Floridas Gouverneur wächst zum Favoriten für die US-Präsidentschaft 2024 heran. Ron DeSantis ist der neue Liebling der Republikaner: Jung, kämpferisch, konservativ, schlagfertig, machtbewusst. Viele sehen in ihm die kultivierte Variante von Donald Trump. Aus dem einstigen Günstling könnte ein politischer Vatermörder werden. In einem Video inszeniert er sich nun als besonders kämpferisch.

Dr. Wolfram Weimer
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht von Wolfram Weimer dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Floridas Gouverneur Ron DeSantis will nächster US-Präsident werden. DeSantis wächst Monat für Monat sichtbarer zum neuen Liebling der Republikaner heran. Genauso wortmächtig wie Donald Trump, genauso rechtskantig wie Donald Trump, genauso machtbewusst und furchtlos wie Donald Trump – nur viel jünger und professioneller. DeSantis sei – so ist zu lesen – "Wie Trump, nur mit Intelligenz", "Wie Trump, nur mit Charakter", "Wie Trump, nur seriös".

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Selbst der liberale "New Yorker" urteilt: "Während Trump mit seiner faulen, zirkushaften Persönlichkeit einen grundlegenden Mangel an Ernsthaftigkeit vermittelt, verfügt DeSantis über eine hohe Arbeitsmoral, eine beeindruckende Intelligenz und ein umfassendes Verständnis der Politik. Er ist wortgewandt, schnell auf den Beinen – ein Trump mit Hirn." Die "New York Post" gibt dazu die Parole aus: "Ronald statt Donald".

DeSantis' Widerstand gegen linke politische Korrektheit

Die steigende Popularität von DeSantis rührt vor allem aus seinem selbstbewussten Widerstand gegen linke politische Korrektheit. Schon während der Pandemie wehrte er sich lautstark gegen staatliche Kontaktverbote wie Lockdowns.

Er stilisierte sich zum Freiheitskämpfer gegen Masken und prangerte im Tagestakt vermeintliche Schandtaten an, die eine linke Verbots- und Bevormundungspolitik hervorbringe. Als er sich dann auch noch lautstark gegen die Wokeness- und Gendermoden in Position brachte und jeden Kulturkampf lustvoll annahm, wurde er vollends zum Volkshelden der rechten Massen.

Nun veröffentlicht der Gouverneur einen Wahlkampfspot im Stil von "Top Gun", in dem er die Medien aufs Korn nimmt.

Das virale Video wurde von seiner Frau Casey DeSantis auf Twitter hochgeladen. Es wechselt zwischen Clips, in denen DeSantis eine Rede in einem Hangar hält und sich auf einem Luftwaffenstützpunkt bewegt. An einem Punkt steigt er in einen Jet mit einem "Top Gov"-Aufkleber auf seinem Helm.

Floridas Gouverneur wechselt zwischen einer dunklen Lederjacke und einem grünen Fliegeroverall, die beide dem Outfit ähneln, das Tom Cruise in den kultigen "Top Gun"-Filmen trägt. Während im Hintergrund dramatische Musik läuft, sagt DeSantis: "Guten Morgen, meine Damen und Herren, hier spricht Ihr Gouverneur. Die heutige Trainingsentwicklung – Hundekampf, Kampf gegen die Medien.

DeSantis verkörpert "die neue republikanische Partei"

Die Einsatzregeln lauten wie folgt: Erstens: Schießen Sie nur, wenn auf Sie geschossen wird, und wenn sie schießen, feuern Sie mit überwältigender Kraft zurück. Nummer zwei – weichen Sie niemals von einem Kampf zurück. Nummer drei – akzeptieren Sie ihre Narrative nicht." Der Chefredakteur der Zeitschrift "National Review", Rich Lowry, schreibt in einem Gastbeitrag für die "New York Times", dass DeSantis "die neue republikanische Partei verkörpert".

DeSantis ist erst 43 Jahre jung, seine Familie ist italienischer Abstammung, katholisch, ein Aufsteiger, der sich eine Bilderbuchkarriere erarbeitet hat: Abschlüsse in Yale (Grundstudium) und Harvard (Jura), Kapitän der Yale-Baseball-Mannschaft, Karriere als Navy-Anwalt, Militäreinsatz im Irak, mehrere Orden, so den "Bronze Star", verheiratet mit einer bekannten TV-Journalistin und dreifacher Familienvater.

Der Star-TV-Moderator Piers Morgan kommt zu folgendem Urteil: "Ich denke, dass DeSantis den angeschlagenen Joe Biden – oder jeden anderen Demokraten – politisch vernichten und Präsident werden würde. Es gibt nur eine Hürde. Er muss zunächst Donald Trump vernichten."

"Ronald statt Donald": DeSantis profitiert von Trumps fallenden Umfragewerten

Tatsächlich ist es inzwischen so, dass je tiefer die Umfragewerte für Donald Trump fallen, sie desto höher für DeSantis steigen. DeSantis schlägt Trump inzwischen sogar bei dessen Domäne Spendensammeln – verblüffende 100 Millionen Dollar hat DeSantis für sich eingeworben.

Und das just in dem Bundesstaat, wo Trump bislang von seinem Golfclub-Anwesen Mar-a-Lago aus reiche Gönner mobilisieren konnte. Anders als Trump hatte DeSantis keine reichen Eltern, er ist kein Immobilientycoon, nicht mal der Small-Talk-Typ. Ex-Klassenkameraden beschreiben ihn als hartnäckigen, ehrgeizigen Einzelgänger, "das Gegenteil eines sozialen Schmetterlings". Er sei extrem konzentriert und zielstrebig.

Nun lautet sein Ziel, "Ronald statt Donald" zum Programm werden zu lassen. Auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida rief er kürzlich der Menge zu: "In Zeiten wie diesen gibt es keinen Ersatz für Mut. Wir brauchen Menschen im ganzen Land, die bereit sind, die volle Waffenrüstung Gottes anzulegen." Als die Menge in Jubel ausbrach, gelobte er: "Der Kampf hat gerade erst begonnen." Trump, der ihn einst gefördert hatte, wird sich auf einen politischen Vatermord einstellen müssen.

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