Der Gesundheitszustand von Alexej Nawalny ist lebensgefährlich. Der russische Oppositionelle liegt seit Donnerstag im Koma und muss beatmet werden. Anderen Kreml-Kritikern widerfuhr ein ähnliches Schicksal - ein Überblick.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

Alexej Nawalny

Der Gesundheitszustand des lebensgefährlich erkrankten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny lässt nach Angaben seiner russischen Ärzte einen Transport nach Deutschland nicht zu. Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch kritisierte, "das Transportverbot für Alexej ist eine direkte Bedrohung für sein Leben". Sie erhebt den Vorwurf, Nawalny sei "absichtlich vergiftet" worden. Der prominente Anti-Korruptions-Kämpfer und erbitterte Gegner des russischen Präsidenten Wladimir Putin hatte auf einem Flug auf dem Rückweg von der sibirischen Stadt Tomsk nach Moskau plötzlich das Bewusstsein verloren. Das Flugzeug musste daraufhin in Omsk zwischenlanden.

Die russischen Ärzte hätten nach eigenen Angaben bislang keine Anzeichen einer Vergiftung festgestellt. "Bisher wurde kein Gift im Blut und Urin gefunden", sagte der stellvertretende Chefarzt des Omsker Krankenhauses, Anatoli Kalinitschenko, am Freitag vor Journalisten. Nach Darstellung der Ärzte in dem Krankenhaus soll er stattdessen an einer Stoffwechselstörung leiden. Eine Vergiftung schlossen sie aus.

Alexej Nawalny redet im September 2019 auf einer Demonstration in Moskau.

Pjotr Wersilow

Im September 2018 wurde der russische Aktivist der Protestgruppe Pussy Riot mit möglichen Symptomen einer Vergiftung in ein Moskauer Krankenhaus gebracht. Später kam er zur Behandlung in die Berliner Charité. Wersilow macht für seine mutmaßliche Vergiftung den russischen Geheimdienst verantwortlich. Als Hintergrund für die Attacke geht er von einem Zusammenhang zu seinen Recherchen über drei im Juli 2018 ermordete russische Journalisten in Zentralafrika aus.

Pussy-Riot-Aktivist Pjotr Wersilow bei einem Interviewtermin in einer Berliner Wohnung.

Sergej Skripal

Der ehemalige Doppelagent und seine Tochter Julia waren im März 2018 im englischen Salisbury dem in der Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok ausgesetzt worden. Beide entgingen nur knapp dem Tod. Westliche Geheimdienste beschuldigen die russische Regierung, den Anschlag als Vergeltung für Skripals Tätigkeit als Doppelagent veranlasst zu haben. Eine 44-jährige Britin, die später mit dem Nervengift in Kontakt kam, starb.

Sergej Skripal in Salisbury.

Alexander Perepilitschni

Der russische Geschäftsmann und Informant starb 2012 beim Joggen in der Nähe von London. Die Polizei ging von einem natürlichen Tod aus. Eine zwei Jahre später von seiner Lebensversicherung in Auftrag gegebene Untersuchung ergab jedoch, dass Spuren des Gifts der chinesischen Pflanze Gelsemium in seinem Magen gefunden wurden. Perepilitschni war ein möglicher Kronzeuge in der Affäre um den Tod eines russischen Anwalts im Jahr 2009.

Alexander Litwinenko

Der frühere russische Agent und Kreml-Kritiker starb 2006 im Exil in London an einer Vergiftung mit hochgradig radioaktivem Polonium-210. Zuvor hatte er mit den russischen Geschäftsmännern und Ex-KGB-Agenten Dmitri Kowtun und Andrej Lugowoi Tee getrunken. London gibt Moskau die Schuld, das jegliche Verantwortung bestreitet.

Alexander Litwinenko am 20. November 2006 auf der Intensivstation des University College Hospital in London.

Viktor Juschtschenko

Im Jahr 2004 wurde der damalige Oppositionskandidat und spätere Präsident der Ukraine schwer krank. Österreichische Ärzte stellten drei Monate später eine Dioxinvergiftung beim Helden der sogenannten Orangenen Revolution fest. Juschtschenkos Gesicht trägt bis heute die Spuren der Vergiftung. Angetreten war er gegen den russlandfreundlichen Kandidaten Viktor Janukowitsch. (afp/mf)

Der damalige Führer der ukrainischen Opposition, Viktor Juschtschenko, wendet sich im November 2014 bei einer Kundgebung in Kiew an seine Anhänger. In seinem Gesicht sind die Spuren der Vergiftung deutlich zu sehen.