Donald Trump hat die Nominierung als US-Präsidentschaftskandidat für die Wahl am 8. November angenommen. Doch der jüngste Konvent der Republikaner hat gezeigt, wie tief die Partei gespalten ist. Und das könnte für den New Yorker Immobilienmogul problematisch werden, denn die Präsidentschaftswahl wird traditionell in der politischen Mitte gewonnen. Trump wird es jedoch aller Voraussicht nach sehr schwer haben, die gesamte Wählerkoalition der eigenen Partei für seinen Einzug ins Weiße Haus zu mobilisieren.

Er polarisiert wie kaum ein anderer. Sein bisheriger Wahlkampf bestand zum Großteil aus dem Aufbau von Feindbildern, Lügen und Hetze. Und trotzdem hat er es geschafft, als Präsidentschaftskandidat ins Rennen um das Weiße Haus zu gehen. Doch was sich für Donald Trump wie ein Siegeszug anfühlen dürfte, könnte am Ende das genaue Gegenteil bewirken. Nie zuvor war die Republikanische Partei so zerrüttet – und nie zuvor haben so viele Parteimitglieder ihrem eigenen Kandidaten die Unterstützung verweigert.

Christian Lammert, Politik-Professor am John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerika-Studien an der Freien Universität Berlin, erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion: "Vom Parteikonvent geht das Signal einer zutiefst gespaltenen Republikanischen Partei aus. Das Partei-Establishment steht nicht hinter dem Kandidaten, der als Sieger aus den Vorwahlen hervorgegangen ist. Programmatisch und personell steckt die Republikanische Partei in einer fundamentalen Krise. Trump ist der Ausdruck dieser Krise."

Donald Trump, der Anwalt des kleinen Mannes

In seiner Grundsatzrede hat sich Trump substanzieller gezeigt als zuvor. Seine Hauptaussagen für den restlichen Wahlkampf: Amerikaner wieder in Lohn und Brot bringen und die innere Sicherheit gewährleisten. "Amerikanismus, nicht Globalismus" solle das Credo sein. Denn: Wenn die USA von Politikern geführt würden, die das Land nicht an die erste Stelle setzten, würden sie von anderen Ländern nicht mit Respekt behandelt.

"Das wird sich 2017 ändern", zeigt sich Trump kämpferisch. Er habe die politische Arena betreten, damit die Mächtigen nicht länger auf Menschen einschlagen können, die sich nicht verteidigen können. "Niemand kennt das System besser als ich, deswegen bin ich der Einzige, der es reparieren kann", tönt der Milliardär.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat kündigte an, er werde Millionen Jobs zurück in die USA bringen. Ohne Gesetz und Ordnung könne es dabei jedoch kein Wachstum geben. Er erklärt, "die Kriminalität und die Gewalt werden bald beendet sein". Gleichzeitig bekräftige er seine Absicht, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zum Schutz vor illegaler Einwanderung errichten zu wollen. Auch die "Barbaren" vom "Islamischen Staat (IS)" müssten laut Trumps Aussage rasch besiegt werden.

Die Schuldigen für die Gewalt, den Terror und den neu entfachten Rassismus in den USA hatte Trump schnell ausgemacht: Präsident Barack Obama und Konkurrentin Hillary Clinton. Die ehemalige US-Außenministerin sei "korrupt, ineffizient und ungeeignet", zudem sei sie eine Marionette von Medien und Spendern. Laut Trump habe sie durch "schlechte Instinkte und schlechtes Urteilsvermögen viele der aktuellen Desaster" erst ermöglicht.

Donald Trump gewinnt keine neuen Wähler

Nominierungsparteitage bedeuten in den USA einen generellen Aufwärtstrend in den Umfragen zur US-Wahl, was an der erhöhten medialen Aufmerksamkeit liegt. Es ist jedoch fraglich, ob die Darstellung und Präsentation auf dem Konvent auch in diesem Jahr diesen Effekt zeigen wird. Einen Wendepunkt in der Wählergunst sieht Politik-Professor Lammert jedenfalls nicht: "In der gespaltenen US-Öffentlichkeit haben die Leute ihre Meinung bereits gefasst. Generell zeigt sich hier wenig Bewegung."

Auch innerhalb des republikanischen Lagers hat sich die Ausgangsposition nicht geändert. Laut Lammert hätte der Nominierungsparteitag dazu genutzt werden müssen, die Spaltung innerhalb der Partei zu kitten. Dies sei jedoch nicht gelungen. "Trump kann nun lediglich auf die Basis innerhalb der Republikanischen Wählerkoalition bauen, die ihn auch in den Vorwahlen unterstützt hat." Er könne nun bestimmte Wählergruppen, insbesondere die für einen Wahlsieg wichtigen Religiös-Konservativen, nicht ausreichend mobilisieren.

"Die US-Präsidentschaftswahlen werden in der politischen Mitte gewonnen und zugleich muss die gesamte Wählerkoalition der eigenen Partei mobilisiert werden. Das scheint bei den Republikanern bei dieser Wahl nicht zu funktionieren", erklärt Lammert.

Republikaner haben Geschlossenheit verspielt

Normalerweise haben solche Parteitage keinen entscheidenden Einfluss auf den Ausgang der US-Wahl. Dafür dauert der Wahlkampf noch zu lange. Parteitage können aber die eigene Basis einschwören, um engagiert und vor allem geschlossen in die entscheidende Phase zu gehen. "Das ist auf dem Parteitag der Republikaner verpasst worden", erklärt Lammert. Allen voran vermied Trumps unterlegener Rivale, der texanische Senator Ted Cruz, eine deutliche Aufforderung zur Wahl des Milliardärs.

Am Ende könnte genau diese fehlende Unterstützung aus der eigenen Partei Donald Trump einen Strich durch die Rechnung machen – und seinen Einzug ins Weiße Haus verhindern.

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