Seit Wochen stöhnt Deutschland unter der Hitzewelle. Nicht nur die Menschen, auch die Natur leidet. Die Waldbrandgefahr steigt, Landwirte befürchten gravierende Ernteausfälle. CO2 sparen alleine reicht nicht mehr, argumentieren die Grünen - und fordern nun einen Milliarden-Fonds im Kampf gegen den Klimawandel.

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Deutschland startet heiß ins Wochenende: Für den Rhein-Neckar-Raum und für den Oberrhein sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) für Samstag bis zu 38 Grad voraus.

Im Südosten des Landes erwarten die Meteorologen kräftige Gewitter, ansonsten wird es sonnig, trocken und heiß. Am Sonntag kühlt es kaum ab - vor allem in der Südhälfte Deutschlands gibt es immer noch Höchsttemperaturen bis 35 Grad.

Höchste Gefahrenstufe für Waldbrände gilt

Sehr hoch ist aktuell die Waldbrandgefahr: DWD weist für viele Flächen die höchste Gefahrenstufe 5 aus - darunter für mehrere Gebiete in Ostdeutschland sowie für Teile von Bayern, Baden-Württemberg und Südhessen.

Mit jedem Dürre-Tag spitzt sich die Lage weiter zu: Waldbesitzer befürchten eine "Jahrhundertkatastrophe". In diesem Jahr seien Bäume im Wert von rund 500 Millionen Euro angepflanzt worden. "Große Teile der Jungpflanzen sind mittlerweile nicht mehr zu retten", sagte Verbandspräsident Georg Schirmbeck der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Auch Landwirte klagen über Ernteeinbußen und Dürreschäden. Angesichts der anhaltenden Dürre in vielen Regionen Deutschlands erwarten sie eine noch schlechtere Getreideernte als bisher befürchtet. Statt zunächst geschätzter 41 Millionen Tonnen sei nur mit einer Menge von rund 36 Millionen Tonnen zu rechnen, teilt der Bauernverband in einer neuen Zwischenbilanz der laufenden Ernte mit.

Grüne fordern Milliarden-Fonds für Kampf gegen Klimawandel

Angesichts der Krisensituation fordern die Grünen einen milliardenschweren Fonds für die Anpassung Deutschlands an die Folgen des Klimawandels. Daraus sollten unter anderem unbürokratische Entschädigungen an Menschen gezahlt werden, deren Existenz durch extreme Wetterereignisse bedroht sei, heißt es in einem Konzept der Partei, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Auch für die Gesundheitsvorsorge, den Hitzeschutz in Städten, den Waldbrand- und Hochwasserschutz sowie die Anpassung der Landwirtschaft solle der Fonds Geld bereitstellen. Nach Einschätzung von Grünen-Chefin Annalena Baerbock müsste er mit etwa zwei Milliarden Euro ausgestattet werden.

"Man hat die Klimaanpassung in Deutschland ignoriert", kritisierte Baerbock. "Aus der Hoffnung heraus, an Deutschland wird das schon vorbeigehen, das trifft vor allem den globalen Süden."

Baerbock: "Dieser Sommer macht klar, so kann es nicht weitergehen"

Es stecke aber auch eine politische Absicht dahinter: Das Problem des Klimawandels und die Notwendigkeit, dagegen vorzugehen, sei kleingeredet worden. "Dieser Sommer macht klar, so kann es nicht weitergehen."

Nicht nur Hitze und Dürre, sondern auch Kälte und Unwetter wie Stürme, Hagel und Starkregen werden nach Einschätzung von Klimaforschern als Folge der Erderwärmung zunehmen, auch wenn im Einzelfall schwer abzuleiten ist, ob ein Wetterereignis Folge des Wandels ist.

"Die Wetterextreme haben rasant zugenommen und die Klimakrise ist angekommen", schreiben die Grünen in dem Papier. Um die Auswirkungen abzumildern, brauche Deutschland einen Aktionsplan, der Klimaschutz und Anpassung verbinde. Denn das Land sei "bisher nicht wirklich gerüstet".

Das Geld dafür solle im Wesentlichen aus Einnahmen aus der CO2-Bepreisung kommen: Einem Mindestpreis für CO2-Ausstoß vor allem für den Energiesektor und höhere Steuern auf Kohle, Heizöl und Erdgas.

"Die Lenkungswirkung der CO2-Bepreisung trägt dazu bei, dass Preise die ökologische Wahrheit sagen", heißt es in dem Papier. Sie sei ein Anreiz, den Einsatz fossiler Energieträger zu reduzieren.

Die Grünen wollen unter anderem eine "umfassende Analyse, wer potenzieller Geschädigter von Extremwetterereignissen infolge der Klimakrise in Zukunft sein wird", und unbürokratische Hilfe sowie einen Ausbau von Versicherungen etwa in Hochwassergebieten. Sie verweisen weiter auf gesundheitliche Risiken von Hitzewellen, die Zunahme von Allergien und die Ausdehnung der Pollenflugsaison sowie auf das Risiko verstärkter UV-Strahlung.

"Für Warnsysteme, bessere Behandlungsmöglichkeiten von klimabedingten Krankheiten sowie Hitze-Aktionsplänen muss Geld bereitgestellt werden", fordert die Partei. In Städten sei Geld nötig für "mehr Stadt- und Fassadenbegrünung, Schattenflächen, Häuserdämmung sowie Kühlung durch hocheffiziente Wärmepumpen in den Wohnungen".

Ende 2008 hatte die Bundesregierung eine Anpassungsstrategie an den Klimawandel beschlossen. Beim Umweltbundesamt gibt es ein Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung (KomPass), das Umwelt- und das Bildungsministerium fördern Projekte und Forschung zur Anpassung. (ank/dpa)

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