werde "das Niveau der politischen Auseinandersetzung gesenkt und die Grenzen dessen, was man als Politiker sagen darf, massiv verschoben", erklärt Wrobel.

Dabei scheint Duterte die Grenzen noch weiter zu verschieben: Während Trump "nur" auf Wahlkampfveranstaltungen zur Gewalt gegen politische Gegner aufrief, hat sich Duterte damit gebrüstet, als Bürgermeister drei angeblich Kriminelle erschossen zu haben. Die "Huffington Post" nannte ihn "Trump auf Steroiden".

In einem psychiatrischen Attest über Duterte anlässlich seiner Ehe-Annullierung 1998 hieß es dem"Bayerischen Rundfunk" zufolge, er zeige eine "narzisstische Persönlichkeitsstörung mit der Tendenz zu Aggression, Selbstüberhöhung und der Neigung, andere zu demütigen." Mehrere US-Psychologen und Psychiater haben sich über Trump kürzlich ähnlich geäußert.

Harter Kampf gegen Kriminalität

Bei den Politikinhalten gibt es zwischen beiden ebenfalls Überschneidungen. Sie entsprechen dem Typus des Law&Order-Verfechters. Duterte mit seinem unerbittlichen Kampf gegen Drogen und den Islamismus im Süden der Insel; Trump mit seinem harten Kurs gegen illegale Einwanderer und den Terrorismus.

So wurden seit Duertes Amtsantritt im Juni 2016 nach Schätzungen mehr als 10.000 vermeintliche Drogenkriminelle ermordet – durch die Polizei oder Todesschwadrone in deren Auftrag. Allerdings sollen auch Menschenrechtler, die die Zustände anprangerten, getötet worden sein. "Human Rights Watch" wirft ihm vor, zu Selbstjustiz anzustacheln.
Auch Trump gibt sich hart, doch hapert es noch an der Umsetzung etwa bei seinem geplanten Einreisebann gegen sieben mehrheitlich muslimisch geprägte Länder.

"Bei Trump hat man bisher eher Wortgefechte gehört, während Duterte ja tatsächlich ganz massiv gegen die Drogenkriminalität vorgeht", erklärt Wrobel. Da gebe es noch einen massiven Unterschied zwischen beiden.

Einfache Antworten auf komplexe Fragen

Mit ihren klaren Ansagen, ihrer Kritik am Establishment und den teils einfachen Erklärungen kommen die Männer bei Teilen der Bevölkerung jedenfalls gut an. "Sie entsprechen dem Stil des rechtspopulistischen Politikers, der seit Jahren immer häufiger wird", sagt der Asien-Experte Wrobel.

Der Ökonom sieht als Erklärung für diese Tendenz auch wirtschaftliche Gründe: Frust der Globalisierungsverlierer, Sorgen durch verstärkte Migrationsbewegungen, Terrorismus und Arbeitslosigkeit.

"Viele Menschen empfinden die Globalisierung als Bedrohung und setzen auf Politiker, die diese Ängste instrumentalisieren und einfache Antworten geben", erklärt er.

Im Hinblick auf die Entwicklung der Menschheit sei dies "ein Rückschritt". Errungenschaften wie die freie Bewegung im Schengen-Raum, der Ausbau von Freihandel oder die Normen des Rechtsstaats würden zerschlagen oder ausgehölt.

Trump und Duerte erscheinen wie zwei Brüder im Geiste. Nicht nur deshalb war der Zwischenstopp auf den Philippinen für den US-Präsidenten wahrscheinlich der erfreulichste seiner zweiwöchigen Asien-Reise, trotz kleinerer Proteste.

70 Prozent der Einheimischen vertrauen Umfragen zufolge auf Trump und seine Politik. Mehr Zustimmung genießt er nirgends sonst auf der Welt. Auf den Inseln schockieren seine Schimpftiraden angesichts des eigenen Staatsoberhaupts kaum jemanden.