Es war richtig knapp: Drei Prozentpunkte fehlten Beto O'Rourke, um in Texas den Senatssitz von Amtsinhaber Ted Cruz zu erobern. Am Ende seiner politischen Ambitionen ist er noch lange nicht angelangt.

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Die Sender waren wohl zu langsam, als Beto O'Rourke live im TV die F-Bombe zündete. "I'm so fucking proud of you guys!" ("Ich bin so verdammt stolz auf euch!"), rief der Demokrat seinen Anhängern zu, als er in der Wahlnacht in einer emotionalen Rede seine knappe Niederlage gegen Ted Cruz einräumte.

Im knappsten Rennen bei einer Senatswahl in Texas seit 1978 verteidigte zwar am Ende der favorisierte Republikaner mit 50,9 Prozent der Stimmen seinen Sitz im Senat; O'Rourke setzte jedoch weit mehr als eine Duftmarke.

Er sei "so hoffnungsvoll wie eh und je", betonte der 46-Jährige. Gleichzeitig deutete er an, sich 2020 eine Kandidatur gegen Amtsinhaber Donald Trump vorstellen zu können. Das im US-Fernsehen so verpönte F-Wort, das unzensiert um die Welt ging, befeuerte seine Anhänger noch: In den sozialen Medien wurde O'Rourke später für seine authentische Sprache gefeiert.

Schon vor den Midterms galt der von irischen Einwanderern abstammende Demokrat als potenzieller Kandidat für die kommenden Präsidentschaftswahlen. "O'Rourke hat mehr Geld gesammelt als jeder andere texanische Demokrat, hat die Mengen begeistert wie kein anderer texanischer Demokrat - oder Republikaner - in der jüngeren Geschichte und hat einer moribunden demokratischen Partei neues Leben eingehaucht", sagte Mark Jones, Politikwissenschaftler an der Rice University in Houston, dem "Guardian".

Innerhalb von zwei Jahren an die Politspitze

Analysten zufolge konnte O'Rourke eine ganze Welle demokratischer Wähler mobilisieren - und das nicht nur in Texas. Innerhalb von nur zwei Jahren ist O'Rourke zur neuen Lichtgestalt der Demokraten aufgestiegen. Angefangen hat er mit nur zwei Mitarbeitern - alten Freunden aus seiner Heimatstadt El Paso, nun holte er das beste Ergebnis für die Demokraten in Texas seit 40 Jahren: 1978 war Bob Krueger (49,3 Prozent) seinem Kontrahenten John Tower bis auf 0,5 Prozentpunkte auf die Pelle gerückt.

Julian Castro, einst Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung unter Obama, stuft O'Rourkes Ergebnis als "Weckruf für diesen Bundesstaat" ein. "Die Demokraten können viel weiter und schneller vorankommen, als irgendjemand gedacht hätte", sagte er dem "Guardian".

O'Rourke wurde schon mit Robert Kennedy und Barack Obama verglichen. Politanalyst Larry Sabato von der University of Virginia sagt ihm eine Nominierung als demokratischer Kandidat für 2020 voraus. "Kein anderer Demokrat scheint seiner Anziehungskraft für die Parteibasis auch nur im Ansatz nahezukommen", twitterte Sabato.

Barack Obama habe nur vier Jahre Senatserfahrung gehabt, bevor er Präsident geworden sei. "Und es gab da einen anderen Typen, der ein Senatsrennen verloren hat und zwei Jahre später zum Präsidenten gewählt wurde. Ein Kerl namens Abraham Lincoln", schreibt der Analyst.

Josef Braml, USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, sieht O'Rourkes politische Zukunft nicht ganz so euphorisch. "Er wäre sicherlich besser als die bisherigen Alternativen, die wieder im Gespräch sind: Bernie Sanders oder Joe Biden, die beide nicht mehr so richtig als Hoffnungsträger erscheinen", sagt Braml auf Anfrage unserer Redaktion.

Der 46-Jährige habe zumindest die den Demokraten nahestehenden Geldgeber überzeugt und hätte "damit die halbe Miete bei den demokratischen Vorwahlen - wenn man sich die enormen Summen ansieht, die er bereits für diesen Senatswahlkampf mobilisieren konnte". Knapp 70 Millionen Dollar an Wahlspenden hatte O'Rourke eingesammelt.

Seine knappe Niederlage spräche wohl nicht gegen eine Nominierung, mutmaßt der Politikwissenschaftler. Schließlich habe O'Rourke in einem von Republikanern dominierten Bundesstaat verloren. "Die Demokraten werden sich wohl an diesem Strohhalm festhalten müssen."

Unterstützung von prominenter Seite

Auf zahlreiche Unterstützer aus der Promi- und Sportwelt kann O'Rourke jedenfalls zählen. Stars wie Basketballer LeBron James machten vor der Wahl Stimmung für den Demokraten. Die gebürtige Texanerin Beyoncé rief ihre Fans dazu auf, ihr Kreuz bei O'Rourke zu machen.

Der Schriftsteller und Bürgerrechtler Shaun King dankte ihm nach der Wahl dafür, "die Fantasie des ganzen Landes beflügelt" zu haben. Er habe "Hoffnung, Integrität und Gleichheit für alle" zur Botschaft gehabt.

Alle Ergebnisse der Midterm Elections auf einen Blick

Zeitgleich wurden auch erste prominente Rufe nach einer Kandidatur für 2020 laut. Schauspieler Javier Muñoz twitterte: "Beto soll Präsident werden!" Ellen Pompeo ("Grey's Anatomy") leitete seinen Tweet prompt an die eigenen Fans weiter.

Schauspielerin Ellen Barkin ("Gesetz der Straße") rief ihre Follower auf: "Trefft 2020 eure Wahl." Und Kollegin Olivia Wilde ("House") ergänzte: "Beto 2020. Los geht's."

Verwendete Quellen:

  • Gespräch mit Dr. Josef Braml, USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik
  • CNBC: Democrat Beto O'Rourke speaks after losing Senate race to Ted Cruz
  • Ourcampaigns.com: Race Detail TX US Senate 1978
  • Time.com: Beto O'Rourke Dropped the F-Bomb on Live TV During His Concession Speech
  • WashingtonExaminer.com: 'Sabato's Crystal Ball' author foresees Beto O'Rourke being drafted for 2020 bid
  • Guardian.co.uk: Beto O'Rourke 'as hopeful as I've ever been' despite narrow loss to Ted Cruz
  • OpenSecrets.org: Rep. Beto O'Rourke - Texas District 16
  • TheCut.com: Seems Like Everyone Wants Beto O’Rourke to Run For President
  • dpa
Teaserbild: © Chip Somodevilla/Getty Images