Als Donald Trump ins Rennen um das US-Präsidentschaftsamt ging, hielt es kaum jemand für möglich, dass er die Wahl gewinnt – inzwischen sitzt er seit über einem Jahr im Weißen Haus. Nun ist der mächtigste Twitterer der Welt für den Friedensnobelpreis nominiert - weil er im Nordkorea-Konflikt tatsächlich zu einer kaum für möglich gehaltenen Spannung betragen könnte. Doch hat er wirklich Chancen?

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Geld, Popularität, Macht: Selbst sein Traum, endlich auch mal Präsident der USA zu werden, wurde Wirklichkeit. Ist Donald Trump (71) eines dieser Glückskinder, denen das Schicksal alle Wünsche erfüllt?

Die Frage ist nicht unberechtigt, denn der amtierende US-Präsident wurde für den Friedensnobelpreis nominiert. Sollte er die Auszeichnung erhalten, wäre er damit endgültig im Olymp der Eitelkeiten angekommen.

"Man soll niemals nie sagen"

Donald Trump – ein Friedensnobelpreisträger? Eigentlich unvorstellbar. So auch für Prof. Dr. Christian Hacke vom Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie in Bonn, der auf Anfrage ein winziges Hintertürchen offen lässt:

"Man soll niemals nie sagen, aber er hat zu 99 Prozent keine Chance auf den Nobelpreis. Bedenken Sie, dass man dort gerade eine "MeToo"-Debatte im Komitee hatte", erinnert Hacke.

Im Mai 2018 haben 18 republikanische Abgeordnete des US-Repräsentantenhauses Trump für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. In einem Brief an das Nobelpreiskomitee begründeten die Politiker ihren Vorschlag, Trump habe zum Abbau der Spannungen mit Nordkorea beigetragen.

Bereits vor dem geplanten Treffen des US-Präsidenten mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un am 12. Juni habe sich gezeigt, dass Trumps Politik der Sanktionen und des "Friedens durch Stärke" wirke und das Regime von Pjöngjang an den Verhandlungstisch zwinge.

Wie tickt der US-Präsident?

Mehr noch als die etwaige Auszeichnung interessiere Trump aber eher, der Welt etwas zu beweisen: "Der Nobelpreis ist wohl weniger seine Motivation, sondern seine Überzeugung, dass er mit autoritären Herrschen und Diktatoren 'gut kann'", analysiert Hacke mögliche Gedankengänge des US-Präsidenten.

Genau diese "Selbstüberschätzung" könnte ihm aber zum Verhängnis werden, denn Kim Jong Un "ist clever und in seiner diplomatischen Raffinesse Trump überlegen".

Egal wie sich das Nobelpreis-Komitee entscheidet – das Treffen von Trump und Kim am 12. Juni bringt auf jeden Fall einen Gewinner hervor: den nordkoreanischen Despoten.

Es bringe einen "unglaublichen Prestigegewinn für ihn, außen und innenpolitisch", analysiert der Experte.

Ein nordkoreanischer Abbau von Atomwaffen, der vom Nobelpreiskomitee in ihrer Wahl Trump zugutegehalten werden könnte, sei nicht zu erwarten:

"Kim wird nie auf Atomwaffen verzichten; sie sind seine Garantie, dass niemand seine Herrschaft infrage stellt, sie dienen der Abschreckung jeglicher Interventionen von außen. Seine Atomwaffen sind primär defensiv. Fazit: Kim wird eher Gras fressen, als auf seine Atomwaffen zu verzichten", so der Professor.

Gewinner wird im Oktober bekannt gegeben

Für reichlich Wettbewerb bei der begehrten Auszeichnung ist gesorgt: Dieses Jahr wurden 330 Kandidaten nominiert, 216 Einzelpersonen und 114 Organisationen.

Die Gewinner der Nobelpreise (dotiert mit umgerechnet 940.000 Euro) werden im Oktober bekannt geben. Die Verleihung findet am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, statt.

Die Preisträger werden von einem fünfköpfigen Komitee ermittelt, alle Mitglieder dieses Gremiums müssen vom norwegischen Parlament, dem Storting, für einen Zeitraum von sechs Jahren ernannt werden.

Macht Trump das Rennen - oder nicht? Das Komitee trifft mitunter überraschende und umstrittene Entscheidungen.

1994 erhielt der Palästinenserführer Jassir Arafat den Preis an der Seite von Israels Premier Yitzhak Rabin und Außenminister Schimon Peres, obwohl er jahrelang Terroranschläge befehligt hatte.   © spot on news