Acht Karibikstaaten haben das neue Jahr mit einem deutlichen Signal begonnen: Seit 1. Januar 2019 herrschen dort rigorose Verbote für Einwegplastik. Warum die EU bei diesem Thema schon seit Jahren von Entwicklungsländern abgehängt wird und noch zwei weitere Jahre braucht, erklärt Heiker Vesper vom WWF Deutschland.

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Es sind nicht unbedingt Staaten, denen man aus eurozentrischem Blickwinkel fortschrittliche Umweltstandards oder eine schnell funktionierende Gesetzgebung zutraut. Doch Bangladesch hat als erstes Land der Welt bereits im Jahr 2002 Plastiktüten verboten.

Vor mehr als zehn Jahren zog Ruanda als afrikanischer Vorreiter im Kampf gegen Plastikmüll nach, Mauretanien und Marokko folgten, und in Kenia gelten seit 2017 die schärfsten Verbote der Welt: Wer Plastiktüten verwendet, verkauft, produziert oder importiert, riskiert bis zu vier Jahre Gefängnis oder Geldstrafen in Höhen bis zu 35.000 Euro.

Vorteil der Karibikstaaten: Einfachere Gesetzgebungsverfahren

Das jüngste Ausrufezeichen setzten die wegen ihrer Traumstrände bei Urlaubern beliebten Karibikstaaten Jamaica, Barbados, Belize, Bahamas, Costa Rica, Dominica, Grenada und Trinidad & Tobago.

Hier sind seit 1.1.2019 sowohl der Gebrauch als auch die Verbreitung von Taschen, Flaschen und Strohhalmen aus Plastik sowie Styropor-Verpackungen für Speisen verboten.

In der EU wird es erst im Jahr 2021 soweit sein - ein Armutszeugnis für diese Länder?

"Nein", meint Heike Vesper, die beim WWF Deutschland den Fachbereich Meeresschutz leitet. In kleinen Ländern sei das Gesetzgebungsverfahren viel einfacher als die mehrstufigen und sehr komplexen Prozesse in der EU.

"Wir haben zwei Gesetzgebungsmöglichkeiten in der EU: Die Verordnung, die direkt wirksam ist in allen Ländern und die Richtlinie, die ein Ziel vorgibt", erklärt sie.

Das Verbot von Einwegplastik in der EU trete erst in zwei Jahren in Kraft, weil es kürzlich als Richtlinie beschlossen wurde und nun erst in das nationale Recht der Mitgliedsländer umgesetzt werden müsse.

Doch für die Hamburger Biologin ist dieser Beschluss ein Leuchtturm, da er in einer Rekordzeit von nur sechs Monaten umgesetzt wurde. "Allerdings müssen die Mitgliedsländer natürlich nun eine stringente Umsetzung der Richtlinie betreiben, sonst wird am Ende doch nichts wirklich Gutes daraus."

Problem der Karibikinseln: Vermüllung der Traumstrände

Ein weiterer Grund, warum die Karibikstaaten so viel schneller sind, ist die Abhängigkeit vom Tourismus. Das Vermüllen der weißen Traumstrände und immer mehr Plastik im Meer könnten Strand- und Tauchtouristen vergraulen, was zum baldigen Kollaps der Wirtschaft führen würde.

Dass akuter Handlungsbedarf bestand, zeigen Zahlen der Naturschutzorganisation "Jamaica Environment Trust": Allein am nationalen Aktionstag gegen Müll sammelten Freiwillige rund 73 Tonnen Plastikmüll an den Küsten ein.

Und auf vielen Inseln machte Einwegplastik bereits mehr als die Hälfte des Gesamtgewichts der gesammelten Abfälle aus.

Unternehmen müssen Verantwortung für Verpackungen übernehmen

Wenngleich ein Großteil des Plastikmülls im Meer in Asien zwischen den Philippinen, Indonesien und China treibt, so gibt es auch von europäischen Küsten problematische Zahlen.

Laut Heike Vesper kommen auf 100 Meter Nordseestrand durchschnittlich 700 Plastikteile. Ein weiterer Schritt in Richtung Reduktion von Verpackungsmüll und bessere Recyclingkreisläufe könnte durch mehr Produzentenverantwortung erreicht werden.

Das heißt: Wer ein Produkt herstellt, hat auch die Verantwortung dafür, dass es umweltfreundlich ist. "Aktuell geht es in der EU beispielsweise auch darum, die Zigarettenfilterindustrie zur Kasse zu bitten, um die Entsorgungsmöglichkeiten zu verbessern.

Auch die Hersteller von Fischernetzen müssen einen Teil der Entsorgungskosten für so genannte Geisternetze zahlen", sagt die WWF-Expertin. Geisternetze würden rund ein Drittel des an Stränden gefundenen Mülls ausmachen.

Wie schnell Plastikmüllverbote greifen und Verbesserungen in der Umwelt zu sehen sind, kann Heike Vesper nicht sagen: "Es braucht eine Weile, bis das System reagiert".

Doch eines sei klar: Auch wenn einzelne Staaten das Plastikmüllproblem nicht lösen könnten, so sei doch jeder Vorstoß ein wichtiger Schritt, um zu einer globalen Lösung zu kommen.

Diese Plastik-Produkte sind ab 2021 in der EU verboten:

  • Trinkhalme
  • Teller
  • Besteck
  • Luftballonstäbe
  • Rührstäbchen
  • Wattestäbchen
  • Verpackungen aus aufgeschäumtem Polystyrol (wie beim To-Go-Kauf von heißen Lebensmitteln oder Getränken)

Quellen:

  • Expertengespräch mit Heike Vesper, Biologin und Leiterin des Fachbereichs Meeresschutz beim WWF Deutschland
  • The Guardian: "Kenya brings in world's toughest plastic bag ban: four years jail or $40,000 fine"
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