Dunja Hayali widmete sich in ihrer Sendung zwei völlig unterschiedlichen Themen. Besonders der Streit zwischen einem Kriminalbeamten und einem Strafverteidiger um kriminelle Clans sorgte für reichlich Zündstoff. Ein Anhänger der Werte-Union verbreitete rassistische Klischees.

Meine Meinung
von Thomas Fritz, Freier Autor

In den Augen von Anwalt Burkhard Benecken werden die arabischen Großfamilien durch Politik, Polizei und Medien stigmatisiert und vorverurteilt. Thomas Jungbluth vom Landeskriminalamt (LKA) Nordrhein-Westfalen spricht von einer "sehr gefährlichen Situation", bei der der Staat lange weggeschaut habe.

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Die Meinungen in der Talkshow von Dunja Hayali gingen beim Thema "Clan-Gewalt“ enorm auseinander. Kein Wunder: Benecken gilt als einer der profiliertesten Strafverteidiger arabischer Großfamilien in Deutschland, während der Kriminologe durch seine Arbeit nur mit den negativen Seiten der Clans konfrontiert wird.

Diskriminierende Aussagen des Ex-Türstehers

Das Bild vervollständigte Michael Kuhr, ein früherer Türsteher und Kickbox-Weltmeister, der heute ein Security-Unternehmen betreibt. Nachdem er vor Gericht gegen einen Verwandten des Clan-Bosses Arafat Abou-Chaker ausgesagt hatte, soll Abou-Chaker 2012 eine Morddrohung gegen ihn ausgesprochen haben.

Kuhr schaffte die Sache mit einem Besuch beim "Paten" aus der Welt. Er kenne die Strukturen und habe Leute im Ausland, die ihm den Rücken stärkten, berichtete er bei Dunja Hayali. Genaue Details seines ominösen Besuches bei Abou-Chaker nannte er nicht.
Neben seinen Erzählungen aus dem Milieu warnte Kuhr, der Anhänger der Werte-Union ist, vor Versäumnissen bei der Integration von Flüchtlingen. Der Staat wiederhole seit 2015 seine Fehler aus den 80er Jahren, als die vor dem Bürgerkrieg geflüchteten Libanesen nicht integriert worden seien.

Mit seinen teils diskriminierenden Aussagen schoss sich der Szene-Kenner aber ein Eigentor. Ein enger Freund habe einmal zu ihm gesagt: "Du darfst keinem Politiker trauen und du darfst eben auch keinem Araber trauen." Dunja Hayali ließ ihm das nicht durchgehen: "Okay, da muss ich jetzt ein bisschen atmen. Das ist natürlich auch pauschal."

Nur 600 Gramm Tabak gefunden

Schließlich nahm die Gastgeberin selbst an einer Razzia gegen arabische Großfamilien in Essen teil, wie ein Einspieler zeigte. Das Ergebnis war eher mager: 600 Gramm unversteuerter Tabak, 22 Ordnungswidrigkeiten, zwei entzogene Führerscheine, Bedrohungen gegen das ZDF-Team inklusive.

Mit der Nadelstich-Taktik sollen die Clan-Strukturen gestört werden. Für Szene-Anwalt Burkhard Benecken ist das purer Aktionismus, durch den Existenzen zerstört werden. "Andere, teilweise viel schwerere Straftaten klammert man völlig aus in der öffentlichen Diskussion." Er hält die Aktivitäten der russischen und italienischen Mafia für drängender.

Ein Vorwurf, auf den Kriminologe Thomas Jungbluth gereizt reagierte. Er warf dem Anwalt vor, Straftaten wie den organisierten Schmuggel von Tabak für Shisha-Bars zu verharmlosen. Die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor klagte, dass es den jungen Menschen in solchen Clan-Strukturen schwer glaubhaft gemacht werden könne, dass es sich lohnt "einer aufrichtigen Arbeit nachzugehen".

Dunja Hayali im Gespräch über Hass und Hetze im Netz

Im zweiten Teil von Dunja Hayalis Sendung ging es um verbale Gewalt im Internet. Im Einspieler lasen Prominente gegen sie gerichtete Hasskommentare vor. Besonders erschreckend war der Fall des Thüringer CDU-Politikers Mike Mohring, dem von Unbekannten gedroht wurde, er sei nach Walther Lübcke die "Nummer zwei, die demnächst einen Kopfschuss" bekommt.

Geladen war die Grünen-Politikerin Renate Künast, die vor wenigen Tagen eine Gerichtsverhandlung vor dem Berliner Landgericht zu Beschimpfungen gegen sie auf Facebook verloren hatte. Künast ist in Berufung gegangen - und forderte bei Dunja Hayali auch von den sozialen Plattformen wie Facebook und Twitter ein härteres Vorgehen.

"Wenn wir nicht aufpassen, haben wir eine Umgangsform, wo sich ganz viele Leute zurückziehen", warnte sie. Künast appellierte an die Zuschauer, die Stimme gegen Beleidigungen zu erheben - schon auf der Familienfeier oder am Arbeitsplatz.

Auch die Strafrechtlerin Elisa Hoven hält das Urteil für ein Problem. Der Beschluss würde den Leuten vermitteln: Ich darf alles sagen. Mit der Begründung des Berliner Urteils, erklärte die Universitäts-Professorin aus Leipzig bissig, wäre es für Studenten "in einer juristischen Arbeit im zweiten oder dritten Semester sehr schwierig, damit noch zu bestehen". Ihr Fazit: Der Staat darf Betroffene nicht alleine lassen.

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