Führende türkische Oppositionspolitiker haben nach den gescheiterten Gesprächen über einen gemeinsamen Kandidaten für die Präsidentschaftswahl im Mai einen neuen Einigungsversuch gestartet. Die Bürgermeister der Metropolen Istanbul und Ankara trafen sich am Montag mit der Vorsitzenden der nationalistischen Iyi-Partei, Meral Aksener, um sie davon zu überzeugen, das Bündnis aus sechs Oppositionsparteien weiter zu unterstützen. Eine Spaltung der Opposition dürfe nicht zugelassen werden, sagte Ankaras Bürgermeister Mansur Yavas nach dem Treffen.

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Yavas und der Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu wurden anschließend auf dem Weg zu einem weiteren Treffen in Ankara gesehen, an dem sowohl Aksener als auch der Chef der größten Oppositionspartei CHP, Kemal Kilicdaroglu, teilnehmen sollten.

Das Sechser-Bündnis hatte sich am Freitag nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten als Herausforderer von Präsident Recep Tayyip Erdogan einigen können. Fünf Parteien wollten Kilicdaroglu ins Rennen gegen den Amtsinhaber schicken.

Aksener favorisierte hingegen Imamoglu oder Yavas, die ebenfalls der sozialdemokratischen CHP angehören. Dies wurde von den anderen Parteien abgelehnt. Die beiden Bürgermeister erklärten am Wochenende, dass sie die Kandidatur ihres Parteichefs unterstützen. Kilicdaroglu, dessen Nominierung ursprünglich im Laufe des Montags verkündet werden sollte, will das Oppositionsbündnis nun für weitere Parteien öffnen.

Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen sind für den 14. Mai angesetzt - gut drei Monate nach dem verheerenden Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet mit mehr als 45.000 Toten allein in der Türkei. Erdogan strebt eine weitere Amtszeit an. Die Opposition wirft ihm unter anderem vor, das Land nicht ausreichend auf Erdbeben vorbereitet zu haben.

Ein Auseinanderbrechen des Oppositionsbündnisses würde Erdogan in die Karten spielen. Schon vor der Erdbebenkatastrophe hatte der Präsident, der das Land seit 20 Jahren lenkt, eine Reihe von Krisen gleichzeitig zu bewältigen. Seine Wirtschaftspolitik setzte eine Inflationsspirale in Gang, die die Preise vergangenes Jahr um 85 Prozent ansteigen ließ. Zudem kämpft seine Regierung gegen Vorwürfe der Vetternwirtschaft und Korruption an. Umfragen deuten auf einen engen Wahlausgang hin.


  © AFP

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